Zeitgenössische Musik

Malakofftrum: Im Musik-Kokon des Philip Glass

Unter den Augen des Komponisten:

Unter den Augen des Komponisten:

Foto: Thomas Gödde

Bottrop.  Unter Leitung von Beate Schmalbrock gab das Klangturm-Ensemble im Malakoffturm Einblicke in die Klangwelt des Minimal-Komponisten Philip Glass.

Keine Angst vor zeitgenössischer Musik: So hätte das Motto der jüngsten Ausgabe der Musikreihe „Klangturm Malakoff“ lauten können. Denn das, was zunächst die vier Streichrinnen mit Philip Glass’ Streichquartett Nr. 3 „Mishima“ und später das auf neun Musiker angewachsenen Ensemble mit den „Glassworks“ des amerikanischen Komponisten präsentierten, zeigt, wie spannende und trotzdem eingängig klassische aus den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sein kann.

Wie rhythmische Bausteine

Bereits im „Mishima“-Streichquartett bewegten sich die Geigerinnen Mirjana Miteva und Patricia Hevicke sowie Ruth Herrmann und Franziska Lüdicke (Viola und Cello) souverän durch die sich verschiebenden Harmonien, rhythmischen Überschneidungen und woben einen von Farben gesättigten Klangteppich - unter den Augen des Komponisten. Die zogen anfangs auf der Leinwand (Bilder: Many Miketta) über dem Podium ebenso vorüber, wie Bilder des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima, dem Namensgeber für diese knappe Komposition.

Wie mit rhythmischen Bausteinen jonglierten die Musikerinnen mit der Partitur. Lange Cello-Bögen, ausschwingende, häufig wiederkehrende Figuren im moderaten Wechselbad von Piano und Forte, von den Streicherinnen in spannungsvoller Intensität gestaltet, umgaben die Zuhörer im gut besuchten Turm wie ein weicher Musik-Kokon, der sich immer mehr verdichtete.

Von einer ganz eigenen Atmosphäre ist auch „Glassworks“. Gleich das ausgedehnte „Opening“ am Klavier (Martin von der Heydt, der auch den Part am Keybord übernahm) versprühte etwas von Glass’ Gratwanderung zwischen - vorgeblicher - Einfachheit und Komplexität.Auch die später am Keyboard sich wiederholenden rasanten Figuren sind weit mehr als nur rasante Fingerübungen.

Feiner Schleier der Melancholie

Die „Glassworks“ - inspiriert haben sollen ihn dafür tatsächlich Geräusche einer Glasbläserei - schwanken zwischen Melancholie, die sich zuweilen wie ein feiner Schleier über die Sätze legt und prägnanten Akzenten dieser in sich ruhenden Musik.

Die lebt auch von der Verdichtung der Farben, hier vor allem der Holz- und Blechbläser. Unter der Leitung von Beate Schmalbrock gab das Ensemble einen fantastisch-farbenreichen Einblick in das Schaffen des Minimalisten.

Nächste Konzert im Malakoffturm

Der Komponist Mauricio Kagel steht, der vor zehn Jahren starb, im Zentrum des nächsten Konzertes mit Klangturm-Ensemble am Sonntag, 18. November im Malakoffturm. Ebenfalls am Sonntag, dem 24. März, steht um 11 und 17 Uhr unter dem Motto „Zukunftsmusik“ neueste Musik für Kammerensemble und Gesang auf dem Programm.

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