Stadtplanung

SPD: Ein Tiefschlag für Grafenwald

Zwischen Schacht 9 des Bergwerks Prosper-Haniel, dem Wald und der Friedenstraße liegt das Neubaugebiet, das die SPD entwickeln wollte. Eine Mehrheit im Rat war dagegen.

Zwischen Schacht 9 des Bergwerks Prosper-Haniel, dem Wald und der Friedenstraße liegt das Neubaugebiet, das die SPD entwickeln wollte. Eine Mehrheit im Rat war dagegen.

Foto: Hans Blossey

Kirchhellen.   Ratsherr Kaufmann kritisiert Entscheidungen im Rat gegen Neubaugebiet. Bezirksbürgermeister Schnieder (CDU) kündigt parteiübergreifende Gespräche an

Die SPD ist im Rat mit ihrem Vorhaben gescheitert, zwischen Friedenstraße und Vossundern in Grafenwald eine Fläche für rund 50 Wohnungen zu entwickeln. SPD-Ratsherr Markus Kaufmann spricht von einem „Tiefschlag für Grafenwald“; Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder (CDU) sieht dagegen noch Spielraum für Neubauten und will über Parteigrenzen hinaus dazu das Gespräch suchen.

Mit ungelösten Entwässerungsprobleme hatten CDU, Grüne, FDP und ÖDP in der Bezirksvertretung und in anderen politischen Gremien ihre Ablehnung begründet. Das Teilstück, das die SPD entwickeln wollte, „war laut Gutachten völlig unproblematisch“, kontert Kaufmann.

Düstere Prognosen

Er sieht durch das Nein der Ratsmehrheit zur Entwicklung des neuen Baugebietes die noch gute Infrastruktur in Grafenwald akut gefährdet. „Große Baugebiete wie in Feldhausen und Kirchhellen haben ein Vakuum in Grafenwald erzeugt. Junge Erwachsene, die in der Nähe ihrer Eltern wohnen wollten, hatten nur die Möglichkeit, in Feldhausen oder Kirchhellen zu bauen, da es keine Grundstücke in Grafenwald gab und nun auch für lange Zeit nicht geben wird.“

Schon der VfL-Vorsitzende Peter Scheidgen hatte mit Blick auf den Rückgang der Mitgliederzahlen gefordert, die Politik müsse dringend tätig werden, um den Einwohnerrückgang in Grafenwald zu stoppen. Kaufmann erinnert an die Entwicklung: „Um über zehn Prozent ist die Bevölkerung bereits geschrumpft und bei der Jugend sogar um über 30 Prozent. Eine zweite Grundschulklasse kommt nur ganz knapp zustande. Das Baugebiet Vossundern war die einzige Fläche, die binnen weniger Jahre hätte bebaut werden können.“

„Verlierer werden Kinder und Senioren sein“

Wenn sich die Politik jetzt auf die Suche nach neuen Baugebieten begebe, sagt Kaufmann, „würden die notwendigen Verfahren mindestens zehn Jahre dauern, bevor auch nur der erste Spatenstich erfolgen kann.“ Nach seiner Einschätzung werden weitere Abwanderungen die Folge sein. „Verlierer in Grafenwald werden die Menschen sein und vor allem die Kinder und Senioren, wenn es vielleicht bald keine Eisdiele, Bank, Apotheker oder Ärzte in Grafenwald mehr geben wird oder der Kindergarten schließen müsste. Für den AWO-Kindergarten hatte ja seinerzeit Diethard Kreul mit der SPD sehr gekämpft und ihn nach Grafenwald geholt.“

Ein weiterer Tiefschlag für Grafenwald und vor allen für die Anwohner rund um den Vossundern nennt Kaufmann die zweite Entscheidung gegen die Stimmen der SPD, das Kanalnetz und die Straße um Vossundern nicht mehr auszubauen. Kaufmann: „Mit diesen beiden Abstimmungen wurde gegen die Bürge rin Grafenwald entschieden. Die Konsequenzen, die sicherlich nicht lange auf sich warten lassen, müssen von den Grafenwälder Bürgern getragen werden.“

Bezirksbürgermeister Schnieder hat wegen der Entwicklung in Grafenwald bereits das Gespräch mit dem Planungsausschussvorsitzenden Klaus Strehl (SPD) gesucht. Man werde sich gemeinsam über die Pläne beugen und „überparteilich und ohne Emotionen“ nach Lösungen suchen.

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