Widerstand

Protestbündnis in Bottrop gegen AfD-Redner Björn Höcke

Das Bündnis buntes Bottrop ruft zum Protest gegen den Auftritt Björn Höckes im Lichthof auf: Matthias Buschfeld, Niels Holger Schmidt, Andrea Multheimer, Tobias Krupp und Jürgen Buschfeld (von rechts).

Das Bündnis buntes Bottrop ruft zum Protest gegen den Auftritt Björn Höckes im Lichthof auf: Matthias Buschfeld, Niels Holger Schmidt, Andrea Multheimer, Tobias Krupp und Jürgen Buschfeld (von rechts).

Foto: Heinrich Jung

Bottrop.   Ein großes Bündnis ruft zur Teilnahme an Kundgebung gegen AfD-Treffen mit Björn Höcke in Bottrop auf. Am 2. November wird's eine Gegen-Demo geben.

Der Unterstützerkreis der Kundgebung gegen den Auftritt des AfD-Rechtsaußen Björn Höcke in der Berufsschule wird größer und größer. Organisiert hat die Protestkundgebung das „Bündnis buntes Bottrop“. Die Demonstration wird am Freitag, 2. November, um 17.30 Uhr am Hans-Sachs-Platz beginnen.

In dem Bündnis haben sich Gewerkschaften, Kirchen, Sozialverbände, Vereine und Parteien zusammengeschlossen. „Wir stehen für eine demokratische Gesellschaft, in der Menschen jeder Herkunft, jeder Religion und jeder Weltanschauung friedlich miteinander leben. Hetze und Spaltungsversuche von rechten Parteien und Gruppierungen dulden wir in Bottrop nicht“, erklärt Sprecher Jürgen Buschfeld.

AfD-Mann Björn Höcke spricht im Lichthof

Anlass für die Proteste ist eine Veranstaltung der AfD, die unter dem Titel „Gemeinsam für Deutschland“ am Freitag um 18 Uhr im Lichthof beginnen soll. Als Redner werden außer Björn Höcke auch AfD-Landessprecher Thomas Röckemann und der Münsteraner AfD-Bezirkssprecher Steffen Christ erwartet. Der zunächst angekündigte Vize-Bundessprecher Albrecht Glaser wird allerdings nicht teilnehmen.

Bei der Protestkundgebung gegen den Höcke-Auftritt werden außer Oberbürgermeister Bernd Tischler und Bündnissprecher Jürgen Buschfeld zum Beispiel der Bottroper DGB-Vorsitzende Reinhard Thater und Verdi-Vertreterin Henrike Eickholt als Redner angekündigt.

Für die evangelische Kirche in Bottrop spricht Pfarrer Stefan Riesenberg, für die Pfarrei St. Cyriakus ihr Pastoralreferent Florian Giersch. Auch SPD-Vorsitzende Sonja Voßbeck wirbt für die Kundgebung. „Das Bündnis leistet ein eindrucksvolles bürgerliches Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz“, sagte sie.

AfD-Gegner kommen auch aus den Nachbarstädten

Protest gegen die AfD-Versammlung gibt es längst auch in den Nachbarstädten: Angemeldet etwa hat die Demonstration der DGB Emscher-Lippe. Neben der Bottroper Linken will die Linke Liste in Oberhausen an der Gegenkundgebung teilnehmen. In Gladbeck ruft das „Bündnis für Courage“ zur Teilnahme auf.

Das Berufskolleg geht ohnehin zu der AfD-Veranstaltung auf Distanz. „Mit Sorge beobachten wir, dass sich in der Öffentlichkeit die Wahrnehmung verbreitet, es handele sich um eine schulische Veranstaltung. Dies ist nicht der Fall“, heißt es in einem Schreiben der Schulleiter Guido Thewes und Klaus Wiegert.

Die Schulgemeinschaft sei in keiner Weise für die Organisation und die Inhalte der Veranstaltung verantwortlich. „Ausgrenzung und Beleidigung, wie sie leider immer öfter von politischen Kräften als Instrumente herangezogen werden, haben in unserem schulischen Alltag keinen Platz“, erklären die beiden Schulleiter in ihrem Schreiben.

Selbst Bottroper AfD-Vorstand geht auf Distanz

Selbst die AfD-Spitze in Bottrop geht auf Distanz zu der Veranstaltung ihrer eigenen Partei. Vorstandssprecher Alfred Stegmann und weitere Vorstandskollegen boykottieren den Auftritt des Thüringers Höcke im Lichthof demonstrativ.

Die deutliche Kritik des Bottroper AfD-Vorstandes an AfD-Rechtsaußen Höcke findet jetzt auch im AfD-Landesvorstand Unterstützer. So erklärt sich Landessprecher Helmut Seifen mit der Boykotterklärung des Bottroper Kreisvorstandes solidarisch und fordert auch den Landesvorstand seiner Partei dazu auf.

Zuvor hatte der Bottroper AfD-Sprecher Alfred Stegmann demonstrativ seine Teilnahme an der AfD-Veranstaltung im Lichthof abgesagt. Die Bottroper AfD-Vorstände befürchten, wegen des Höcke-Auftritts als ultrarechter Kreis hingestellt zu werden.

Er gehe davon aus, dass die Mehrheit der Wähler und Mitglieder der AfD in Bottrop einen Auftritt Höckes ablehnen, erklärte Ex-CDU-Mitglied Stegmann. Auch NRW-Sprecher Seifen schreibt, es sei bei Veranstaltungen zu überlegen, was der Partei nütze und was schade. Kritiker werfen Höcke rassistische Aussagen und die Übernahme nationalsozialistischen Gedankengutes vor.

AfD-Landessprecher kritisiert Flügel-Aktivitäten

Nicht nur die Bottroper AfD stellt sich damit gegen ihren eigenen Bezirksverband in Münster, auch AfD-Landessprecher Seifen kritisiert den Bezirk scharf. So wirft Seifen dem Bezirksvorstand in einem Schreiben unkollegiales Verhalten, Respektlosigkeit und Missachtung vor.

Die Münsteraner AfD-Gliederung habe den Höcke-Auftritt in Bottrop organisiert und weder den Bottroper Vorstand noch den NRW-Vorstand informiert. Auch Höcke habe auf Nachfragen nicht reagiert, so Seifen.

Dahinter steckt offenbar ein Flügelstreit in der AfD. Höcke ist Sprecher der von Kritikern als nationalistisch eingestuften AfD-Gruppierung „Der Flügel“. Seifen fordert, Flügelaktivitäten in NRW einzustellen und warnt sogar vor einer Spaltung der AfD.

Leserkommentare (6) Kommentar schreiben