Im Chefsessel

Peter Bomm machte sein Hobby zum Beruf

In der Werkstatt ist während der Saison immer etwas zu tun. Im Bild: Peter Bomm (re.) und Martin Marzipano.

Foto: Michael Korte

In der Werkstatt ist während der Saison immer etwas zu tun. Im Bild: Peter Bomm (re.) und Martin Marzipano. Foto: Michael Korte

Bottrop.   Seit 20 Jahren führt der einstige Kfz-Mechaniker seinen Fahrradladen in der Boy und setzt auf die gute Beratung seiner Kunden.

Basteln, Schrauben und Tüfteln war immer schon sein Ding. Drum war Peter Bomm eigentlich schon als Kfz-Mechaniker in seinem Element. Doch dann bekam er die Chance, den Fahrradladen in der Boy zu übernehmen. „Das war die Chance, mein Hobby zum Beruf zu machen“, meint Peter Bomm und fügt schmunzelnd hinzu: „Aber wenn man das tut, hat man kein Hobby mehr.“

Bedauert hat der 56-Jährige diesen Schritt nie. Vor 20 Jahren hängte er seinen Beruf als Kfz-Mechaniker an den Nagel und widmete sich fortan dem Radsport – doch nun halt beruflich. „Irgendwann in den 80er Jahren entdeckte ich den Radsport und fuhr Downhill-Rennen mit dem Mountainbike“, erinnert sich Bomm. „Es faszinierte mich abseits der Straßen durchs Gelände zu fahren und die Natur zu genießen.“

Bahnhof im Laden

Zum Radfahren kommt Peter Bomm heutzutage nur selten. Doch seinen Radsportladen hat er zu einem einzigartigen Ort mit ungewöhnlichem Einkaufs- und Werkstatterlebnis entwickelt. Quer durch den Laden führt ein Gleis hin zu einem Bahnhof aus rotem Holz. Und genau hier hat Bomm unter lauschigem Baum und überhängendem Dach seinen Chefsessel am Schreibtisch stehen.

„Alles ist selbst gebaut“, stellt Bomm fest. „Der Bahnhof ist der Nachbau eines amerikanischen Originals in Cannondale und die Schienen stammen aus dem Pütt.“ Während eines Besuchs bei seinem Hauptlieferanten in Connecticut entdeckte er einst den urigen kleinen Bahnhof, dessen Nachbauten nun seine Geschäfte in Bottrop und Dorsten zieren. „Und die Kunden können vor dem Bahnhof sitzen und durch die Fenster in die Werkstatt schauen.“

Trend geht zu E-Bike und Pedelec

Überhaupt die Kunden: „Wichtig ist mir, dass sie eine gute Beratung bekommen und ein Fahrrad, das ihren Wünschen rundum entspricht.“ Deswegen verweigert sich Bomm auch konsequent dem Internetgeschäft. „Wer ein Rad kauft, braucht auch Beratung und Kauferlebnis. Ein Fahrrad ist heutzutage so aufwendig und jedes wird persönlich auf den Kunden und seine Wünsche zugeschnitten.“

Während Peter Bomm anfangs vor allem Mountainbikes und Rennräder verkaufte, ist die Palette heute umfangreicher, reicht vom Citybike, Trekkingrad und Mountainbike bis hin zu E-Bikes. „E-Bikes und Pedelecs machen inzwischen 50 Prozent im Verkauf aus“, so Bomm. „Die Nachfrage steigt ständig.“

Von 45 auf 100 Quadratmeter

Seit 20 Jahren führt Peter Bomm seinen Radsportladen in der Boy. Angefangen hat er 1998 auf etwa 45 Quadratmetern Fläche, etwa 100 Meter vom heutigen Laden entfernt. „Die damaligen Eigentümer Evelyn und Horst Decke wollten in Rente gehen und fragten mich: Willst du den Laden haben?“, erinnert sich Peter Bomm und fügt schmunzelnd hinzu, dass ihn vor allem die kurzen Öffnungszeiten und die scheinbar so üppige Freizeit gereizt hätten.

„Tatsache aber ist, dass ich von etwa 8 bis 21 Uhr im Laden bin - also auch wenn er eigentlich geschlossen ist. Und mittwochs, wenn den ganzen Tag zu ist, widme ich mich dem Papierkram.“

Keine Sorge um die Zukunft

Anfangs führte Peter Bomm Laden und Werkstatt allein, heute hat er ein Team von sieben Mitarbeitern, darunter zwei Auszubildende. Seit 2008 befindet sich der Laden am heutigen Standort in der Johannesstraße 14 a auf rund 600 Quadratmetern. Um die Zukunft seines Ladens macht sich der Familienvater keine Sorgen: „Unsere Chance ist, mit den Bedürfnissen der Kunden zu gehen“, so Peter Bomm. „Dem E-Bike gehört die Zukunft. Das kaufen durchaus nicht mehr nur ältere Leute, sondern die Generation 20 Plus“, so Bomm und zeigt ein stylisches E-Mountainbike.

Insgesamt fehle dem Radsport allerdings der Nachwuchs. „Unter den Jugendlichen fehlt leider das Interesse an sportlicher Betätigung.“ Und was tut ein Mann, dem der Beruf das Hobby genommen hat? „Ich genieße, dass ich Zuhause inmitten wunderschöner Landschaft wohne“, so der Schermbecker. „Und wir reisen gern.“

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