Spezialpflaster

Krebserregend? Stadt Bottrop stoppt Pflasterarbeiten

Da waren noch alle angetan vom „Wunderpflaster“ Photoment:  Im Januar 2015 wurden die Pflastersteine  an der Kreuzung Essener/Peter- /Hochstraße  verbaut. Unser Bild zeigt von links  Andreas Hugot (Geschäftsführer Steag Power Minerals), Burkhard Drescher ( Geschäftsführer Innovation City) und Oberbürgermeister Bernd Tischler.

Da waren noch alle angetan vom „Wunderpflaster“ Photoment: Im Januar 2015 wurden die Pflastersteine an der Kreuzung Essener/Peter- /Hochstraße verbaut. Unser Bild zeigt von links Andreas Hugot (Geschäftsführer Steag Power Minerals), Burkhard Drescher ( Geschäftsführer Innovation City) und Oberbürgermeister Bernd Tischler.

Foto: Michael Korte

Bottrop.  Ein Zusatzstoff im schadstoffsenkenden Straßenpflaster könnte Krebs erregen. Wo das Pflaster in Bottrop verbaut ist und was das nun bedeutet.

Die Stadt hat den Einbau eines Spezialpflasters, das Stickoxide aus der Luft binden kann, gestoppt. Der Grund: Ein Bestandteil des Pflasters ist Titandioxid. Dieser Stoff steht im Verdacht, krebserregend zu sein, wenn man ihn einatmet. Aktuell werden die Gehwege am Nordring mit dieser Art Steine gepflastert, die Arbeiten habe man nun unterbrochen, sagt der Technische Beigeordnete Klaus Müller.

Die EU hatte im Oktober 2019 entschieden, das Weißpigment Titandioxid in einer bestimmten Konzentration als potenziell krebserregend einzustufen. Daraufhin hatte sich die Tochter „Power Minerals“ des Essener Steag-Konzerns entschieden, ihr Pflaster „Photoment“ aus der Produktion zu nehmen, weil es mit dem Warnhinweis auf ein Krebsrisiko beim Einatmen nicht mehr weiter zu vermarkten sei.

Flächengröße muss noch ermittelt werden

Pflaster dieser Art ist an mehreren Stellen in der Stadt verbaut. So gibt es Flächen im Bereich von Peter- und Kapitän-Lehmann-Straße, am Kreuzkamp und auch das Teilstück der Kirchhellener Straße zwischen Altmarkt und Rathaus ist mit solchen Steinen ausgelegt worden. Die genaue Flächengröße werde man nun ermitteln, so Müller. Bei der Fläche an der Peterstraße handelt es sich um ein Innovation-City-Projekt. Dort wurde das Photoment-Pflaster 2016 als Pilotprojekt ausgebracht. Danach war die Stickoxid-Belastung in dem Bereich gesunken.

Die EU hat Titandioxoid allerdings jetzt als potenziell krebserregend eingestuft – beim Einatmen. Die entsprechende Verordnung wurde im Februar veröffentlicht. Das bedeutet aber nicht, dass der Stoff verboten ist. Die Stadt hat die weitere Verarbeitung des Pflaster dennoch zunächst einmal gestoppt. Allerdings gehe man bisher nicht davon aus, die Steine dort, wo sie bereits liegen, wieder rausreißen zu müssen, so der Baudezernent. Denn das Titandixiod als ein Bestandteil des Zusatzstoffs Photoment sei ja im Beton des Pflasters gebunden.

Stadt teilt Einschätzung der Steag

Damit teilt die Stadtverwaltung die Einschätzung der Steag. Die hat Photoment entwickelt, die Produktion nun aber eingestellt. „Da unser Produkt in Pflastersteinen gebunden eingesetzt wird, sehen wir kein Risiko für die Gesundheit durch Photoment. Potenzielle Risiken entstehen lediglich dann, wenn der Stoff eingeatmet wird“, sagt Steag-Sprecher Daniel Mühlenfeld. „Aus unserer Sicht ist es nicht erforderlich, die verbauten Pflastersteine zu entfernen. Wir sehen uns dabei in Einklang mit den Einschätzungen der EU.“

Für Müller ergibt sich daraus ein Problem vor allem bei Pflasterarbeiten, wenn möglicherweise Steine geschnitten werden müssen. Allerdings, so der Baudezernent, habe der Fachbereich Tiefbau inzwischen mitgeteilt, dass die Sicherheitsvorkehrungen bei diesen Arbeiten sowieso hoch sind, damit Arbeiter keinen Steinstaub einatmen.

Beratung im Bauausschuss

Dass im Alltag, etwa durch Abrieb, größere Mengen Titandioxid freigesetzt würden, davon geht man bei der Stadtverwaltung nicht aus. Sie schlägt vor, dass Thema in der nächsten Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses zu beraten und dann auch Vertreter etwa der Steag einzuladen und gemeinsam zu beraten, wie man mit dem Pflaster nun umgeht. Womöglich, so Müller, sei es ja sogar sicherer, es liegen zu lassen und nicht auszubauen.

Auch Einschätzungen des Bundesamts für Risikobewertung (BfR) könnten dann eine Rolle spielen. Titandioxid wird unter anderem auch in der Kosmetik oder in Sonnencremes eingesetzt, außerdem ist es als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen, etwa als weißes Farbpigment unter anderem in Süßwaren. Weder für die Aufnahme über die Haut, noch beim Verzehr gibt es eine entsprechende Warnung. „Bei der oralen Aufnahme von Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff gilt derzeit laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), dass die verfügbaren Daten keine Hinweise auf Gesundheitsbedenken für Verbraucherinnen und Verbraucher geben“, heißt es auf der Internet-Seite des BfR.

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