Gesundheit

Neue Chefärzte im Marienhospital sprechen über das Herz

Dr. Anja Dorszewski leitet im Bottroper Marienhospital den neu eingerichteten Bereich der Elektrophysiologie und Rhythmologie in der Kardiologie.

Dr. Anja Dorszewski leitet im Bottroper Marienhospital den neu eingerichteten Bereich der Elektrophysiologie und Rhythmologie in der Kardiologie.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Beim WAZ-Medizinforum erläuterten Dr. Anja Dorszewski und Dr. Michael Markant ihre Aufgaben in der Kardiologie. Ein Thema: Herzerkrankungen.

Das Marienhospital hat zwei neue Chefärzte. Dr. Michael Markant und Dr. Anja Dorszewski liegen die Patienten am Herzen. Das gilt sowohl persönlich als auch medizinisch. Beide bilden ab 1. Oktober die Doppelspitze der Kardiologie. Beim WAZ-Medizinforum lautete das Thema: „Modernste Versorgung rund ums Herz“.

Anschaulich erläuterte Dr. Anja Dorszewski die Aufgaben der Elektrophysiologie und Rhythmologie. Herzrhythmusstörungen sind nicht immer nur Herzstolpern oder Herzrasen. „Herzrhythmusstörungen können auch aus den Vorhöfen kommen.“ Diese seien sozusagen „die kleinen Turbolader des Herzens“.

Schrittmacher wiegen nicht mehr als 17 Gramm

„Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung“, so die Chefärztin. Diese Erkrankung hätten ab dem 70. Lebensjahr circa zehn Prozent der Bevölkerung. Es gibt aber auch bösartige und gefährliche Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern. Davor warnt Dr. Anja Dorszewski. Denn wenn dies nicht behandelt wird, kann es mit dem Tod enden.

Hilfe geben Defibrillatoren oder Schrittmacher. „Die herkömmlichen Schrittmacher sind sehr klein“, sagt die Chefärztin. Sie wiegen nicht mehr als 17 Gramm und sind nicht viel größer als ein 2-Euro-Stück. Defibrillatoren sehen dem Schrittmacher ähnlich. „Sie sind nur etwas größer“, so Dorszewski. Defibrillatoren übernehmen die Funktion eines „eingebauten kleinen Notarztes“. Das Gerät kann erkennen, ob Kammerflimmern vorliegt und dann einen Schock abgeben.

Dr. Michael Markant widmete sich in seinem Vortrag der koronaren Herzkrankheit. „Das ist eine Erkrankung der Herzkranzgefäße.“ Das seien die Gefäße, die den Herzmuskel mit Blut versorgen. „Im Prinzip wie beim Auto“, begann der Chefarzt. „Es ist die Leitung, die das Benzin zum Motor führt und dafür sorgt, dass der Motor arbeiten kann.“ Hierbei nannte er Zahlen. In Deutschland leiden 2,5 Millionen Frauen und 3,5 Millionen Männer an dieser Krankheit. Sie entwickelt sich über Jahre und Jahrzehnte eher schleichend und unbemerkt. Er stellte schematisch vor, wie die Verkalkung der Arterien fortschreiten und ein Herzinfarkt entstehen kann. Die Gefäße werden durch Ablagerungen immer enger. Die Einsetzung eines Stents, einer Gefäßstütze, ist in dem Fall eine Behandlungsmethode, um die Stelle offen zu halten.

Es gibt viele Risikofaktoren

Anschließend verdeutlichte er Risikofaktoren wie Rauchen, hoher Blutdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress oder Diabetes. „Diese Faktoren kann man beeinflussen“, sagte Markant. Aber es gibt auch Faktoren, die sich nicht beeinflussen lassen. Zum Beispiel: genetische Veranlagung in der Familie. „Wir wissen, dass auch das zunehmende Alter ein starker Risikofaktor ist“, sagte Markant. Oder das Geschlecht. „Männer sind deutlich früher und häufiger betroffen als Frauen.“

Die Beschwerden treten unterschiedlich auf. Meistens spüren die Betroffenen ein Druck- oder Engegefühl hinter dem Brustbein. Manchmal kann es in die Schulterblätter oder in den linken Arm ausstrahlen. Ausgelöst werden die Beschwerden durch Anstrengung, Kälte oder seelische Belastung. Der Chefarzt machte deutlich, dass ein gesunder Lebensstil, viel Bewegung, ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf das Rauchen, ergänzend zur Behandlung helfen. Nach den Vorträgen suchten die Besucher das persönliche Gespräch bei den neuen Chefärzten.

Nach 23 Jahren: Abschied von Dr. Ludger Ulbricht

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat Privat-Dozent Dr. Ludger Ulbricht die Kardiologie am Marienhospital als Chefarzt maßgeblich mit aufgebaut. Am 1. Oktober beginnt ganz offiziell der Ruhestand für den gebürtigen Duisburger. Er nutzte das WAZ-Medizinforum, um einen unterhaltsamen Rückblick zu halten auf 23 Jahre und drei Monate am Marienhospital – beginnend mit der Stellenausschreibung von 1997, endend mit einem Zitat von Friedrich Rückert: „Füge Dich der Zeit, erfülle Deinen Platz und räum ihn auch getrost, es fehlt nicht an Ersatz“.

Dr. Ulbricht, der Humanmedizin in Düsseldorf studierte, vergaß auch die Professoren nicht, unter denen er sein Handwerk lernte – allen voran Professor Franz Loogen an der Uni-Klinik Düsseldorf. Auch wissenschaftliche Forschung gehörte zu seinen Aufgaben. Im Scherz habe er früher immer behauptet: „MHB heißt nicht Marienhospital Bottrop, sondern Medizinische Hochschule Bottrop.“ Unter anderem wurden zwei Bücher herausgegeben, zahlreiche Fachartikel veröffentlicht und 91 Vorträge gehalten.

Dank an die Klinikleitung

Im Vorfeld des WAZ-Medizinforums hatte bereits die offizielle Verabschiedung im Kreis von Kollegen und leitenden Mitarbeitern stattgefunden. „Wir hätten Dr. Ulbricht gerne in einer großen Runde mit einer schönen Feier verabschiedet, aber die aktuelle Situation rund um die Corona-Pandemie hat diese Möglichkeit nicht zugelassen“, bedauerte Geschäftsführerin Dr. Ulrike Ellebrecht. Dies sei um so bedauerlicher, weil Dr. Ulbricht sich um die Klinik und vor allem um seine Patienten große Anerkennung erworben habe. Bei der Feier bedankte sich auch der Vorstandsvorsitzende em. Propst Paul Neumann für die langjährige Treue Dr. Ulbrichts dem MHB gegenüber.

Der frisch gebackene Ruheständler selbst sprach allen Mitarbeitern sowie den Patienten wiederum seinen Dank aus – für die gute Zusammenarbeit und das ihm entgegengebrachte Vertrauen.

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