Im Chefsessel

Mutter und Tochter führen den Freizeitpark Schloss Beck

Die Chefinnen nehmen auch gerne mal Platz in der Marienkäferbahn: Renate (links)  und Karla Kuchenbäcker.

Foto: Thomas Gödde

Die Chefinnen nehmen auch gerne mal Platz in der Marienkäferbahn: Renate (links) und Karla Kuchenbäcker. Foto: Thomas Gödde

Bottrop.   In diesem Jahr blicken Renate und Karla Kuchenbäcker auf das 50-jährige Jubiläum. Für die Zukunft hat die Tochter der Schlossherrin ihre Träume.

Vollgepackt mit Arbeit sind die beiden Schreibtische, während draußen fröhliches Kinderlachen erklingt. Hier im Nebengebäude von Schloss Beck organisieren Renate und Karla Kuchenbäcker den Freizeitpark, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Ein hartes Geschäft! „Denn es ist wetterabhängig und irgendwo ist immer was zu tun“, stellt Geschäftsführerin Renate Kuchenbäcker fest. Schließlich blickt das schmucke Schlossgebäude auf eine 240-jährige Geschichte zurück, und auch so manche der Fahrgeschäfte sind inzwischen in die Jahre gekommen.

Natürlich hatte Renate Kuchenbäcker nie im Sinn, mal Schlossherrin zu werden. „Ich wollte eigentlich Medizin studieren und dann nach Afrika gehen“, erinnert sich die 83-Jährige lachend. „Aber ich war eines von sieben Kindern in der Familie, da war an einen solchen Lebensweg nicht zu denken.“ Stattdessen wurde Renate Kuchenbäcker Lehrerin und lernte in Marl - dorthin führte sie ihre erste Stelle - ihren späteren Mann Karl kennen und lieben.

Ein vergessenes und verwahrlostes Schloss

„Er entdeckte dieses vergessene und verwahrloste Schloss und wollte es unbedingt haben. Er war ein Visionär. Und es gibt halt so Träume...“, erinnert sich Kuchenbäcker. „Und als uns das Schloss dann gehörte, wussten wir gar nicht so recht, was eigentlich draus werden sollte.“

Da sie auch nicht wussten, dass diese Gegend ein recht beliebtes Ausflugsziel war, „erlebten wir sprachlos, wie im ersten Sommer viele Ausflügler kamen und vor den verschlossenen Toren standen.“ Renate Kuchenbäcker hängte ihren Beruf als Lehrerin an den Nagel und packte überall mit an.

56000 Besucher kamen im ersten Sommer

„Zuerst nahmen wir uns das kaputteste Gebäude vor, renovierten es und boten dort ab Dezember 1966 Tanzveranstaltungen sowie Kaffee und Kuchen an.“ Im September 1967 öffnete der kleine Freizeitpark mit Eisenbahn, Schaukeln, Teufelsbahn und Karussells. „Wir zählten 56 000 Besucher, die jeweils 50 Pfennig Eintritt zahlten. Damit hatten wir noch im gleichen Jahr so viel eingenommen, wie wir für bis dahin ausgegeben hatten.“

„Für uns als Kinder war es toll, hier im Park groß zu werden“, meint Karla Kuchenbäcker. „Aber Urlaub gab es nicht, unsere Eltern waren immer eingespannt. So haben wir sechs Kinder Freizeit und Ferien meist hier im Park verbracht, fanden das aber toll.“ Ihre Zukunft hatte die 58-Jährige einst jedoch nicht im Freizeitpark gesehen, sie wollte Kindergärtnerin werden.

Drei Ausbildungen führten zum Freizeitpark IRund um das schmucke Wasserschloss liegt der Freizeitpark, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feiert Foto: Thomas Gödde

Durch den Tod des älteren Bruders kam jedoch alles anders und sie machte eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau, um in das Supermarkt-Geschäft - das ihre Eltern neben dem Freizeitpark zunächst noch führten - einzusteigen. Der wurde dann jedoch verkauft und Karla Kuchenbäcker ließ sich zunächst zur Bürokauffrau, dann zur Köchin ausbilden, um die Eltern im Freizeitpark zu unterstützen.

Nichts sei geplant gewesen, es habe sich nach und nach ergeben, dass der Freizeitpark heute ihre Lebensaufgabe ist. Und natürlich hat die Tochter - ebenso wie einst ihr Vater - Visionen für das Schloss. „Am liebsten würde ich einen Diamanten aus dem Park machen. Einen strahlenden Stein, der jeden mit seiner Atmosphäre verzaubert“, so Karla Kuchenbäcker und beschreibt eine Welt des Barocks, in der sogar die Speisen ins Ambiente passen und die Mitarbeiter in zeitgemäßen Kostümen gekleidet sind. Ob aus diesem Traum mal was wird... Es bleibt das Hier und Jetzt. Und da freut sich Karla Kuchenbäcker besonders, wenn Gruppen den Freizeitpark stürmen. „Die sind so fröhlich und man sieht sofort, dass sie einen wunderschönen und ausgelassen Tag haben werden.“

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