Solidarität

Nachbarschaftshilfe Bottrop unterstützt über Corona hinaus

Das Logo der Nachbarschaftshilfe Bottrop vereint typische Landmarken mit einem ganz normalen Straßenzug.

Das Logo der Nachbarschaftshilfe Bottrop vereint typische Landmarken mit einem ganz normalen Straßenzug.

Foto: Nachbarschaftshilfe Bottrop

Bottrop.  Das Bottroper Bürger-Netzwerk bietet weiter Einkaufshilfen für Corona-Risikogruppen an. Gründer Marco Lewis will aber auch darüber hinaus wirken.

Die Idee entstand zu Beginn der Corona-Pandemie: Bottroper stehen zusammen und helfen vor allem auch denjenigen, die einer Corona-Risikogruppe angehören, mit Einkäufen, Apothekenbesuchen, Botengängen. Auf Facebook initiierte die „Nachbarschaftshilfe Bottrop“ eine Gruppe als Plattform, auf der Ehrenamtliche und Hilfesuchende zusammenfinden. Seit März ist diese Facebookgruppe auf über 1250 Mitglieder gewachsen. Und Mitinitiator Marco Lewis möchte das aufgebaute Netzwerk auch über Corona hinaus überall da nutzen, wo gegenseitige Unterstützung ein Thema ist.

„Die Nachbarschaftshilfe läuft“, zeigt sich Marco Lewis zufrieden. Von Seiten der Vermittler von Hilfegesuchen und Angeboten sei es aktuell ruhiger als zu Beginn der Krise – auch wenn die Zahlen der Infektionen mit Covid-19 steigen. Im Rahmen der Einkaufshilfe hätten die Menschen, die aufgrund von Alter oder Vorerkrankungen einen Hilfebedarf haben, offenbar ihre Vertrauenspersonen gefunden. Die hohe Zahl der Facebook-Gruppenmitglieder mag da ein wenig täuschen: Aktive Ehrenamtliche, die Einkaufsdienste übernehmen, gibt es laut dem Fuhlenbrocker aktuell 30 bis 35. „Sie betreuen regelmäßig und auf Dauer rund 50 bis 60 Hilfesuchende“, so Marco Lewis. Dazu kämen immer wieder noch kurzfristige Hilfseinsätze.

Gute Erfahrungen sollen weiteren Hilfesuchenden Mut machen

Die Erfahrungen seien gut, macht Marco Lewis vielleicht auch noch denjenigen Mut sich zu melden, für die das jetzt erst akut wird. Er rechnet auch mit weiteren Nachfragen, falls nun mehr Menschen in Quarantäne müssen oder selbst erkranken. Was ja im Übrigen auch die regelmäßigen Einkaufshelfer selbst treffen könnte, für die dann Ersatz gefunden werden müsste.

Vermittelt werde jedenfalls grundsätzlich immer erst ein telefonischer Kontakt mit Namen und Wohnstraße (zunächst ohne Hausnummer), damit Helfer und Hilfesuchender erst herausfinden können, ob die Chemie zwischen ihnen stimmt. Und: „Bei den Einkäufen gehen die Ehrenamtlichen mit 25 Euro in Vorkasse“, berichtet Marco Lewis. Das soll schon mal die abschrecken, die möglicherweise auf die Idee kommen könnten, sich einfach nur Geld bei den älteren Menschen abzuholen und damit zu verschwinden. Die Organisatoren halten in einer Tabelle zudem alle Vermittlungen fest, um bei Problemen die Beteiligten nachvollziehen zu können. Gerade viele Ältere zögen die Nachbarschaftshilfe zum Beispiel dem örtlichen Lieferdienst Louise vor, auch weil sie dort ihre Bankdaten angeben müssten, erzählt Lewis.

Informationen anbieten und das Netzwerk weiter nutzen

Ihm ist es ein Anliegen, in der Facebook-Gruppe auch Informationen weiterzugeben, etwa die aktuellen Corona-Fallzahlen oder die verschärften Regeln zur Maskenpflicht, seitdem die Stadt zum Risikogebiet wurde. Aber nicht nur Corona ist bei der Nachbarschaftshilfe ein Thema: Eine Liste der Notdienstapotheken findet sich unter anderem dort, ein Hinweis auf freie Stellen für Bundesfreiwilligendienstler vor Ort oder Fahndungsaufrufe der Polizei.

Und vor allem: „Als die Zahlen vor Monaten runtergegangen sind, gab es den Gedanken, dass es auch andere Möglichkeiten der Nachbarschaftshilfe gibt“, sagt Marco Lewis. Zum Beispiel ehrenamtliche Unterstützung bei kleinen PC-Problemen. „Es gab auch Anfragen für Hilfe beim Regal-Aufhängen, etwas hochtragen, die Decke streichen – aber nicht so häufig.“ Der Aufbau des Netzwerks und die Vermittlung von Kontakten bleibt für ihn wichtig – um überall da wirken zu können, „wo Hilfe ein Thema ist“.

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