Corona

50 Euro Strafe für den Schluck Kaffee auf Bottroper Markt

Für die Kunden auf dem Wochenmarkt gilt die Maskenpflicht – wie auch in den klassischen Geschäften. Schon hier im Juni war der Gang auf den Markt nur mit Mund-Nasenschutz erlaubt.

Für die Kunden auf dem Wochenmarkt gilt die Maskenpflicht – wie auch in den klassischen Geschäften. Schon hier im Juni war der Gang auf den Markt nur mit Mund-Nasenschutz erlaubt.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Der Kaffee wurde richtig teuer – wegen des Verstoßes gegen die Maskenpflicht. Die muss die Stadt Bottrop durchsetzen. Doch es gäbe eine Chance.

Auf dem Markt in Bottrop die Maske absetzen um eben einen Kaffee zu schlürfen, eine Zigarette zu rauchen oder eine Kleinigkeit zu essen? Das kann richtig teuer werden. Diese Erfahrung mussten am Mittwoch Gäste im Marktviertel-Café machen. Sie hatten sich mit ihrem Kaffee auf die Bank am ehemaligen Mensing-Brunnen gesetzt und ihn dort getrunken. Dafür haben sie die Maske abgesetzt. Vom Ordnungsamt wurden sie deshalb verwarnt, sie müssen eine Strafe zahlen in Höhe von 50 Euro. Macht unterm Strich einen sehr teuren Kaffee.

Bei der Stadt Bottrop bestätigt man den Vorfall und weist auf die strenge Maskenpflicht hin, die auf dem Markt gilt. Die lasse eben keine Ausnahmen zu. Die Markthändler, so der stellvertretende Stadtsprecher Ulrich Schulze, seien auch entsprechend informiert, Fischbrötchen, so seine Information, würden deshalb auch nur noch zum Mitnehmen verkauft, nicht mehr sofort am Stand verzehrt.

Betreiber der Gulaschkanone verkauft den Eintopf derzeit nur zum Mitnehmen

Wollte man das machen, würden die Regeln gelten, die auch Gastronomen erfüllen müssen, sagt Schulze. „Es ist ja möglich, da einen Bereich aufzubauen mit Tischen. Dann muss aber der Mindestabstand gewahrt bleiben und es müssen die Kontaktdaten der Gäste gesammelt werden, um mögliche Infektionsketten nachverfolgen zu können.“

Markus Konze, Betreiber der Gulaschkanone auf dem Markt, verkauft seine Speisen auch nur noch zum Mitnehmen. Die Lage sei entsprechend schwierig, sagt er. Die Lösung, die Regelungen der Gastronomie anzuwenden, käme ihm entgegen. Dass das möglich sei, ist für ihn neu. Er will nun das Gespräch mit der Stadt suchen. Sein Teilhaber Thomas Gonzka ist da bereits aktiv geworden. Nach seinen Informationen seien Stehtische demnach wohl nicht ausreichend, außerdem müsste nach jedem Gast auch desinfiziert werden. „Wir müssen beraten, ob der Aufwand für uns machbar ist und ob es sich lohnt.“

Stadt Bottrop weist mit Plakaten auf die Maskenpflicht hin

Grundsätzlich jedoch, sagt Schulze, habe die Stadt mehrfach auf die Maskenpflicht auf dem Wochenmarkt hingewiesen und auch Kontrollen angekündigt. Entsprechende Plakate hängen auch jetzt noch an den Zugängen zum Markt. Seitens der Stadt sieht man deshalb zunächst auch keinen großen Spielraum, man müsse die Corona-Verordnung des Landes durchsetzen.

David Schraven vom Marktviertel-Café erkennt das Dilemma, vor dem die Stadt steht. Die Corona-Vorschriften seien richtig und wichtig, doch für ihn und seine Mitstreiter stelle sich nun die Frage, wie sie weiter machen. Am Mittwoch hätten sie das Café zunächst geschlossen. „Ich frage mich halt, ob Maskenpflicht wirklich heißen muss, dass die Maske im Gesicht angenagelt ist, oder ob sie nicht zum Essen und Trinken kurz abgenommen werden darf, was ja in Zügen durchaus erlaubt ist.“

Viele Bürgerbeschwerden wegen Verstößen gegen die Maskenpflicht auf dem Markt

Die Auffassung der Stadt ist da eindeutig, diesen Spielraum habe man im vorliegenden Fall nicht so ohne Weiteres, so Schulze. Hier gelte nämlich erst einmal die Verordnung für den Wochenmarkt. Tatsächlich ist das im Paragrafen zwei der Corona-Schutzverordnung des Landes geregelt. Dort heißt es, Masken seien unter anderem zu tragen, „in Verkaufsstellen und Handelsgeschäften, auf Wochenmärkten, auf sämtlichen Allgemeinflächen in umbauten Räumen von Einkaufszentren, ,Shopping Malls’, ,Factory Outlets’ und vergleichbaren Einrichtungen sowie in Wettbüros.“ Eine Ausnahme zum Essen lässt die Verordnung tatsächlich nur zu „zur Einnahme von Speisen und Getränken in Zügen des Personenverkehrs“.

Zumal, so Schulze, es auch eine Vielzahl von Bürgerbeschwerden wegen Verstößen gegen die Maskenpflicht auf dem Markt gegeben habe.

Marktcafé-Betreiber überlegen nun, wie es weiter geht und sprechen mit der Stadt

Die Verantwortlichen des Marktcafés jedenfalls müssen sich nun überlegen, wie sie weitermachen, ob die Gastronomie-Lösung für sie umsetzbar ist. Dazu sei man auch in Gesprächen mit der Stadt, sagt David Schraven. Dass der kleine Kaffeewagen am Samstag seinen Platz vor Mensing einnimmt, das glaube er im Moment eher nicht. Bis eine Lösung gefunden sei, könne man die Kunden nicht dem Risiko aussetzen, für einen Schluck aus dem Kaffeebecher 50 Euro Strafe zahlen zu müssen.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben