Jazz

Mozart einmal durch den Wolf gedreht

Das Trio „Wildes Holz“ war jetzt zu Gast mit seinem Programm „Ungehobelt“ in der ausverkauften Reihe „Hömma bei Mensing“

Foto: Thomas Gödde

Das Trio „Wildes Holz“ war jetzt zu Gast mit seinem Programm „Ungehobelt“ in der ausverkauften Reihe „Hömma bei Mensing“ Foto: Thomas Gödde

Bottrop.  „Wildes Holz“ war jetzt in Bottrop zu Gast mit spritzigem Blockflöten-Jazz in der ausverkauften Reihe „Hömma bei Mensing“. Klassiker neu erlebt.

Die Blöckflöte: Folterinstrument par excellence in ungeübten Händen, verfügen die hölzernen Hohlkörper über einen ziemlichen Reiz, dem selbst Rock-Legenden wie Jimi Hendrix oder die Stones mit „Ruby Tuesday“ schon erlagen. Nur im Jazz fristen Blockflöten jeder Größe und Klangfarbe - von raren Einsätzen etwa durch Keith Jarrett abgesehen - bislang maximal ein Schattendasein.

Die Blöckflöte aus dem Schattendasein holen

Und genau das will der diplomierte Blockflöten-Virtuose Tobias Reisige mit seinem Trio „Wildes Holz“ seit 19 Jahren ändern. Nach wie vor ein hartes Stück Arbeit, denn immer noch ist die längst durch Funk und Fernsehen bekannte Combo ein einsamer Solitär in der Musiklandschaft. Daran dürfte auch ihr ausverkaufter Auftritt in der Kulturreihe „Hömma bei Mensing“ wenig ändern, selbst wenn der Satz „Ich sollte mal wieder meine Blockflöte auspacken“ öfter zu hören war.

Rhythmisch wie melodisch erlebte man ein Wechselbad unterschiedlichster Klangwelten. Da drehte man den guten alten Georg Friedrich Telemann ebenso genüsslich durch den Wolf wie die fabelhafte Mozart-Hymne „Rock me Amadeus“ von Falco oder trieb Maria gewitzt durch einen Dornwald. Dann rockte man das Modehaus mit Krachern wie „Blitzkrieg Bop“ von den Ramones oder der Blur-Nummer „Song 2“, während beim spritzigen „Popcorn“ eine in höchsten Tönen plinkernde Mandoline für Heiterkeit sorgte.

Technisch auf höchstem Niveau

Technisch auf höchstem Niveau, perfekt arrangiert und außerdem amüsant präsentiert. Grundsolide geerdet von Bassist Markus Conrads mit hörenswertem Slapping, fingerflink angeheizt von Anto Karaula, der seine Wanderklampfe brennen ließ, zauberhaft gekrönt von Tobias Reisige, der fast ein Dutzend Blockflöten aller Größen makellos bediente und weder quer noch schräg aus dem berühmten letzten Loch pfiff.

Tosender Jubel bei den begeisterten Zuhörern aller Generationen, die zum Dank schließlich erst mit dem „Wildes Holz“-Klassiker “Born To Be Wild“ in bester Ian Anderson-Manier beglückt und dann von „Pippi Langstrumpf“ entzückend verabschiedet wurden. Einsame Klasse und konkurrenzlos gut.

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