Serie: 25 Jahre WPZ

Diesen Ort haben mindestens 30.000 Bottroper schon besucht

Vorläufer des Jahrgangswaldes: An der Stadtgrenze zu Dorsten pflanzte die Waldjugend im Januar 1991 9000 Traubeneichen, Rotbuchen und Schwarzkiefern.

Vorläufer des Jahrgangswaldes: An der Stadtgrenze zu Dorsten pflanzte die Waldjugend im Januar 1991 9000 Traubeneichen, Rotbuchen und Schwarzkiefern.

Foto: Birgit Schweizer

Kirchhellen.  Mehr als 30.000 Bottroper haben hier viel über Natur und Wald gelernt: Das waldpädagogische Zentrum am Ruhehorst wird dieses Jahr 25 Jahre alt.

Das waldpädagogische Zentrum (WPZ) am Ruhehorst wird 25 Jahre alt: 1995 wurde der außerschulische Lernort für Natur- und Umweltschutz auf dem Gelände eines still gelegten Schießstandes eingeweiht.

Bis heute ist es eine in dieser Konstellation bundesweit einmalige Einrichtung geblieben: Jeder Bottroper Schüler hat es in seiner Grundschulzeit mindestens dreimal besucht. Zum Jubiläum zeichnet die WAZ die Entwicklung der Einrichtung nach.

„Natur mit allen Sinnen erfahrbar machen“

„Wir wollen Natur mit allen Sinnen erfahrbar machen und allen Kindern, unabhängig von ihren individuellen Fähigkeiten und ihren ethnischen oder sozialen Herkunft einen Zugang zum Lebensraum Wald ermöglichen.“ Dieser Vorsatz steht hinter der Arbeit des Kreisverbandes Bottrop der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) im WPZ. Ihr Gründer und WPZ-Erfinder Heinz Temhumberg hat diese Absicht schon in den 1980er Jahren so formuliert: „Es ist wichtig, dass Kinder einen unmittelbaren Kontakt zur Natur herstellen können, um einen verantwortungsvollen Umgang mit ihr zu erlernen.“

Der Anfang dazu wurde 1984 gemacht, erinnert sich der langjährige Leiter der Gregorschule. Seine Diagnose bei vielen Grundschülern: wachsende Naturentfremdung. Gemeinsam mit Peter Pawliczek, seinem späteren Nachfolge in der Schule ebenso wie in der Schutzgemeinschaft, hat er mit Feldspielen begonnen: „Mit der vierten Klasse haben wir damals angefangen, Feldfrüchte und Kräuter am Wegesrand zu bestimmen.“

Der Anfang der Waldjugendspiele

Die Gänge über die Felder zu Müller Schmitz und zum Hof Steinberg mit Brötchen von Bäcker Jandewerth machten Sinn und Spaß. Doch Tenhumberg und Pawliczek entdeckten noch lohnendere Ziele: „Hierbei erkannten wir schnell, dass der Lebensraum Wald für unser Anliegen am geeignetsten ist.“

Tenhumberg begann seine Schüler in Gruppen einzuteilen, die mit Hilfe von Förstern und Jägern an verschiedenen Stationen im Wald Wissen erlernen und anwenden konnten. „Letztlich entwickelten sich hieraus die Waldjugendspiele, die heute in vielen Städten durchgeführt werden.“

Ein Beispiel macht Schule

Das Beispiel machte im Wortsinn Schule: Rektoren anderer Schulen wurden aufmerksam auf das Naturbildungsprogramm, das Tenhumberg seinen Gregorschülern bot. „Die erste Schule, die mitmachen wollte, war die Grundschule Grafenwald, dann kam die Johannesschule“, erinnert sich Tenhumberg. Die Lehrer der Gregorschule boten die Waldjugendspiele auch für die vierten Klassen der Nachbarschule an.

Schnell kamen auch Schulen als Alt-Bottrop zu den Schluss: Eine richtig gute Sache ist das, was die da oben machen. Und nur vier Jahre nach den ersten Feldspielen war es soweit, dass „sämtliche 27 Grundschulen in Bottrop mit rund 60 Klassen des vierten Jahrgangs teilnahmen“.

„Fester Bestandteil der Naturerziehungsarbeit“

Bis heute ist das ein großer Aufwand, der erst am Heidhof, dann im Vöingholz in Grafenwald und später am Kletterpoth in der Kirchheller Heide betrieben wurde. Tenhumberg erinnert sich: „Auf einem Parcours mit zehn Stationen ging im Sechs-Minuten-Rhythmus die Hälfte einer Klasse auf diesen Unterrichtsgang.“ Nach einer Stunde waren fünf Klassen unterwegs, nach drei Stunden 15. Tenhumberg: „Allein für die Führung wurden 30 Fachleute pro Tag benötigt.“ Dazu kam das ehrenamtliche Personal für Organisation und Aufbau. „Diese Waldjugendspiele waren fester Bestandteil der Naturerziehungsarbeit der Bottroper Grundschulen.“

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