Ausbildung

Metallbau-Azubi wechselt nach Norwegen

Lars Czarnetzki (l.) ist inzwischen aus Norwegen zurück und arbeitet wieder im elterlichen Betrieb. Bruder Jan hat während seiner Lehre ebenfalls Auslandserfahrung gesammelt. Beide sehen es als wertvolle Erfahrung.

Foto: Thomas Gödde

Lars Czarnetzki (l.) ist inzwischen aus Norwegen zurück und arbeitet wieder im elterlichen Betrieb. Bruder Jan hat während seiner Lehre ebenfalls Auslandserfahrung gesammelt. Beide sehen es als wertvolle Erfahrung. Foto: Thomas Gödde

Bottrop.   Austauschprogramm der Handwerkskammer macht es möglich. Lars Czarnetzki lernt so den Arbeits- und Ausbildungsalltag in Europas Norden kennen.

Weit ist er gereist und inzwischen zurück mit vielen neuen Erfahrungen im Gepäck: Lars Czarnetzki tauschte seinen Ausbildungsplatz im elterlichen Betrieb für drei Wochen gegen einen im norwegischen Alesund. Möglich machte dies der Lehrlingsaustausch der Handwerkskammer Münster (HWK) in Zusammenarbeit mit der berufsbildenden Schule in Alesund.

Bereits zum 14. Mal reisten junge Auszubildende des Kammerbezirks in den europäischen Norden, Lars war als einziger Bottroper dabei. „Ich möchte diese Erfahrung nicht missen“, zeigt sich der 18-Jährige begeistert. „Es hat total Spaß gemacht, mal abseits vom Urlaub ein anderes Land und andere Arbeitsabläufe kennenzulernen.“

Alles läuft gemächlicher

Rund 1700 Kilometer ging’s für die Auszubildenden zunächst mit dem Flugzeug gen Norden und in die Stadt an der Fjordküste. Die angehenden Elektroniker, Friseure, Dachdecker, Maurer, Konditoren sowie Lars als Metallbauer kamen in Gastfamilien ihrer Austauschpartner unter und arbeiteten in örtlichen Handwerksbetrieben.

„Das war schon ganz anders als hier. Der Betrieb hatte etwa 300 Mitarbeiter und gearbeitet wurde im Schichtdienst rund um die Uhr “, erzählt Lars und fügt hinzu: „Allerdings läuft alles viel gemächlicher.“ Natürlich habe er von Anfang an mitgearbeitet. „Besonders interessant war, dass ich gleich zu Beginn das so genannte ‘Wolfram-Inertgas-Schweißen’ kennenlernte. Das lernt man hier erst im 3. Lehrjahr.“

In Norwegen hat er einen Fischtank hergestellt

Zudem habe er geholfen, einen Fischtank herzustellen. „Damit lernte ich zum einen eine sehr außergewöhnliche Arbeit und zum anderen die, an einem Produkt kennen, auf das sich die Firma spezialisiert hat“, so Lars und meint schmunzelnd: „Wo hat man hierzulande Gelegenheit, einen Fischtank herzustellen und dann auch noch zuzuschauen, wie er eine Woche später von einem Schwertransporter zum Hafen gefahren wird?“

Klar, die Verständigung sei anfangs – trotz guter Vorbereitung durch die Handwerkskammer – natürlich etwas schwierig gewesen. „Man muss sich halt erstmal dran gewöhnen, Englisch im Alltag zu sprechen. Ab der zweiten Woche klappte es ganz gut“, meint der Auszubildende. In der Freizeit habe er Land und Leute kennengelernt. „Die Landschaft ist wunderschön und mit der Gastfamilie bin ich zum Angeln rausgefahren.“

Azubi im zweiten Lehrjahr

Als Auszubildender im 2. Lehrjahr arbeitet der angehende Metallbauer normalerweise im elterlichen Betrieb an der Bergiusstraße, fertigt momentan am liebsten Geländer.

Mit insgesamt sieben Mitarbeitern ist der Betrieb nicht sehr groß, doch Mutter Martina Czarnetzki war es von Anfang an wichtig, dass ihr Sohn „mal über den Tellerrand schaut, etwas anderes kennenlernt , sich in der Ferne zurechtfindet.“

Austausch ist empfehlenswert.

Auch Sohn Jan - inzwischen Student und Geselle im Betrieb - war während seiner Ausbildung im Ausland. „Aber leider wissen nur wenige Auszubildende von der Möglichkeit, über die Handwerkskammer ein Auslandspraktikum zu machen“, so Martina Czarnetzki. Leider habe es bei ihnen diesmal jedoch nicht mit dem Gegenbesuch eines norwegischen Auszubildenden geklappt. „Aber der Austausch ist absolut empfehlenswert“, zieht Lars Czarnetzki sein persönliches Fazit. „Und den Kontakt zu meiner Gastfamilie versuche ich zu halten.“

Interessenten können sich melden

Die Handwerkskammer bietet sowohl einen Lehrlingsaustausch mit Norwegen als auch einen mit Frankreich an. „Etwa 20 Jugendliche aus dem ganzen Kammerbezirk nehmen jährlich teil“, erklärt Andreas Bendel von der Kontaktstelle Ausland der HWK. „Doch der Austausch ist nicht die einzige Möglichkeit, als Azubi ins Ausland zu kommen. Etwa 50 Jugendliche absolvieren jährlich drei bis sechswöchige Praktika im europäischen Ausland ohne Austauschpartner.“ Der hiesige ausbildende Betrieb muss dem Austausch jedoch zustimmen. Die Teilnehmer erhalten das Zertifikat „Europass Mobilität“, das sie später ihren Bewerbungen beifügen können.

Bei Studenten üblich

Während Auslandssemester bei Studenten inzwischen üblich seien, würden leider nur etwa drei bis fünf Prozent der Auszubildenden die Chance nutzen, Erfahrungen im Ausland zu sammeln, so Bendel. „Bis 2020 wollen wir diese Zahl gerne auf zehn Prozent erhöhen. Schließlich fördert ein solcher Auslandsaufenthalt die fachliche und persönliche Entwicklung des Auszubildenden, ist eine zusätzliche Qualifikation und steigert die Attraktivität der Ausbildung im Handwerk.“

Auch im kommenden Jahr soll es den Lehrlingsaustausch wiederum geben. Das Bewerbungsverfahren beginnt im Herbst.

Interessierte Auszubildende und Betriebe können sich jedoch schon jetzt bei der Handwerkskammer (Andreas Bendel) melden und sich informieren: 0251/7051464 und per Mail: andreas.bendel@hwk-muenster.de

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