Interview

Neuer Superintendent macht Mut für den Wandel in der Kirche

Der Bottroper Steffen Riesenberg ist der neue Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten.

Der Bottroper Steffen Riesenberg ist der neue Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop/Gladbeck/Dorsten.  Steffen Riesenberg hat sein Amt als Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten angetreten. Das hat er jetzt vor.

Mitte August ist Steffen Riesenberg (37) als neuer Superintendent im Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten offiziell in sein Amt eingeführt worden. Statt als Seelsorger mit Schwerpunkt in der Kinder- und Jugendarbeit vor Ort in Bottrop zu wirken, agiert er nun von Gladbeck aus als der Leitende Pfarrer im Kirchenkreis. Als solcher möchte er den unumgänglichen Wandel mitgestalten. Ein Gespräch mit dem aktuell jüngsten Superintendenten in der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Herr Riesenberg, wie waren die ersten Tage im neuen Amt?

Riesenberg: Gut! Manches ist so gewesen, wie ich es mir vorgestellt habe: Dass ich viel Kontakt mit den Kollegen habe zum Beispiel, wenn auch wegen der Corona-Pandemie noch viel online. Manches hat mich überrascht. Neu ist für mich etwa, dass ich Dienstanweisungen schreiben soll, und manche Formalitäten kann ich noch nicht gut einschätzen.

Nach Ihrer Wahl zum Superintendenten im Februar haben Sie angekündigt, als erstes die fünf Gemeinden im Kirchenkreis besser kennenlernen zu wollen. Bremst Corona das aus?

Nicht unbedingt. An den letzten Sonntagen habe ich Gottesdienste im ganzen Kirchenkreis besucht, mir die Leute angeschaut, mich mit Menschen unterhalten. Ich bin auch verabredet, die Presbyterien zu besuchen. Außerdem werde ich im September in Bottrop predigen, im Oktober und November folgen Dorsten und Gladbeck.

Ich wünsche mir, dass wir uns überlegen, was wir kirchenkreisweit machen können für Jugendliche und junge Erwachsene. Das ist in der Tat zu Corona-Zeiten schwierig, es arbeiten ja gerade erst die Konfirmandengruppen daran, sich wieder treffen zu können.

Was hat Sie an dem Amt gereizt?

Klar ist, dass es die Kirche in 50 Jahren in ganz anderen Strukturen geben wird als heute. Mir machen Veränderungen keine Angst – ich möchte sie gerne mitgestalten. Und ich glaube, dass ich die Aufgabe gut erfüllen kann. Ich habe ein Händchen dafür, als Moderator und in Gremien Menschen zu helfen, gemeinsam gute Entscheidungen zu treffen.

Welche Aufgaben möchten Sie als dringlichste anpacken?

Die dringlichste Herausforderung für einen Superintendenten ist zuzusehen, dass die Kirchengemeinden gut arbeiten können. Dazu gehört, dass die Pfarrstellen besetzt sind. Im Moment haben wir in Bottrop zwei Stellen zu vergeben. Da führe ich zum Beispiel Gespräche mit Bewerbern.

Eine dringende Herausforderung ist auch, in diesen Corona-Zeiten auf den Diskurs zu achten. Im Frühjahr wurde vieles direkt entschieden. Jetzt ist es wichtig, die Gespräche mit den Pfarrern und Kirchengemeinden zu suchen und sich breiter auszutauschen. Es sieht ja so aus, als würden wir noch länger mit dem Virus zu tun haben. Meine Perspektive ist: Die Kirchengemeinden vor Ort wissen, was zu tun ist – wir müssen den Rahmen und die Unterstützung liefern.

Seit Jahren wird über die Fusion der beiden Kirchenkreise Gladbeck-Dorsten-Bottrop und Recklinghausen diskutiert. Auch das wird für Sie ein Thema sein.

Es gibt einen Vereinigungsentschluss, der ist zwölf, dreizehn Jahre alt und wurde seither nicht neu gefasst. Der Kirchenkreis Recklinghausen bekommt mit Saskia Karpenstein ebenfalls eine neue Superintendentin. Ich möchte, dass wir uns darüber verständigen, ob die Zielsetzung von damals noch die aktuelle ist. Wir haben ja schon vieles vereinigt, haben eine gemeinsame Verwaltung in Recklinghausen, ein gemeinsames Schulreferat, eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit – es sind schon nicht mehr zwei Welten.

Ich versuche immer Vereinigung zu sagen statt Fusion: Wir tun uns zusammen. Ich habe Lust darauf, mir genauer anzuschauen, was es dabei zu gewinnen gibt, aber ich bin nicht festgelegt. Ich möchte, dass die Menschen in den Presbyterien und Kreissynoden sich das gut überlegen und am Ende einen guten Entschluss fassen.

Klar ist, dass auch die evangelische Kirche Mitglieder verliert…

In unserem Kirchenkreis ist die Zahl der Gemeindemitglieder von 2017 auf 2018 um 2,1 Prozent gesunken. Bei insgesamt knapp 58.000 Gemeindemitgliedern Ende 2018 haben wir also rund 1000 Menschen verloren. Die meisten davon sind gestorben, zu viele ausgetreten und erfreulich viele sind auch neu getauft worden. Auf der anderen Seite wachsen wir in bestimmten Arbeitsfeldern, wir betreuen in Kita und OGS immer mehr Kinder, wir beraten immer mehr Menschen. In unserem Kirchenkreis arbeiten – Stand Ende 2018 – 812 Leute. Ich meine, wir brauchen mehr Faktoren als die Zahl der Gemeindemitglieder, um zu bewerten, welchen Stellenwert die evangelische Kirche hat.

Aber es gibt Menschen, denen wir entweder die Gründe nicht gut genug erklären oder denen wir tatsächlich wenig Gründe geben, in der Kirche zu bleiben. Wo sind die Ursachen? Und wo sind die Menschen, die wir nur schwer erreichen? Das gilt es, kirchenkreisweit zu gucken.

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