Kindesmissbrauch

Missbrauchsopfer fordert Politik zum Handeln auf

Kämpft gegen die Verjährungsfrist bei Kindesmissbrauch: Markus Diegmann macht mit seiner Tour41 auf dem Pferdemarkt Station.

Kämpft gegen die Verjährungsfrist bei Kindesmissbrauch: Markus Diegmann macht mit seiner Tour41 auf dem Pferdemarkt Station.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Markus Diegmann kämpft gegen die Verjährungsfrist bei Kindesmissbrauch. Mit seinem Wohnmobil tourt er durch Deutschland und macht in Bottrop Halt

Markus Diegmann ist unermüdlich. Er kämpft seit Jahren gegen die Verjährungsfrist für Kindesmissbrauch. Eine Million Unterschriften will er sammeln, um eine Gesetzesänderung zu erwirken. Mit seinem Wohnmobil, in dem er seit 2017 Städte in ganz Deutschland anfährt, machte er am Freitag Station auf dem Bottroper Pferdemarkt.

Diegmann selbst ist traumatisiertes Opfer und will aufklären, informieren und mit den Menschen auf der Straße ins Gespräch kommen. Die Gesetzesgrundlage müsse endlich geändert werden, die Straftat des Kindesmissbrauches dürfe nicht nach 30 Jahren verjähren, sagt der 52-Jährige. Die Täter müssten wie bei Mordfällen immer ohne Frist juristisch zur Verantwortung gezogen werden können, fordert er.

Gesprächsthema: Fall Lügde

Gesprächsthema sind an Diegmanns Stand vor allem die aktuellen Kindesmissbrauchsfälle in Lügde. „Was dort abgelaufen ist, ist kaum zu fassen“, sagt Diegmann und ergänzt: „Als ich rund um Ostern mit meinem Wohnmobil in Lügde halten wollte, hat mir die Stadt das nicht gestattet. Ich habe dann trotzdem dort Station gemacht.“ Diegmann erzählt, dass eine Mutter und eine Tochter, die dort nach eigenen Angaben Opfer des derzeit hauptbeschuldigten Mannes wurden, mit ihm über den Fall gesprochen hätten.

„Bei der Mutter ist die Tat schon verjährt“, erzählt Diegmann. Die Tochter habe bereits neunmal bei der Polizei aussagen müssen. „Das geht doch nicht. Das ist eine ständige Retraumatisierung“, findet er.

41 Missbrauchsfälle pro Tag

Menschen, die an seinem Wohnmobil stehen bleiben, wollen über den Fall in Lügde reden oder wissen, wie sie Kinder besser schützen können. So wie Margret Stark. Sie selbst ist Tagesmutter und informiert sich ständig über das Thema. „Ich kann nicht glauben, dass in Lügde niemand der Nachbarn etwas mitgekriegt haben will“, sagt sie.

Diegmann versorgt sie mit Flyern und weist auf seine Internet-Seite Tour41.net hin. Warum 41? „Das ist die Zahl an Kindesmissbrauchsfällen, die jeden Tag in Deutschland gemeldet werden“, erklärt er. „Aber die Dunkelziffer liegt weit, weit darüber.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben