Prozess

Nachbarn mit Bolzenschneider angegriffen: Psychiatrie droht

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Einem 53-jährigen droht die Psychiatrie. Er soll einen Nachbarn mit dem Bolzenschneider geschlagen haben – und erwartet einen Freispruch.

Den 53-jährigen Bottroper scheint die Atmosphäre vor dem Essener Schwurgericht nicht weiter zu beeindrucken. Dass er seine Nachbarn beleidigt und einen von ihnen mit einem Bolzenschneider verletzt haben soll, verdreht aus seiner Sicht die Tatsachen: „Ich bin das Opfer, die sind die Täter.“

Doch die Staatsanwaltschaft sieht in ihm den Aggressor. Sie fordert für den offenbar psychisch kranken Mann die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie.

Nachbarn als "Nazis" beschimpft

Am 1. Weihnachtstag soll der Beschuldigte kurz nach Mitternacht vor seinem Wohnhaus in Welheim an seinem Motorroller hantiert haben. Als zwei Nachbarn in seine Nähe kamen, soll er die offenbar türkischstämmigen Männer als „Nazis“ und „Kinderf...“ beschimpft haben. Außerdem habe er mit einem schweren Bolzenschneider vor ihnen herumgewedelt und ihnen den Weg zur Eingangstür verstellt.

Die Situation eskalierte laut Antragsschrift, als ein weiterer Nachbar aus dem Haus kam. Er wollte beschwichtigen, heißt es. Doch der 53-Jährige soll auch ihn angegriffen und mit dem Bolzenschneider am Hinterkopf getroffen haben. Schließlich brachten die drei Männer ihn zu Boden, die Polizei kam.

Der Beschuldigte erwartet einen Freispruch

Der Beschuldigte reagiert sofort auf die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft und ergreift das Wort. Schnell redet er, lässt manchmal kaum Richterin Jutta Wendrich-Rosch zu Wort kommen. Vor ein paar Monaten sei er noch vor dem Amtsgericht Bottrop gewesen, sagt er. Da sei es zum Freispruch gekommen: „So wird das hier auch sein.“

Tatsächlich hat er schon mehrfach vor Gericht gestanden, war aber jeweils wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen worden. Wegen der Schwere der aktuellen Tat geht es für ihn jetzt aber erstmals um die zeitlich nicht absehbare Einweisung in die geschlossene Psychiatrie.

Bottroper sieht sich als Opfer seiner Nachbarn

Immer wieder erklärt er, dass er das Opfer sei: „Seit 18 Jahren wohne ich dort und werde von denen fertig gemacht.“ Die hätten auch „alle meine Autos kaputt gemacht, Schaden 150.000 Euro“.

Drei Sitzungstage hat die Kammer eingeplant, um die Vorwürfe aufzuklären.

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