Liederabend

Musiker interpretieren Schuberts „Winterreise“

Viel anerkennenden Applaus erhielten Julia Hermanski am Klavier und Bariton Frederik Schauhoff für ihre Interpretation von Schuberts Winterreise.

Viel anerkennenden Applaus erhielten Julia Hermanski am Klavier und Bariton Frederik Schauhoff für ihre Interpretation von Schuberts Winterreise.

Foto: Frank Oppitz

Kirchhellen.   Das Konzert im Hof Jünger war dem verstorbenen WAZ-Kulturredakteur Hans-Jörg Loskill gewidmet.

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Das Foto auf der Bühne erinnerte an den künstlerischen Förderer des Kulturzentrums. Und so widmete man jetzt Hans-Jörg Loskill, dem im Juni verstorbenen langjährigen WAZ-Kulturredakteur, das Konzert im Hof Jünger, für das er selbst noch den Weg geebnet hat.

Auf dem Programm stand beziehungsreich der Lieder­zyklus „Winterreise“, den Franz Schubert 1827, ein Jahr vor seinem Tode, geschrieben hatte. Düstere Vorahnung für beide, wenn es am Schluss fragend heißt: „Wunderlicher Alter, soll ich mit dir gehn“? Steht doch die kalte Jahreszeit allegorisch für das nahende Ende. Der Bogen dieser lyrischen Wanderung über 24 Lieder nach Gedichten von Wilhelm Müller spannt sich vom Wanderthema in „Gute Nacht“ bis zum klanglich erstarrten „Leiermann“.

Harmonisch ausbalanciertes Duo

Zwei junge Musiker setzten sich als harmonisch ausbalanciertes Duo mit dem Thema auseinander und gelangten zu einer beeindruckenden Interpretation: der Bariton Frederik Schauhoff und die taiwanesisch-deutsche Pianistin Julia Hermanski. Sie wusste sich als Klavierbegleite­rin zurückzunehmen und doch Akzente zu setzen und die Grundbefindlichkeiten der einzelnen Lieder differenziert herauszuschälen: geschmeidig oder im gestockten Fluss, sinnierend oder trotzig.

Schauhoff seinerseits sicherte dank deklamatorischer Sorgfalt das Textverständnis ab und verlieh dem Gesangs­part disziplinierte Stimmkultur. Nahtlose Registerwechsel ermöglichten ihm nicht nur im „Lindenbaum“ den Übergang vom oft geforderten hintergründigen Piano bis zum dramatischen Ausbruch. Die schnellen Sechzehntel in „Mut“ verrieten sein technisches Können, der Stimmungswechsel zwischen leidenschaftlichem Aufbegehren und Trostlosigkeit, zwischen Illusion und Wirklichkeit seine für den Liedgesang so wichtige Charakterisierungskunst.

Viel anerkennender Applaus im Theatersaal, der für einen Liederabend genau den richtigen kammermusikalischen Zuschnitt hat.

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