Mordprozess

Kirchhellener liebt Frau nach blutigem Ehedrama immer noch

 Die Angeklagte aus Kirchhellen verbirgt vor dem Essener Schwurgericht ihr Gesicht mit einem Aktenordner.

 Die Angeklagte aus Kirchhellen verbirgt vor dem Essener Schwurgericht ihr Gesicht mit einem Aktenordner.

Foto:   Jörn Hartwich

Bottrop-Kirchhellen.  Wegen versuchten Mordes steht eine Frau aus Kirchhellen vor Gericht. Die 45-Jährige hatte mit einem Küchenmesser auf ihren Mann eingestochen.


Es klingt wie verkehrte Welt: Im Prozess um ein beinahe tödliches Ehedrama in Kirchhellen lässt der damals schwer verletzte Ehemann keine Gelegenheit aus, um zu beteuern, dass er seine Frau immer noch liebt. Der 62-Jährige hat sich sogar geweigert, einem Rechtsmediziner seine Narben zu zeigen. Begründung: Er will ihr nicht schaden. „Ob wir noch einmal zusammenkommen werden, weiß ich natürlich nicht“, sagte der 62-Jährige am Rande des Prozesses vor dem Essener Schwurgericht. „Aber sie ist eine herzensgute Frau. Ich habe keine Angst vor ihr.“

Rund sechs Monate ist es inzwischen her, dass er von seiner Frau mit einem Messer angegriffen worden ist. „Es bestand akute Lebensgefahr“, hieß es am Mittwoch im Prozess vor dem Essener Schwurgericht. Ein Lungenflügel war kollabiert, eine große Menge Blut in die Brusthöhle gesickert. Außerdem war es bereits zu einer massiven Sauerstoffunterversorgung gekommen. „Die Lippen und Finger waren schon blau“, sagte der Arzt, der bei der Not-Operation im Bergmannsheil Gelsenkirchen dabei war. Zwei Einstiche hatten die Ärzte damals versorgt. Eine kleine Verletzung unterhalb der Schulter und den tiefen Stich in die Lunge.

Nach ihrer Festnahme sang die frühere Köchin Schlager

Wie es zu der schweren Verletzung gekommen ist, ist allerdings weiter unklar. Die Angeklagte hatte zum Prozessauftakt nur von einem Stich gesprochen – und zwar in die Schulter. Das hatte auch ihr Mann bestätigt. „Der zweite Stich muss bei der anschließenden Rangelei passiert sein“, so der 62-Jährige. Man habe sich schließlich über den Boden gewälzt. Wer genau suche, würde da sicher auch noch Faserspuren vom Bademantel seiner Frau finden. „Ich verstehe nicht, warum das nicht gemacht wurde“, meint er.

Von einem „Unfall“ geht die Staatsanwaltschaft allerdings nicht aus. Sie hat die 45-Jährige Ex-Köchin aus Kirchhellen wegen Mordversuchs angeklagt. Ihr Mann soll völlig ahnungslos am Esstisch gesessen haben, als die Angeklagte mit einem wuchtigen Küchenmesser auf ihn losging. Hintergrund der Bluttat waren ständige Auseinandersetzungen, die immer wieder eskaliert sind. Meist wurde beim Online-Poker gestritten, befeuert durch massiven Alkoholmissbrauch.

Sie geht lieber ins Gefängnis, als nur eine Stunde bei ihm zu bleiben

Nach ihrer Festnahme hatte die 45-Jährige zumindest keine Reue gezeigt. Auf der Wache sang sie Schlager und gab den Beamten zu Protokoll: „Ich habe alles richtig gemacht. Schade nur, dass mein Mann nicht gestorben ist.“ Und: „Ich würde lieber für 20 Jahre ins Gefängnis gehen, als noch eine Stunde bei ihm zu bleiben.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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