Gericht

Graupapageien ohne "Cites" in Kirchhellen verkauft - Geldstrafe für illegales Geschäft

Graupapageien dürfen nicht mehr in der Wildnis gefangen und dann verkauft werden. Beim legalen Verkauf muss eine als einer als “Cites” bezeichnete Bescheinigung vorgelegt werden.

Graupapageien dürfen nicht mehr in der Wildnis gefangen und dann verkauft werden. Beim legalen Verkauf muss eine als einer als “Cites” bezeichnete Bescheinigung vorgelegt werden.

Foto: Holger Hollemann / dpa

Essen/Kirchhellen.  Ohne "Cites" geht nichts beim Verkauf von Graupapageien. Das wurde vor Gericht zwei Geschäftspartnern klar. Beide müssen eine Geldstrafe zahlen.

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Mit schrägen Vögeln macht eine Amtsrichterin täglich ihre Erfahrungen. Anders ergeht es ihr bei exotischerem Federvieh, etwa dem gemeinen Graupapagei. Da muss die Essener Amtsrichterin Daniela Riedl tief ins Bundesnaturschutzgesetz eintauchen, bevor sie am Dienstag den illegalen Verkauf des Vogels in Kirchhellen mit Geldstrafen ahndet.

In Afrika gilt der Graupapagei als gefährdet

Vor ihr sitzen zwei Männer auf der Anklagebank, die sich als vollständig unschuldig geben. Wer weiß auch schon, was beim Kauf eines Graupapageis alles zu beachten ist? Weil der sprachbegabte Vogel in seiner Heimat Afrika als gefährdet gilt, darf er in Deutschland nur mit einer als “Cites” bezeichneten Bescheinigung verkauft werden. Denn damit wird belegt, dass es sich bei dem Tier um ein Lebewesen aus heimischer Zucht handelt.

Doch Cites fehlte, als der 53-jährige Kirchhellener am 11. Juni 2017 einem 37 Jahre alten Mann aus Ahaus zwei Graupapageien verkaufte. Exakt 2400 Euro kosteten Hahn und Henne laut Vertrag und samt Voliere. “Das war mir nicht bewusst, dass eine Cites-Bescheinigung nötig ist”, sagt der Käufer aus Ahaus. Und der Verkäufer aus Kirchhellen stimmt zu: “Ich hatte die seit 1989, von Cites wusste ich nichts.” Erst im Nachhinein wollen beide gehört haben, dass das Gesetz im Januar 2017 geändert wurde.

“Unwissenheit schützt vor Strafe nicht”

Richterin Riedl zeigt, wie gut sie sich auf den Fall vorbereitet hat. Sie liest aus dem Bundesnaturschutzgesetz vor. Bei Vorsatz drohen bis zu fünf Jahre Haft, bei Fahrlässigkeit bis zu drei Jahre. Und Fahrlässigkeit liege hier wohl vor. Sie hätte auch sagen können: “Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.” Zu hören ist bei dem Vorlesen auch noch, dass es die Genehmigungen beim “BMLFUW” gibt, was landläufig als Bundeslandwirtschaftsministerium bekannt ist.

Strafrechtlich handfester wird es, als kurz ein Streit der beiden Angeklagten aufblitzt. Denn von der Kaufsumme sind sofort nur 530 Euro bar gezahlt worden, der Rest sollte in Raten bezahlt werden. Und die blieben aus. Der Käufer spricht von Mängeln, Voliere und Tiere seien in schlechtem Zustand gewesen. Der Kirchhellener widerspricht. Sein Verteidiger unterstützt ihn: “Ich bin der Schwager, ich kenne die Tiere. Sie waren topfit.”

Käufer aus Ahaus hat sechs Vorstrafen

Ein Blick ins Bundeszentralregister hilft vielleicht bei der Wahrheitsfindung. Denn der Käufer aus Ahaus hat sechs Vorstrafen, meist Betrug. Da kann der Verkäufer bei einer einzigen Vorstrafe wegen Trunkenheit im Verkehr nicht mithalten.

Doch die Richterin macht klar, der Streit interessiere sie nicht. Schließlich geht es um Cites. Und da spielt es auch keine Rolle, dass der Käufer von den Tieren nichts hatte. Denn nachdem er den Besitz bei der zuständigen Behörde angemeldet hatte, wurden die Tiere wegen der fehlenden Bescheinigung amtlich eingezogen. Der Hahn bedauerlicherweise eingefroren, weil er kurz nach dem Kauf das Zeitliche gesegnet hatte.

Geldstrafen in Höhe von jeweils 750 Euro (30 Tagessätze)

Was noch zu sagen ist, obliegt der Richterin. Sie verurteilt die beiden wegen fahrlässigen Verstoßes zu Geldstrafen in Höhe von jeweils 750 Euro (30 Tagessätze). Sie glaubt ihnen, dass sie von der Vorschrift nichts wussten. Aber sie hätten sich ja genauso informieren können, wie es ihr als Richterin auch gelungen sei: “Googeln mit dem Stichwort ,Graupapagei’ reicht völlig.”

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