Chanson einer wilden Zeit

Abend mit Sexappeal im Hof Jünger

Konzert Herrlich, aber gefährlich: Chansons der 20er Jahre mit der Sängerin Andrea Rieche, dem Pianisten Rainer Maria Klaas und Andrea Knefelkamp-West am Akkordeon im Hof Jünger.

Foto: Frank Oppitz

Konzert Herrlich, aber gefährlich: Chansons der 20er Jahre mit der Sängerin Andrea Rieche, dem Pianisten Rainer Maria Klaas und Andrea Knefelkamp-West am Akkordeon im Hof Jünger. Foto: Frank Oppitz

Kirchhellen.  Herrlich, aber gefährlich: So präsentierten Andrea Rieche, Rainer-Maria Klaas und Andrea Knefelkamp-West freche Chansons der 20er Jahre.

Herrlich, aber gefährlich - einen passenderen Titel für den Chansonabend hätte das Trio kaum wählen können. Die „Brettl-Diva“ Andrea Rieche präsentierte ihr Programm „Liederliche Chansons der 20er Jahre“ als Spiegelbild einer wilden Zeit jetzt im Hof Jünger.

In den Jahren zwischen dem 1. Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise veränderte sich die Gesellschaft. Die Chansons wurden zu einem Sinnbild dieser Umbruchszeit zwischen Kaiserreich und aufkommender Nazidiktatur: Unsterblich, zeitlos und aus dem Leben gegriffen.

Mit Charme und Humor

Die Mezzosopranistin vom Dortmunder Theater inszenierte als „Brettl-Diva“ die frivolen, kabarettistischen und humoristischen Chansons. Stimmgewaltig, zuweilen dramatisch präsentierte sie mit dem Pianisten Rainer Maria Klaas und Andrea Knefelkamp-West am Akkordeon einen charmanten und humorvollen Abend mit Musik und Komik. Kurze Überleitungen oder Schüttelreime wie „Man konnte schon in den Jugendtagen mich mit dem Worte Tugend jagen“ oder „Es kommt nicht darauf an, was eine Frau trägt, sondern wie sie es trägt“ als Überleitung zu „Sexappeal“ fügten sich stimmig in die Dramaturgie. Anzügliche Titel ließen aufhorchen und Verbindungen zum Untertitel erahnen: „Heute Nacht oder nie“, „Sexappeal“ oder „Ich bin ein Vamp“.

Publikum wirkt als Chor mit

Neben bekannten Melodien „ In der kleinen Konditorei“ oder „In der Bar zum Krokodil“ gab es auch Ratschläge für schwierige Lebenssituationen „ Nur nicht aus Liebe weinen, es gibt auf Erden nicht nur den Einen“. Nicht alles war frech bis anzüglich. Vieles regte einfach nur zum Schmunzeln, zuweilen zum lauten Lachen, so wie etwa „Der Blusenkauf“, „Benjamin ,ich hab nichts anzuzieh’n“ oder „In Büsum gibt’s einen Keuschheitsverein“. Rieche trug die Chansons nicht einfach vor, sie inszenierte gekonnt ihre Auftritte und bezog das Publikum in die amüsante Revue mit ein, das bei „Yes, Sir“ auch als Chor mitwirkte.

Nicht nur Andrea Rieche zog alle Register. Auch das Zusammenspiel mit den kongenialen Instrumentalisten konnte überzeugen.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik