Klimaschutz

Keine Großstadt im Revier nutzt mehr Sonnenkraft als Bottrop

DWT-Geschäftsführer Michael Weymann und seine Frau Ulrike, die bei DWT zuständig ist für Nachhaltigkeit, stellen die große Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Werkshalle vor.

DWT-Geschäftsführer Michael Weymann und seine Frau Ulrike, die bei DWT zuständig ist für Nachhaltigkeit, stellen die große Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Werkshalle vor.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Bei der Photovoltaik-Dichte liegt Bottrop ruhrgebietsweit vorn. Warum mit DWT die nächste Firma auf Sonne setzt. Stadt fördert private Anlagen.

In keiner anderen Großstadt im Ruhrgebiet wird aus Sonnenkraft so viel Strom produziert wie in Bottrop. Ende letzten Jahres gab es laut Bundesnetzagentur 919 Photovoltaikanlagen in Bottrop mit einer Nennleistung von 58.700 Kilowatt-Peak. Hinter diesem Maß steckt die maximale Leistung, die eine Anlage unter idealen Bedingungen liefern kann.

Umgerechnet auf die Einwohnerzahl entfallen fast 0,5 kWp auf jeden Bottroper. Einen solchen Wert erreicht keine andere kreisfreie Ruhrgebietskommune. Zum Vergleich: Dortmund auf Rang zwei kommt nur auf 0,21 kWp pro Einwohner.

Bezogen auf die Fläche der Stadt liegt Bottrop bei der Solarnutzung auch vorne

Zieht man als Vergleichsgröße die Stadtfläche heran, liegt Bottrop ebenfalls auf dem Spitzenrang. Mit rund 583 kWp pro Quadratkilometer liegt Bottrop vorne, gefolgt von Dortmund mit 432 und Mülheim an der Ruhr mit 262. In der Nachbarstadt Essen etwa liegt die Nennleistung bezogen auf die Stadtfläche bei gerade einmal 91 kWp.

Und nach wie vor entstehen in Bottrop neue Anlagen. Seit kurzem setzt auch das Unternehmen DWT aus der Boy auf eigenen Strom aus Sonnenkraft. Seit gut zwei Monaten liefert die Anlage auf dem Flachdach der Produktionshalle nun Strom. Angesichts des Wetters der vergangenen Wochen produziert sie derzeit sogar mehr Strom als im Vorfeld kalkuliert.

Neue Anlage bei DWT in Bottrop erzeugt derzeit mehr Strom als berechnet

Das zeigt sich gut beim Blick auf den Monitor, der in der Eingangshalle des Bürogebäudes hängt. Das Display zeigt im Wechsel an, wie viel Energie auf dem Dach aktuell erzeugt wird oder wie viel in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten produziert wurden. Da liegt die neue Anlage aktuell schon gut über dem Schnitt.

„Das wird sich im Laufe des Jahres sicher noch ausgleichen“, sagt Ulrike Weymann, die bei DWT verantwortlich ist für das Thema Nachhaltigkeit. Aus diesem Gedanken sei die Idee entstanden, so eine Anlage auf das Dach der Werkshalle zu setzen.

Investition in die Solaranlage rechnet sich nach sechseinhalb Jahren

DWT ist unter anderem spezialisiert auf den Vertrieb und Umbau von Druckluftwerkzeugen. In der eigenen Werkstatt finden vor allem Umbauten und Montagearbeiten statt, keine allzu energieintensive Produktion, wie Weymann erläutert. Zu den Kunden gehören weltweit Unternehmen aus der Gas- und Öl-Förderung, aber auch nahezu alle Automobilhersteller.

Rund 90.000 Euro hat DWT investiert, doch das rechne sich schon nach rund sechseinhalb Jahren, sagt Geschäftsführer Michael Weymann. 87.000 Kilowattstunden pro Jahr kann die Anlage produzieren, wobei auf dem Dach noch Platz für mehr gewesen wäre und auch das Dach des angrenzenden Bürogebäudes noch frei ist. „Doch ab 90.000 Kilowattstunden gilt man als Energieproduzent, das macht die Sache komplizierter“, sagt Weymann.

DWT ist nicht das erste Bottroper Unternehmen, dass auf die Sonne setzt

Rein rechnerisch reichten die erzeugten Kilowattstunden schon jetzt aus, um energieautark zu sein. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Rund die Hälfte des erzeugten Stroms verbraucht man vor Ort, der Rest wird ins Netz eingespeist. Denn selbstverständlich erzeugt die Anlage auch dann Strom, wenn ihn niemand abnimmt – nach Feierabend oder an den Wochenenden etwa.

