Stadtplanung

Kontroverse Debatte um Neubaugebiete in Grafenwald

Debatte im Bebauung in Grafenwald: ÖDP-Fraktionschef Johannes Bombeck  (Mitte) stellte die Pläne der Verwaltung vor.

Debatte im Bebauung in Grafenwald: ÖDP-Fraktionschef Johannes Bombeck (Mitte) stellte die Pläne der Verwaltung vor.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Kirchhellen.  Mehr als 80 Anwohner kamen zu einer Informationsveranstaltung der ÖDP. Stadt und CDU betonen: Ein Neubaugebiet käme in fünf bis zehn Jahren.

Die Pläne für Neubaugebiete in Grafenwald erhitzen weiterhin die Gemüter. Mehr als 80 Bürger kamen zu einer Informationsveranstaltung mit Spaziergang, zu der die ÖDP eingeladen hatte. Dezernent Klaus Müller und die CDU haben inzwischen deutlich gemacht: Eine Umsetzung der Baupläne könne bis zu zehn Jahre dauern.

Weil Müller wegen Erkrankung nicht anwesend sein konnte, übernahm der Fraktionsvorsitzende der ÖDP, Johannes Bombeck, die Sachinformation mit Daten, Karten und Luftbildern. Geplante Baugebiete müssen in den Regionalplan beim Regionalverband Ruhr (RVR) aufgenommen werden. Da das ursprünglich dort angegebene Gebiet Vossundern/Friedenstraße wegen schwieriger Entwässerung nicht mehr in Frage kam, untersuchte die Verwaltung neue Baugebiete, wobei die Flächen am Heimersfeld, Andersen Strang und Wiesengrund die meisten Kriterien erfüllten. Dort seien in fünf bis zehn Jahren 200 bis 300 Wohneinheiten realisierbar.

Daher habe der Rat der Stadt mit großer Mehrheit beschlossen, den Antrag beim RVR zu stellen, diese Flächen in den Regionalplan aufzunehmen. Dabei sollen 25 Prozent der Wohnungen als sozialer Wohnungsbau erstellt werden. Einzig die ÖDP hatte sich dagegen ausgesprochen, weil erst andere Flächen genutzt werden sollten.

Lebhafte Debatte

Beim Spaziergang entlang der vorgeschlagenen Neubaugebiete wurde lebhaft und kontrovers diskutiert. Für die Bürgerinitiative „Natürlich Grafenwald“ gehe es nicht darum, ein „paar Bauplätze zu vermeiden, es geht um die Menge und Dichte, “ erklärte einer der Gründer. Auch Klaus Lukaschewski, Anwohner vom Wiesengrund, wehrt sich nicht gegen die Bebauung an sich, sondern nur gegen die Größenordnung. Gefordert wurde übereinstimmend ein schlüssiges Verkehrskonzept.

Einige Beobachter bezweifelten die Einschätzung, dass Grafenwald dringend Zuzug zum Erhalt der Infrastruktur brauche, um die Infrastruktur zu erhalten; es gebe bereits jetzt zu wenig Kita-Plätze, die Grundschule habe genug Kapazität. Dem wurde entgegen gehalten, dass Grafenwald auf die Zahl von 5700 Einwohnern geschrumpft sei, und es vor allem an jungen Menschen fehle, was besonders die Sportvereine feststellen.

Baupläne haben auch Befürworter

SPD-Ratsherr Markus Kaufmann verteidigte vehement den Anspruch von Menschen, die auch das Recht hätten, im Grünen zu leben und warf der Initiative vor, mit zweierlei Maß zu messen: „Ihr wolltet doch auch im Grünen wohnen.“ Gegen den Einspruch, es gebe nicht genug Bedarf in Grafenwald für neue Wohnungen, wehrt sich Marc Pospiech. Er wohnt in Grafenwald mit vier Kindern in einer Mietwohnung und würde „gerne bauen, wenn man uns ein Grundstück anbietet.“

Bei weitem nicht alle Anwohner stehen dem Bauvorhaben ablehnend gegenüber. „Es fehlen junge Menschen in Grafenwald“, sagt Ralf Janknecht ebenso wie Beate Gevers. „Es muss etwa passieren, auch kombiniert mit dem sozialen Wohnungsbau.“ Dem Zuruf aus der Menge: „Ihr macht hier alles platt!“ setzte Beate Gevers entgegen: „Wir haben hier trotzdem noch Grün genug.“

Dezernent: Keine kurzfristige Bebauung

Dezernent Klaus Müller hat den Mitgliedern der Initiative „Natürlich Grafenwald“ einen inhaltlichen Dialog angeboten und versichert ihnen, kurzfristig sei nicht mit einer Bebauung im großen Stil am Heimersfeld zu rechnen.

„Im Rahmen der erforderlichen Planverfahren würden die von der Bürgerinitiative aufgeworfenen Fragestellungen zu Natur und Landschaft, Verkehr oder Klima gutachterlich geprüft und abgewogen. In diesem Zusammenhang findet selbstverständlich auch eine mehrstufige Beteiligung der Öffentlichkeit statt. Die genannten Planverfahren werden voraussichtlich etwa fünf bis zehn Jahre in Anspruch nehmen. Daher ist mit einer kurzfristigen Bebauung nicht zu rechnen.“

CDU: Grafenwald wird nicht zubetoniert

Auch die CDU Kirchhellen verweist in einer Stellungnahme auf die anstehenden Planungsverfahren mit Bürgerbeteiligung und auf den langen Vorlauf der Verfahren. „Daher spricht sich die CDU Kirchhellen in der Zwischenzeit eher für eine sinnvolle Lückenbebauung in Grafenwald aus“, sagt Kirchhellens CDU-Chef Rainer Hürter. „Niemand muss dabei befürchten, dass Grafenwald zubetoniert wird oder sein Gesicht als Stadtteil im Grünen verliert. Für die CDU Kirchhellen muss der Ortsteil auch in Zukunft Entwicklungsmöglichkeiten bieten, zum Beispiel mit Wohnbebauung auch für Familien, da diese sich unmittelbar positiv auf andere Bereiche wie die Sicherung der Nahversorgung und die Ortskernentwicklung auswirken kann.“

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