Ärgernis

Pferdeäpfel und Hundekot stinken den Anwohnern im Dorf

Dies ist kein Hundeklo: Aber das Schild am Wienkamp macht kaum Eindruck auf Hundbesitzer, klagen Anwohner.

Foto: Heinrich Jung

Dies ist kein Hundeklo: Aber das Schild am Wienkamp macht kaum Eindruck auf Hundbesitzer, klagen Anwohner. Foto: Heinrich Jung

Bottrop-Kirchhellen.   Beschwerden über Reiter und Hundehalter sind in der Politik angekommen. Die Behörden können Knöllchen verhängen. Aber nur auf frischer Tat.

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In Kirchhellen-Mitte ärgern sich immer mehr Anwohner über Pferdeäpfel auf Schulwegen und Hundekot an Spielplätzen. SPD-Ratsherr Markus Kaufmann ärgert sich über immer mehr Reiter, die sich keineswegs nur an die Reitwege halten. SPD-Bezirksfraktionschef Willi Stratmann beklagt, dass Kinder auch auf Schulwegen wie der Burgstraße Pferdeäpfeln ausweichen müssen.

„Kirchhellen ist eigentlich hundefreundlich“, sagt ein Anwohner. „Aber das Maß ist voll, wenn wir nach jedem Spaziergang Hundekot an den Schuhen oder am Kinderwagen haben.“ Besonders schlimm sei es derzeit rund um das DRK-Familienzentrum am Wienkamp („Die ganze Wiese ist voll“) und am kleinen Wäldchen hinter dem Jugendkloster: „Mindestens einer von uns ist immer durchgelaufen.“

Neue Rechtslage im Wald

Nach seinen Beobachtungen gibt es zwar auch die pflichtbewussten Hundehalter, die mit Tütchen oder Schaufel die Hinterlassenschaft ihrer Tiere entsorgen: „Wenn alle das vernünftig aufsammeln, ist ja auch alles in Ordnung.“ Aber immer mehr Hundehalter tun das eben im unmittelbaren Dorfumfeld nicht. Dabei scheinen sie durchaus zu wissen, dass sie sich damit ins Unrecht setzen: „Die rennen weg, wenn man sie ansprechen will.“

Tierische Hinterlassenschaften auf den Straßen haben jetzt auch in der Politik für eine spontane Unmuts-Eruption gesorgt. Der Planungsausschuss hatte sich mit dem Thema Reiter in den Bottroper Wäldern zu befassen. Der Anlass dazu: Das neue Landesnaturschutzgesetz hatte Ende 2016 die Pflicht für Reiter gelockert, sich auf das Reitwegenetz zu beschränken.

Alle sollten die Regeln kennen

Deshalb sollten ab 2018 den Reitern auch alle öffentlichen Verkehrsflächen und alle privaten Straßen und Fahrwege zur Verfügung stehen. Das ist keine gute Idee, befand Stefan Beckmann, Leiter desFachbereiches Umwelt, und erntete Zustimmung aus der Politik: „In einer Großstadt wie Bottrop tummeln sich schon jetzt unzählige Spaziergänger, Familien, Freizeitsportler, Radfahrer und Hundebesitzer auf den Waldwegen. Das gilt besonders an Wochenenden und nach Feierabend. Schon jetzt gibt es Beschwerden über das rücksichtslose Verhalten Einzelner.“ Unter anderem deshalb hat der Oberbürgermeister eine Verfügung erlassen: Reiter bleiben bitte im Wald auf den Reitwegen.

Zugelassen sind Reiter allerdings auch im Dorf auf den Fahrradstraßen, rund um Gregor- und Sekundarschule. Eigentlich sollen auf diesen Straßen wie etwa der Burgstraße Schüler auf dem Rad freie Fahrt haben. Tatsächlich müssen sie auf dem Schulweg immer wieder Ansammlungen von Pferdeäpfeln ausweichen, hat Willi Stratmann beobachtet, der Chef der SPD-Bezirksfraktion. „Müssen die Reiter sich nicht wie Hundehalter um den Mist kümmern?“ Müssen sie schon, sagt Stefan Beckmann: Wie gegen Hundehalter können Ordnungsdienst, Förster und Regionalverbands-Ranger auch gegen Reiter aktiv werden - wenn sie sie denn erwischen.

Knöllchen gibt es auch für Reiter

Der Kommunale Ordnungsdienst der Stadt, die Forstbehörden und der Regionalverband Ruhr als Besitzer großer Flächen haben die Möglichkeit, gegen Reiter „Köttelknöllchen“ wie gegen Hundehalter zu verhängen. Das Problem beschreibt Stadt-Sprecher Andreas Pläsken so: „Man muss daneben stehen, um es ahnden zu können:“

Reiter müssen sich wie Hundehalter um die Hinterlassenschaft seines Tieres kümmern. Wer das nicht tut und dabei erwischt wird, kann in Bottrop mit 35 bis 55 Euro zur Kasse gebeten werden. Wegen des höheren Entsorgungsaufwandes bei Pferdemist, formuliert Pläsken, fallen Knöllchen gegen Reiter im Zweifel höher aus als gegen Hundehalter, wenn sie denn auf frischer Tat ertappt werden. Und das ist bei Pferden nach Pläskens Kenntnis „in den vergangenen anderthalb Jahren genau ein Mal der Fall gewesen“. Eim weiteres Argument gegen das freie Reiten im Wald ist nach Beckmanns Angaben die Sorge vor „einer erheblichen Zunahme der Konflikte und von Unfällen“.

>> DAS REITWEGENETZ

  • Das Reitwegenetz in der Haard und in der Kirchheller Heide umfasst nach Angaben des Kreises Recklinghausen gut 450 Kilometer. Unter anderem mit Verweis auf dieses Angebot hat die Stadt mit der „Allgemeinverfügung Reiten im Wald“ vom 30. November angeordnet: „Das Reiten ist in den Waldflächen in Bottrop auf die nach der Straßenverkehrsordnung gekennzeichneten Reitwege beschränkt.“
  • Die Stadt hat bereits angekündigt, das Reitwegenetz weiter auszubauen. Als nächste Reitwegeverbindung soll ein Reitweg vom Vöingholz Richtung Gladbeck entstehen.
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