Soziales

Palliativmediziner ermöglichen Sterbenden gute Tage

Die erfahrene Palliativmedizinerin Gertrud Metzelder (li.) mit Kerstin Drysch (PKD-Geschäftsführerin), Maurice Gorski (Koordinator) und Dr. Jan Brackmann (re.), der sich dem Dienst anschließen will.

Die erfahrene Palliativmedizinerin Gertrud Metzelder (li.) mit Kerstin Drysch (PKD-Geschäftsführerin), Maurice Gorski (Koordinator) und Dr. Jan Brackmann (re.), der sich dem Dienst anschließen will.

Foto: Michael Korte

Bottrop.   Die Ärzte im Palliativmedizinischen Konsiliardienst wollen Beschwerden lindern und Ängste nehmen. Besuch daheim auch nachts und an Wochenenden.

Die schützende Hand ist das Symbol des Palliativmedizinischen Konsiliardienstes Bottrop. Er will mit dafür Sorge tragen, dass Schwerstkranke in vertrauter Umgebung sterben können. Dafür setzen sich beim PKD neben vier Koordinatoren sieben Ärzte ein, die neben ihrer Tätigkeit in Praxis oder Krankenhaus als Palliativmediziner ihren Dienst tun. Aus Überzeugung, wie Gertrud Metzelder verdeutlicht. „Der häusliche Bereich ist der optimale in dieser Situation“, ist ihre Erfahrung.

Angehörige mit im Blick

Die palliative Versorgung zielt für die Ärztin nicht ausschließlich aufs Krankheitsbild. Zwar steht die Symptomkontrolle im Vordergrund; die Gabe von Medikamenten gegen Schmerzen, Übelkeit, Luftnot, Depressionen. „Aber wir reden auch über Religiöses, Spirituelles“, sagt die Internistin. Das Gespräch über Befürchtungen und das Planen möglicher künftiger Situationen kann Patienten und Angehörigen einiges an Ängsten nehmen. „Eine ganz große Sorge bei den Patienten ist die Angst vorm Ersticken oder unkontrollierbaren Schmerzen“, so Metzelder.

Angehörige quält oft ein Gefühl der Hilflosigkeit. Wie sie begleitend unterstützen können, auch darüber wird geredet. Eine bestimmte Körperhaltung, ein offenes Fenster, Ablenkung durch Musik können dem Sterbenden etwa gut tun.

Zusammenarbeit mit Hausärzten

Patienten kommen über die vertrauten Haus- oder Fachärzte zum PKD, die auch weiter in der Begleitung des Schwerstkranken bleiben. Bei einem Erstbesuch klärt Gertrud Metzelder etwa, welche Medikamente vorhanden sind, wie gut der Patient sich eingestellt fühlt. Es werde eine Basis geschaffen, auf der dann auch Gespräche darüber möglich sind, ob bestimmte Therapien noch fortgesetzt werden oder bestimmte Krankenhausaufenthalte noch in Frage kommen. „Ich staune immer wieder darüber, wie schnell eine gemeinsame Ebene hergestellt ist“, so die Ärztin.

Sie sei oft auch die Brücke zum Hospiz, wo sie mit Dr. Manfred Thols im Einsatz ist. „Aber mein Hauptanliegen ist die Versorgung zu Hause.“ Ursprünglich hatte sie sich palliativmedizinisch fortgebildet, um die Patienten in ihrer Praxis besser versorgen zu können. Schnell stieß sie dann zum PKD.

Palliativmediziner sichern Notdienst

Eine wichtige Funktion der Mediziner dort ist die Übernahme des Notdienstes nachts und am Wochenende. Dann muss in einer Krise nicht der Notarzt alarmiert werden. „Der kennt den Patienten nicht und nimmt ihn im Zweifel mit ins Krankenhaus“, sagt Gertrud Metzelder. „Genau das wollen wir den Patienten nicht zumuten.“

Das Team sucht stets nach neuen Ärzten, die sich zu Palliativmedizinern qualifizieren lassen und beim PKD mitmachen. In den Startlöchern dazu steht der Allgemeinmediziner Dr. Jan Brackmann; den ersten Basiskurs hat er schon absolviert, nun folgen noch Fallseminare. Schon seit seiner ersten Ausbildung zum Krankenpfleger steht für den einstigen Heinrich-Heine-Gymnasiasten fest: „Palliativmedizin macht Freude.“ Dabei zu helfen, dass jemand gut sterben könne, mache zufrieden. „Es ist auch eine kreative Arbeit“, sagt Brackmann. „Man kann Bereiche einbringen, die normalerweise nicht zum Job gehören.“ Er erzählt von einem sterbenskranken Patienten, der Pianist war. „Aber keiner ist auf die Idee gekommen, mal eine CD anzumachen.“ Bislang hat Brackmann als Hausarzt mit dem PKD kooperiert. „Aber ich will das konsequent umsetzen. Und dann gehört das Mitmachen dazu.“

Brackmann wie Metzelder grenzen ihre Arbeit deutlich von der Sterbehilfe ab. „Gute Palliativmedizin macht Sterbehilfe überflüssig“, unterstreicht der Mediziner. „Es sind gute Tage, die wir erzeugen.“

>>> KONTAKT UND FINANZIERUNG

In einer Kurz-Serie stellen wir die Arbeit des Palliativmedizinischen Konsiliardienstes Bottrop vor. Er ist beheimatet an der Heimannstraße 10. Kontakt: 02045 411 18 81, E-Mail info@pkd.ruhr. In dieser Folge geht es um die Mediziner im PKD.

Der PKD Bottrop ist zur Deckung seiner Kosten auch auf Spenden angewiesen, sagt Geschäftsführerin Kerstin Drysch. Von der Krankenkasse erhalte der PKD für jeden eingeschriebenen Patienten einmalig 525 Euro plus einer 60-Euro-Pauschale für den ersten Koordinatoren-Besuch. Das sei unabhängig von der Dauer bzw. Intensität der Begleitung. Die Palliativmediziner rechnen ihre Einsätze über die Krankenkasse ab.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben