Der Bergbau geht

Bergmann behütet die Krippe von St. Johannes

Da steht er gut, der Jupp: Detlev Lindenbaum (links) und Mathias Erdmann begutachten mit Küsterin Renate Schönsee und Bergwerksdirektor Jürgen Kroker die Krippenlandschaft in St. Johannes.

Da steht er gut, der Jupp: Detlev Lindenbaum (links) und Mathias Erdmann begutachten mit Küsterin Renate Schönsee und Bergwerksdirektor Jürgen Kroker die Krippenlandschaft in St. Johannes.

Foto: Thomas Gödde

Kirchhellen.   Der letzte Gruß von Schacht 10 ins Dorf: In der Krippenlandschaft von St. Johannes erleuchtet jetzt ein Kumpel mit seiner Grubenlampe den Stall

Das Bergwerk Prosper-Haniel hat der Gemeinde St. Johannes ein Abschiedsgeschenk gemacht. Einen Tag nach der offiziellen Abschlussfeier des deutschen Steinkohlenbergbaus haben Bergwerksdirektor Jürgen Kroker und die Kumpel Detlev Lindenbaum und Mathias Erdmann bei einer Andacht in der Pfarrkirche eine Bergmannsfigur in die Krippenlandschaft gestellt, die jedes Jahr nach Weihnachten tausende Besucher anzieht.

Nicht jedes Jahr, aber immer mal wieder wächst die Krippenlandschaft um eine Figur oder ein Gebäude. So ist aus der Heiligen Familie, den drei Weisen und den zwei Hirten mit vier Schafen seit 1988 eine 60 Quadratmeter große Doppel-Landschaft: zum Alter hin Morgenland, dahinter Münsterland.

Eine gute Idee: Das passt

Küsterin Renate Schönsee hatte die Idee, zum Abschied des Bergbaus einen Bergmann an die Krippe zu stellen. Das passt in jeder Hinsicht, sagt Pastor Klaus Klein-Schmeink mit Blick auf Schacht 10 am Alten Postweg und den Abbau unter der Kirchheller Heide: „Wenn man genauer hinsieht, war die letzte Zeche auf dem Gebiet des Bistums Münster.“ Auch das Lokalkolorit der Landschaft ergänzt die Figur sinnvoll und gesellt sich zu Brezel- und Schützenbruder, Sänger und Kolpingsohn, die schon an der Krippe stehen. Zwei weitere Aspekte spricht er an: „Kirche und Bergbau sind von jeher eng verbunden.“ Und: „Der Bergbau hat einen Beitrag geleistet zur Öffnung unserer Gesellschaft“, auch wenn Integration „ein oft generationenübergreifender Prozess“ sei.

Schutz im Glauben gesucht

Auch Oberbürgermeister Bernd Tischler wurde spontan Fan der Aktion. Schließlich betont er immer wieder die Integrationskraft als erhaltenswerte Bergbautradition. Etwas länger nachdenken musste Bergwerksdirektor Jürgen Kroker, wie er zugibt: „Ich war überrascht. Auf diese Idee wäre ich nicht gekommen.“ Aber auch er stellte schnell fest: Das passt. „Die Männer, die nach Untertage gefahren sind, haben im Glauben Schutz gesucht.“ Nicht erst durch den Papstbesuch 1987 seien Bergwerk und Kirche eng verbunden. Kroker erinnert an den Kreuzweg auf der Halde Haniel, die nach dem Bergbauende künftig durch einen neu gegründeten Verein betreut wird.

Der kleine Kerl war vor Kohle

Gemeinsam mit den Kindern, die seit dem ersten Advent die Krippenlandschaft aufgebaut haben, geleiteten die Bergleute am Samstag die neue Krippenfigur an den Altar, wo sie ihren Segen empfing. „Jupp“, wie die Kumpels den kleinen Kollegen getauft haben, sei ordnungsgemäß auf der siebten Sohle des Bergwerks vor Kohle gewesen, versichert Kroker. Mit dem Kohlenstaub seien sie aber sparsam umgegangen: „Er muss ja nicht aussehen, als ob er durch ein Abbaurevier gerobbt wäre.“

Und auch dieses letzte Detail passt: Die Bergmannskluft ist exakt einer XL-Vorlage aus dem Bergwerk nachempfunden. Genäht hat sie übrigens Christel Wolthaus. Ihr Vater war 40 Jahre lang im Bergbau gewesen.

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