Chormusik

Musik des Komponisten von „Adiemus“ erklingt in St. Cyriakus

Christine Bernsdorf, Kantorin Ursula Kirchhoff und Andrea Döing stellen ein neues, aufwändiges Projekt des Propsteichores vor, das auch mit Unterstützung der Kolpingfamilie realisiert wird.

Christine Bernsdorf, Kantorin Ursula Kirchhoff und Andrea Döing stellen ein neues, aufwändiges Projekt des Propsteichores vor, das auch mit Unterstützung der Kolpingfamilie realisiert wird.

Foto: Thomas Gödde

Bottrop.  Der Propsteichor, Gäste und die Bochumer Symphoniker führen im September „The armed Man: A Mass for Peace“ von Karl Jenkins in Bottrop auf.

Außerhalb der Klassikszene ist der walisische Komponist Karl Jenkins wohl durch „Adiemus“ bekannt, das Lied und das gleichnamige Musikprojekt, für das er eine selbst erfundene Kunstsprache verwendet, die zuweilen Anklänge an Latein aufweist. Das war auch für Ursula Kirchhoff die erste Begegnung mit dem werk des Walisers. „Adiemus ist ein Song, der hat mich richtig geflasht“ gibt die Kantorin von St. Cyriakus unumwunden zu. Und Chorsängerin Andrea Döing wirft sofort ein: „Ein Superstück, das haben wir auch mal mit ,All Woman’ gesungen!“.

Jetzt hat sich der Propsteichor mit zahlreichen musikalischen Gästen ein ganz großes Werk aus Jenkins’ vorgenommen. Im September ist eine Aufführung von „The armed Man: A Mass for Peace“ geplant. Eine Messe für Chor, Soli und größeres Orchester, das Jenkis 1999 unter dem Eindruck des Kosovo-Krieges geschrieben hat.

Allerdings sprengt dieses Werk des Rahmen des Üblichen. „Es ist kein reinrassiges liturgische Stück, trotz vieler Anleihen und Anspielungen auf die klassische Messliturgie, wie im Kyrie, Agnus dei oder Benedictus“, sagt Ursula Kirchhoff. Dazwischen vertonte Jenkis immer andere, weltliche Texte. So kommen Texte der barocken englischen oder irischen Dichter John Dryden oder Jonathan Swift, aber auch Rudyard Kipling oder Lord Tennyson. Vor der Folie eines alten französischen Liedes „L’homme armé“ (der bewaffnete Mann) aus dem 15. Jahrhundert formt Jenkins dies alles zu einem wuchtigen Anti-Kriegs-Werk.

„Je tiefer man in das Stück eintaucht, desto spannender wird es“

„Je mehr man sich mit diesem Stück textlich und musikalisch auseinandersetzt, desto spannender wird, umso mehr versteht man dieses ungewöhnliche Messe“, sagt Christine Bernsdorf, 1. Vorsitzende des Propsteichors. Es gebe Fans dieser Komposition, die wenn es geht zu jeder Aufführung reisen. Auch der Propsteichor hat im Frühjahr, nach Beginn der Probenarbeit am 2. Mai, auf einmal Nachricht von drei Herren aus Venlo bekommen.

„Die gehören zu den Fans, haben das Stück bereits selbst gesungen und möchten auch am 15. September in St. Cyriakus dabei sein“, so Ursula Kirchhoff. Natürlich müssen sie zu einer Endprobe kommen, denn die Aufführung soll schließlich eine runde Sache werden. Aber auch das war für die drei Jenkins-begeisterten Niederländer kein Problem. Die Besetzung wird groß. Zu den 15 Sängern, die neben den Niederländern eigens für dieses Projekt zum Propsteichor gestoßen sind, gehören auch zwei Sänger des Essener Unichores. Auch der hatte die Friedensmesse vor einiger Zeit aufgeführt. Dazu kommen noch über 20 Musikerinnen und Musiker der BoSys, der Bochumer Symphoniker und die Sopranistin Marlies Buchmann, die die Solopartien übernimmt.

Nicht nur textlich, auch musikalisch ist Jenkins’ Messe sehr vielgestaltig. Es gibt Anklänge an alte Musik von Palestrina, dann aber auch martialische Elemente, die marschierende Soldaten erinnern oder eben an das alte französische Kriegslied. „Zu dieser Zeit, im 15., 16 . Jahrhundert waren solche Adaptionen weltlicher Stücke für geistliche Werke selbstverständlich, Parodiemessen nannte man das auch“, erzählt Ursula Kirchhoff. Erst später wurden die kirchlichen Vorschriften wieder strikter. Einige Sängerinnen und Sänger aus dem Chor mussten sich an diese Tonsprache gewöhnen, für manche war es schwer, sich an diese kriegerische Musik zu gewöhnen, die ja genau das Gegenteil sein will: ein Stück für den Frieden. Aber auch ein Kirchenchor brauche hin- und wieder so ein Stück, das sie alles aus dem Alltagstrott herausreißt.

Aufführung in der Festwoche 140 Jahre Kolping in Bottrop-Mitte

Die Aufführung von Karl Jenkins’ „The armed Man: A Mass for Peace“ findet am Sonntag, 15. September um 16 Uhr in der Propsteikirche St. Cyriakus, Hochstraße, 46236 Bottrop, statt. Karten gibt es für 10 Euro im Pfarrbüro oder an der Tageskasse.

Das Konzert ist auch der Festwoche zum 140-jährigen Bestehen der Kolpingsfamilie Bottrop-Mitte, die die Aufführung auch unterstützt. Teile der Messe erklingen danach auch im Festamt zum Kolpingjubiläum, am 22. September um 9.30 Uhr in Herz-Jesu, Prosperstraße, 46236 Bottrop.

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