Wirtschaft

Corona: „Stoffwiese“ näht keine kostenlosen Masken mehr

Inhaberin Bernadette Behrendt, rechts, und ihre Schneiderin Andrea Ressel, links, nähen in der „Stoffwiese“  Mundschutze

Inhaberin Bernadette Behrendt, rechts, und ihre Schneiderin Andrea Ressel, links, nähen in der „Stoffwiese“ Mundschutze

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Kirchhellen.  Das Fachgeschäft auf der Hackfurthstraße benötigt Aufträge und sucht neue Wege aus der Krise durch den Corona-Virus. Etwa mit einem Lieferdienst.

Bernadette Behrendt und die Angestellten ihres Geschäfts Stoffwiese haben ein gutes Herz. Bis vor wenigen Tagen haben sie Schutzmasken aus Baumwolle hergestellt und kostenlos verschenkt – circa 90 Stück. Die Masken fanden nach einem Aufruf bei Facebook etwa bei Krankenschwestern und Altenpflegern reißenden Absatz.

Jetzt hat Bernadette Behrendt die Produktion schweren Herzens gestoppt. Der Grund liegt auf der Hand. „Wir kämpfen ums Überleben“, sagt die Inhaberin des Geschäfts auf der Hackfurthstraße. „Wir spüren die Krise deutlich.“ Sie hat zwei Festangestellte. Dazu kommen Aushilfen, die aber zurzeit nicht mehr mitarbeiten. Die Aufträge werden in Zeiten des Coronavirus spürbar weniger.

Nähkurse und Workshops abgesagt

Bis zuletzt gab es etwas zu tun. „Wir haben die Aufträge der letzten Wochen abgearbeitet“, sagt die Inhaberin. Was in den kommenden Wochen und Monaten passiert, ist ungewiss. Ihre Einnahmenquellen sind fast auf einen Schlag versiegt. Beliebte Kurse und Workshops, die alle ausgebucht waren, mussten abgesagt werden. Morgens und abends von Montag bis Freitag hätten Nähkurse in einem 14-tägigen Rhythmus stattfinden sollen. Betroffen von der Absage sind mehr als 140 Teilnehmer. Workshops an den Wochenenden fallen ebenfalls aus.

Aber auch wenn sie die Schutzmasken in Auftrag nähen, ist es in der aktuellen Situation finanziell nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es fehlen zudem Aufträge für Junggesellinnenabschiede und Kindergeburtstage. Dazu gesellt sich ein weiteres Problem. „Der Einzelhandel liegt brach“, sagt sie. Weil aufgrund des Kontaktverbotes kaum noch jemand ins Geschäft kommt.

Lieferdienst ab 20 Euro

In dieser schweren Zeit muss die Stoffwiese neue Wege gehen. Ein Lieferdienst wurde ins Leben gerufen. Ab 20 Euro wird geliefert, ab 50 Euro ist die Lieferung kostenlos. Und ab 100 Euro gibt es einen handgenähten Mundschutz gratis dazu.

Bis vor wenigen Wochen standen die Kunden bei ihr im Geschäft und ließen sich kompetent beraten. Heute läuft vieles über das Festnetztelefon, Handy oder Facebook. Das Geschäft Stoffwiese lebte bisher zudem vom Nähen von Gardinen, Bankauflagen, Kissen und Decken. Nur von Änderungswünschen bei Kleidungsstücken kann das Geschäft künftig nicht überleben.

Nähanleitung für die eigene Maske

Wer also jetzt eine handgemachte Maske von der Stoffwiese haben möchte, muss diese in Auftrag geben. Alternativ können Kunden, die sich mit einer Nähmaschine auskennen, ihre eigene Maske selbst herstellen. Dafür wird auf Wunsch ein Paket mit dem gewünschten Zubehör zusammengestellt. Die Selbstabholung ist während der Öffnungszeiten und nach vorheriger telefonischer Absprache auch möglich.

Mithilfe des Messenger-Dienstes Whatsapp bietet Bernadette Behrendt sogar an, den Kunden zu erklären, wie die Maske genäht wird. Wobei sie das Wort Mundschutz versucht zu vermeiden. Sie nennt es eher „Sprech-Spritz-Schutz“. Ihr ist wichtig zu betonen, dass das Tragen eines solchen Schutzes aus Baumwolle keine 100-prozentige Sicherheit vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus gibt. https://interaktiv.waz.de/corona-virus-karte-infektionen-deutschland-weltweit/#regio

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