Der Bergbau geht

Das ist die Bottroper Gegenrechnung zum Abschied vom Pütt

Mit diesem Plakat an der Ecke Bottroper/Holthausener/Hauptstraße erinnert der Initiativkreis bergbaubetroffener Bürger an die Ewigkeitskosten des Bergbaus.  

Mit diesem Plakat an der Ecke Bottroper/Holthausener/Hauptstraße erinnert der Initiativkreis bergbaubetroffener Bürger an die Ewigkeitskosten des Bergbaus.  

Foto: IBB

Kirchhellen.   Der Bergbau hinterlässt auch viele Geschädigte. Aus ihrer Sicht stellt sich die Bilanz der Steinkohle-Ära anders da als derzeit zelebriert

Der Abschied vom Bergbau, der am Freitag seinen Höhepunkt erreichen wird, stößt inzwischen vielen Bürgern sauer auf. Das sind all diejenigen, die trotz der Versicherung, kein Bergmann falle ins Bergfreie, nach dem kontrollierten Sinkflug der RAG ohne einen Arbeitsplatz zurück geblieben sind. Und das sind all diejenigen, die durch den Bergbau Schäden an ihrem Eigentum erlitten haben. Vor allem aber stellt der Initiativkreis bergbaubetroffener Bürger Bottrop (IBB) die Frage: Werden RAG und RAG-Stiftung wirklich für bleibende und auch noch künftige auftretende Bergschäden dauerhaft aufkommen? Michael Farien hat da so seine Zweifel.

Ausstiegsversuche

Das Vorstandsmitglied des IBB hat deshalb gemeinsam mit dem Landesverband zum Bergbauabschied auf einer Plakatwand einen ganz speziellen Gruß formuliert: „Der Bergbau geht, der Schaden bleibt. Ewig.“ Farin beobachtet: „Bereits jetzt versucht die RAG, bislang jährlich abgegoltene Schäden und Verpflichtungen mit Einmalzahlungen abzulösen.“ Solche Verhandlungen laufen nach seinen Angaben mit Betreibern von Pumpen, Wasserreinigungsanlagen oder mit Nutzern landwirtschaftlicher Flächen.

Respekt eingefordert

Vor diesem Hintergrund kritisiert der IBB das „verklärende Andenkens an einen ehemals auch für Bottroper Arbeitnehmer bedeutenden Arbeitgeber. Putzige Bergbau-Ampelmännchen entsprechen weder dem neuen Selbstverständnis der Stadt als ,Innovation City’ noch sind sie Zeichen eines respektvollen Umgangs mit denen, die über Jahrzehnte unter den Folgen des Bergbaus leiden mussten“, sagt Farien.

Aus seiner Sicht markiert der 21. Dezember 2018 „für die bergbaubetroffenen Bürger leider lediglich das Ende des aktiven Steinkohlebergbaus, nicht aber das Ende seiner Schäden und Altlasten. Insofern halten sich Erleichterung, aber auch Wehmut in engen Grenzen“.

„Der Preis ist hoch“

Zum Ende des Bergbaus dürfe man nicht nur romantisierende Rückblicke werfen, sondern auch eine Gegenrechnung aufmachen, sagt Michael Farien im Namen der Geschädigten durch den Bergbau.

„Der Preis für den Bergbau, den wir alle gezahlt haben und noch zahlen müssen, ist hoch. Er beschränkt sich nicht auf die Milliarden an Subventionen, die den Bergbau am Leben erhielten: Bergsenkungen und die späteren Hebungen schädigen auf Dauer den Lebensraum. Die Grubenwasserpumpen müssen zum Schutz des Trinkwassers auf ewig laufen, ebenso die Entwässerungs- und Hebepumpen, welche die Verwandlung des Ruhrgebiets in eine Seenplatte verhindern, und die vielen Kanäle.“ Außerdem: Der Bergbau hinterlasse Unsicherheiten durch offene Regulierungsfragen.

Nicht nur Denkmäler bleiben

Neben den Schäden an Gebäuden in Kirchhellen und Grafenwald haben Bergsenkungen und ihre Bekämpfung etliche Wunden hinterlassen. Die Bergbaugeschädigten erinnern an missglückte wasserbauliche Maßnahmen etwa am Töfflinger Bach, die Seenbildung etwa am Weihnachtssee und im Schwarzbach-Elsbach-System an der Hiesfelder Straße.

Auf Dauer bleiben würden das Boye-Pumpwerk, Pumpwerk Wiesentalbach und der Auslaufschutz für den gekippten Heidesee.

Naturschutz- und Waldgebiete sowie landwirtschaftlich genutzten und Gartenflächen seien ebenso dauerhaft vernässt worden wie Flächen für Wohnen und Gewerbe.

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