Kundgebung

NRW-Minister vergeht Appetit auf Feinkost von Müller Milch

Mitarbeiter von Nadler demonstrieren während der DGB-Kundgebung am Tag der Arbeit auf dem Berliner Platz gegen die Schließung des Feinkostwerks an der Scharnhölzstraße.

Foto: Heinrich Jung

Mitarbeiter von Nadler demonstrieren während der DGB-Kundgebung am Tag der Arbeit auf dem Berliner Platz gegen die Schließung des Feinkostwerks an der Scharnhölzstraße.

Bottrop.   Verkehrsminister Groschek stellt auf der Mai-Kundgebung in Bottrop wegen der drohenden Werksschließung den Boykott von Homann-Waren in Aussicht.

Gegen die Schließung des Bottroper Nadler-Werkes im Jahr 2020 protestierten Beschäftigte und Redner während der Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) auf dem Berliner Platz. Landesverkehrsminister Michael Groschek (SPD) stellte einen Boykott von Waren des Müller-Milch-Konzerns in den Raum. „Wer auf diese Weise Sozialabbau betreibt, wird erleben, dass uns der Appetit auf seine Produkte vergeht“, sagte Groschek.

Der Minister warf dem Unternehmer Theo Müller, zu dessen Unternehmensgruppe auch das Werk an der Scharnhölzstraße in Bottrop gehört, Tarifflucht vor. Denn Müller favorisiert als Standort für die neue Produktionsstätte das sächsische Leppersdorf. Dort will er die Produktion von vier Homann-Feinkostwerken bündeln. Das bedeutet das Aus für die Werke in Dissen, Lintorf, und Floh-Seligenthal sowie für das Bottroper Nadler-Werk. In Sachsen bezahlt die Müller Milch-Firmengruppe aber keine Tariflöhne, wie NGG-Geschäftsführerin Yvonne Sachtje kritisierte. „Das ist eine Sauerei“, schimpfte NRW-Minister Groschek.

Mitarbeiter demonstrieren gegen Werksschließung

Auch die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) rief zu Solidarität mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Nadler-Werkes auf. Zig Beschäftigte demonstrierten auf dem Berliner Platz für die Erhaltung ihrer Arbeitsplätze. In gelben Westen waren sie im Dauerregen am 1. Mai mitten im Mai-Marsch vom Gleiwitzer Platz zur Kundgebung gezogen. „Wir sind Nadler“ riefen sie und pfiffen laut mit Trillerpfeifen. „Bottrop is(s)t Nadler“, stand auf ihren Transparenten.

230 Arbeitsplätze seien durch die Schließungspläne bedroht, sagte NGG-Geschäftsführerin Sachtje. Das Angebot der Müller-Feinkostsparte Homann, dass alle 230 Mitarbeiter aus Bottrop nach Sachsen wechseln könnten, nannte sie ein Scheinangebot. Die Gewerkschaft habe Verhandlungen mit der Homann-Geschäftsführung über Abfindungen der Beschäftigten abgelehnt. „Jeder Arbeitsplatz hat ein Gesicht. Die Auseinandersetzung darüber beginnt heute hier“, rief Yvonne Sachtje den Demonstranten zu.

Wettbewerb geht zu Lasten der Beschäftigten

Bürgermeister Klaus Strehl (SPD) sagte den Nadler-Beschäftigten uneingeschränkte Solidarität zu. „Die geplante Schließung hat nicht nur bei den Beschäftigten selbst, sondern auch in der Stadtgesellschaft tiefe Betroffenheit ausgelöst“, sagte Strehl. Die Müllermilch-Gruppe begründe die Konzentration der Feinkostproduktionsstätten in Sachsen mit dem harten Wettbewerb in der Branche. „Dass dieser Wettbewerb zu Lasten von über 200 Beschäftigten in Bottrop gehen soll, das ist schlimm“, kritisierte der Bürgermeister.

Auch Strehl zweifelt daran, dass das Angebot der Firmengruppe ernsthaft in Frage komme, allen Mitarbeitern aus Bottrop Arbeitsplätze in Leppersdorf anzubieten. „Die Beschäftigten haben in Bottrop und Umgebung ihren Lebensmittelpunkt. Da ist dieses Angebot ein sehr, sehr schwacher Versuch“, kritisierte der Bürgermeister.

DGB-Vorsitzender erinnert an Firmensterben

Bottrops DGB-Vorsitzender Reinhard Thater erinnerte an das Aus für eine Reihe von mittelständischen Firmen in Bottrop wie zum Beispiel Brockmann, Huber und Mengede und auch an die Schließung des Kaufhauses Karstadt. In Bottrop seien auf diese Weise hunderte Arbeitsplätze verloren gegangen. Dass auch bei Nadler spätestens im Jahr 2020 ein Abbau von über 200 Stellen vorgesehen ist, nannte der DGB-Vorsitzende eine katastrophale Nachricht - zumal durch die Schließung des Bergwerks Prosper-Haniel Ende 2018 in der Stadt tausende Industriearbeitsplätze verloren gehen, davon einige hundert für Bottroper Bergleute.

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