Premiere

Duell zwischen Duftmarke und Gülletonne

Die freundliche Begrüßung täuscht: In Wirklichkeit planen die Kellermanns die feindliche Übernahme des alten Bauernhofes. Szene aus dem ersten Aufzug des neuen  Kolping-Lustspiels „Kunigunde draff nich sterven!“

Die freundliche Begrüßung täuscht: In Wirklichkeit planen die Kellermanns die feindliche Übernahme des alten Bauernhofes. Szene aus dem ersten Aufzug des neuen Kolping-Lustspiels „Kunigunde draff nich sterven!“

Foto: Thomas Gödde

Die Theatergruppe der Kolpingsfamilie gastiert mit neuer Plattdeutsch-Produktion viermal im Brauhaus am Ring

Die Theatertruppe der Kolpingsfamilie hat mit ihrem neuen plattdeutschen Lustspiel „Kunigunde draff nich sterven!“ Premiere im Brauhaus am Ring gefeiert. Drei der Akteure durften zudem auf runde Bühnenjubiläen anstoßen: Tille Haubold ist seit zehn Jahren dabei, Reinhold Grewer seit 30 und Marie-Luise Eulering sogar seit 50.

Die Sau bleibt im Stall

Der Handlungsrahmen des Schwanks aus der Feder von Herbert Hollitzer hat sich bewährt. Wie bei seinem Erfolgs-Lustspiel „Finger weg von Erna Zeck“ stoßen reiche Unsympathen zusammen mit pfiffigen Senioren, die ihr altes Anwesen am Ende erfolgreich mit Hilfe des Denkmalschutzes gegen die Geldsäcke aus der Stadt verteidigen, obwohl die sie mit allen Mitteln zu vertreiben such. Ein Thema nicht ohne Gegenwartsbezug im Dorf, was sich auch an der klaren Sympathieverteilung im Publikum zeigt.

Landsitz mit Wellness-Oase

Auf der Brauhaus-Bühne sind die Eindringlinge in die ländliche Idylle die Kellermanns, die günstig den alten Bauernhof erworben haben und ihn zum luxuriösen Landsitz umbauen wollen, Wellness-Oase und Wendeltreppe eingeschlossen. Reinhold Grewer gibt den Geschäftsmann zwischen Großkotz und „Windbuxe“, Petra Schenke seine Frau als hinreißende „Hippe“.

Ihnen gegenüber am mit Flatterband abgetrennten Tisch sitzen Kathi Reißzahn (Tille Haubold), der der alte Bauer vor seinem Tod ein lebenslanges Wohnrecht übertragen hat, ihre Kusine Steffi (Marie-Luise Eulering) und Freund Hubert Merk (Andreas Luerweg). Bewegung zwischen die verhärteten Fronten bringt Rechtsanwalt Alex von Stetten (Jan Fasthoff). Er ist angetreten, um für Kellermanns Kathi vom Hof zu vertreiben; als die ihn aber von seinen „Fratten“ (Warzen) befreit, wechselt er die Seiten und entscheidet die Auseinandersetzung.

Regisseurin Claudia Hollender und ihr Team hat das Stück zur Freude des Publikums mit Lokalbezügen aufgepeppt wie mit der Metzgerei, deren Chef nicht Riesener, sondern Hußmann heißt, oder mit einer Anspielung auf die Parteienlandschaft im Dorf, über die sich im Publikum Oberbürgermeister Bernd Tischler und Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder gleichermaßen amüsierten.

Lustvoll ausgespielte Rollenklischees

Fast zwei Stunden lang hat die Kolping-Theatertruppe die mehr als 300 Premierengäste mit lustvoll ausgespielten Rollenklischees bestens unterhalten. Die Pointen werden mal hingetupft, mal derb aus der Gülletonne verspritzt. Dafür ernteten die Darsteller und das Team hinter den Kulissen verdiente drei Vorhänge. Und die Titelheldin hat am Ende niemand wirklich vermisst: „Kunigunde“ heißt nämlich Magd Kathis Sau. Sie, sagen wir: greift zwar in die Handlung ein, wird aber nicht rausgelassen.

Weitere Termine

Kunigunde draff nicht sterven!“ ist im großen Brauhaus-Saal zu sehen am Freitag, 16. März (19.30 Uhr), am Samstag, 17. März (18 Uhr) und am Sonntag, 18. März (16 Uhr).

Für die Vorstellungen am Freitag und Samstag gibt es noch gute Karten zum Preis von 10 Euro im Brauhaus.

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