Titandioxid

Krebs durch Spezialsteine? Stadt Bottrop befragt Experten

Anfang 2015 präsentierten Steag-Geschäftsführer Andreas Hugo, Innovation-City-Geshäftsführer Burkhard Drescher und OB Bernd Tischler (von links) den Versuch mit Photoment-Steinen an der Peterstraße. (Archivbild)

Anfang 2015 präsentierten Steag-Geschäftsführer Andreas Hugo, Innovation-City-Geshäftsführer Burkhard Drescher und OB Bernd Tischler (von links) den Versuch mit Photoment-Steinen an der Peterstraße. (Archivbild)

Foto: Michael Korte

Bottrop.  Gehwege und Parkstreifen am Nordring werden mit Air-Protect-Steinen zu Ende gebaut. Ratsvertreter machen sich wegen EU-Warnung Sorgen.

Die Stadt wird wegen der möglichen Krebsgefahr durch spezielle Pflastersteine eine dritte Expertenmeinung einholen. Das dient dazu, auf den neusten Erkenntnisstand zu kommen, begründete Baudezernent Klaus Müller das Vorgehen. Fachleute sollen der Stadt darlegen, welche Konsequenzen im Umgang mit dem titandioxid-haltigen Steinen angemessen sind, nachdem die Europäische Union den Stoff als krebserregend eingestuft hatte. Verboten war und ist der Einbau der Spezialsteine bis heute nicht.

Da auch in Bottrop in Bürgersteigen, Parkstreifen, Straßen und Fußgängerzonen solche titandioxid-haltigen Pflastersteine verlegt wurden, haben sich Grüne und DKP mit besorgten Fragen an die Verwaltung gewandt. "Wir machen uns da schon Sorgen", sagte Grünen-Ratsfrau Sigrid Lange jetzt im Umweltausschuss. Vertreter der Stadt raten jedoch dazu, die Pflastersteine nicht wieder auszubauen. Von den betroffenen Flächen gehen nach den jetzigen Erkenntnissen der Verwaltung keine akuten Gesundheitsgefahren aus. Die Krebsgefahr entstehe allenfalls dann, wenn bei der Verarbeitung feinste Stäube eingeatmet würden.

Stadt lässt Steine am Nordring zu Ende verlegen

Auch bei der Verlegung der Spezialsteine gebe es keine Unterschied im Vergleich zu herkömmlichen Betonplatten, beruft sich die Stadt auf Einschätzungen der Berufsgenossenschaft Rohstoffe. Um das Krebsrisiko zu verringern, dürfen Bauarbeiter in Bottrop die Steine beim Verlegen jetzt auch nicht mehr schneiden. Stattdessen sollen sie an solchen Stellen, an denen die Photoment-Steine passend zugeschnitten werden müssten, herkömmliche Pflastersteine gleicher Muster verwenden. Grünen-Ratsfrau Sigurd Lange warf zwar die Frage auf, ob der krebserregende Stoff nicht auch durch Abrieb frei werden könne, doch Baudezernent Klaus Müller betonte: "Ich sehe da nicht die Hauptquelle der Gefährdung".

Verlegen ließ die Stadt das spezielle Straßenpflaster mit dem Zusatzstoff Titandioxid, weil es Stickoxide in der Luft binden kann. Im Bereich der Versuchsfläche an der Kreuzung von Peterstraße und Hochstraße, wo die Spezialsteine ab 2015 verlegt wurden, ging die Stickoxidbelastung auch deutlich zurück. Außer dort wurde das Pflaster inzwischen auch in der Fußgängerzone Gladbecker Straße am Kreuzkamp, in der Kirchhellener Straße zwischen Altmarkt und Ernst-Wilczok-Platz sowie am Nordring zwischen Gladbecker Straße und Kirchhellener Straße eingebaut. Die Gesamtfläche macht bisher nicht ganz 9000 Quadratmeter aus. Am Nordring fehlt zwar noch eine etwa 2500 Quadratmeter große Fläche, auch diese will die Stadt aber noch mit den titandioxid-haltigen Steine zu Ende bauen.

Linker teilt Sorge von Grünen und DKP nicht

Dafür sprach sich auch der neue Linke-Ratsherr Sven Hermens aus. Anders als Vertreter von Grünen und DKP hat er nicht die Sorge, dass durch Abrieb von den Spezialsteinen gesundheitliche Gefahren ausgehen könnten. Der frühere Mitarbeiter der MC Bauchemie wies darauf hin, dass der Anteil von Titandioxid in den speziellen Pflastersteinen nur bei 0,1 Prozent liege.

Steag-Tochter stellt Produktion der Steine ein

>>> Die Europäische Union hatte im Oktober 2019 entschieden, das Weißpigment Titandioxid in einer bestimmten Konzentration als potenziell krebserregend einzustufen.

Daraufhin hatte sich die Tochter „Power Minerals“ des Essener Steag-Konzerns entschieden, ihr Photoment-Pflaster aus der Produktion zu nehmen, weil es mit dem Warnhinweis auf ein Krebsrisiko beim Einatmen nicht mehr weiter zu vermarkten sei.

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