Verzehrverbot für Gemüse

Öko-Partei fordert Stilllegung der Bottroper Kokerei

Über den Dächern von Bottrop: Qualm der beim Löschen des Kokses in der Kokerei Prosper entsteht.

Über den Dächern von Bottrop: Qualm der beim Löschen des Kokses in der Kokerei Prosper entsteht.

Foto: Fabian Strauch / Fabian Strauch / FUNKE Foto Services

Bottrop.   Die ÖDP fordert, die Kokerei Prosper in Bottrop so lange still zu legen, bis die Werte für krebserregende Schadstoffe wieder niedriger sind.

Die ÖDP fordert von der Bezirksregierung, die Betriebserlaubnis der Kokerei vorübergehend zurückzuziehen bis nachweisliche und messbare Umweltverbesserungen erreicht werden. „Und von der Stadt, die sich in den letzten Jahren im Umweltausschuss von der Kokerei immer wieder hat vertrösten lassen, fordern wir nun eine konsequente Überprüfung und Überwachung der Entwicklung durch Untersuchungen von weiteren Boden- und Pflanzenproben in den betroffenen Stadtteilen“ stellte ÖDP-Vorsitzende Georg Wenning klar.

Auch die SPD sorgt sich um die Gesundheit der Anwohner im Umkreis der Kokerei. Die Genossen erwarten von der Werksleitung der Kokerei, dass sie alles unternimmt, um in Zukunft die Zielwerte für Benzo(a)pyren einzuhalten. Eine Maßnahme könnte laut Meinung der SPD-Fraktion die Bestellung weiterer Gutachter sein, die regelmäßig die Einhaltung der Zielwerte und die getroffenen Maßnahmen analysieren und bewerten. Dafür sei aber die Kooperation der Kokerei nötig. „Wir brauchen eine Kontrollinstanz, auf die wir Zugriff haben, die transparent arbeitet!“, so SPD-Fraktionschef Thomas Göddertz.

SPD und ÖDP sorgen sich um die Gesundheit der Anwohner

„Die Kokerei gefährdet weiterhin und unvermindert die Gesundheit der Menschen in den Bottroper Stadtteilen Welheim, Boy und Batenbrock“, kritisiert ÖDP-Vorsitzende Georg Wenning. Dabei hatte die Kokerei von Arcelor Mittal im vorigen Jahr Maßnahmen angekündigt, um die Benz(a)pyrenwerte in den Griff zu bekommen. Die Bezirksregierung als zuständige Aufsichtsbehörde habe verkündet, dass man sicher sei, die Zielwerte würden eingehalten. Doch nach 1,47 ng/m³ in 2017 wurden in 2018 dann sogar 1,7 ng/m³ Benz(a)pyren gemessen.

Welche Auswirkungen die übermäßige Belastung der Umwelt mit polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen wie dem krebserregenden Benz(a)pyren hat, sehe man nun an dem Untersuchungsbericht des Landesumweltamtes. „Wenn schon die Nahrungspflanzen in nur einer Saison so viele Schadstoffe aufnehmen, dass sie nicht mehr verzehrt werden sollen, wie viele Schadstoffe nehmen dann erst die Menschen auf, die seit Jahren im Umfeld der Kokerei wohnen?“ fragt Georg Wenning.

Für Atemluft gibt es keine Alternativen

Während die Anwohner Gemüse womöglich woanders kaufen könnten, so hätten sie bei der Luft zum Atmen keine Alternativen. „Sicherlich ist es schwierig, einen so emmissionsintensiven Betrieb wie die Kokerei mitten im Siedlungsgebiet zu betreiben, aber die körperliche Unversehrtheit der Bürger darf nicht länger dem Profit geopfert werden“, sagte der ÖDP-Vorsitzende. Auch SPD-Frakionschef Thomas Göddertz betonte: „Industrie im 21. Jahrhundert muss so umweltverträglich wie möglich sein. Das gilt auch für die Kokerei in Bottrop.“

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