Gerade für Unternehmen sei es lohnend, den eigenen Strom aus Sonnenkraft zu produzieren und zu nutzen, sagt Michael Weymann. Denn hier werde ja nun einmal tagsüber bei der Arbeit der Strom gebraucht, anders als möglicherweise in Privathaushalten, wo der Stromverbrauch eher am Nachmittag und in den Abendstunden steigt, wenn die Menschen wieder zu Hause sind. 13.000 Euro Stromkosten pro Jahr spart DWT durch die Anlage und vermeidet damit 60.000 kg CO2-Emissionen im Jahr. Anfang des Jahres hat mit Seybel und Weyer ein weiterer großer Bottroper Betrieb seine Solaranlage in Betrieb genommen und nutzt nun den selbst produzierten Strom.

Kunden fragen inzwischen konkret nach Nachhaltigkeit

Auf besondere Förderungen hat DWT bei der Installation verzichtet, denn die sind vor allem an einen Stromspeicher gekoppelt. Auf dessen Einbau hat das Unternehmen aber zunächst verzichtet. Michael Weymann. „Das hätte sich dann nicht mehr so gerechnet.“ Zumal es die Möglichkeit gebe, diese Technik nachzurüsten.

„Einige Kunden fragen inzwischen ganz konkret nach und wollen wissen, was wir in Sachen Nachhaltigkeit machen.“ Zusätzlich beteiligt sich das Bottroper Unternehmen an der Aktion Ökoprofit, hat in dem Rahmen unter anderem die Mülltrennung verbessert und ist auf Recyclingpapier umgestiegen.

Vor fünf Jahren von Essen nach Bottrop umgezogen

Vor fünf Jahren ist DWT aus Essen nach Bottrop in seinen neuen Firmensitz gezogen. Schon damals hätte man eine Photovoltaik-Anlage bauen können, doch diese zusätzliche Investition habe man zu der Zeit vermieden, sagt Michael Weymann. „Das sind Dinge, die sich Schritt für Schritt entwickeln.“ Am neuen Standort fühle man sich nach wie vor wohl. „Was die Erreichbarkeit für die Mitarbeiter angeht, ist es hier sogar besser als in Essen.“

Stadt Bottrop legt Förderprogramm für Solaranlagen auf

Der Erfolg der solaren Stromerzeugung erklärt sich sicher auch aus dem Innovation City-Projekt. Es wirbt seit gut zehn Jahren auch für den Ausbau auch der Photovoltaiktechnik und hat das Solarkastaster für Bottrop mit angestoßen, in dem das Potenzial für sämtlich Dächer in der Stadt aufgeführt sind.

Innovation-City-Geschäftsführer Burkhard Drescher sieht in den Zahlen zur Solarenergie eine Bestätigung für die Energiewende von untern. „Die Daten der Bundesnetzagentur zeigen, dass wir mit unserem Modell für den klimagerechten Stadtumbau erfolgreich sind“. Er spricht allen Akteuren vor Ort ein Lob aus. „Die Bottroper zeigen großes Interesse an erneuerbaren Energien und setzen Maßnahmen zur energetischen Modernisierung ihrer Gebäude vorbildlich um.“

Stadt Bottrop hat Fördertopf neu gefüllt

Zusätzlich hat die Stadt im vergangenen Jahr erstmals ein Förderprogramm aufgelegt, bei dem Privatleute einen Zuschuss für eine Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Dach erhalten. Die Nachfrage war enorm, der Topf wurde aufgefüllt und war kurz darauf schon wieder leer. Je nach Leistung der Anlage konnten Bauherren bis zu 1200 Euro erhalten.

In diesem Jahr hat die Stadt das Programm erneut aufgelegt. Wer eine Solaranlage aufs Dach baut, erhält pro Kilowatt-Peak 100 Euro im Jahr, maximal jedoch 600 Euro. Damit hat sich die Förderung 2020 allerdings halbiert. Im vergangenen Jahr gab es 200 Euro pro Peak, die Höhe des Zuschusses war gedeckelt auf 1200 Euro.

Weitere Informationen zur Förderung und zu den entsprechenden Anträgen gibt es im Internet unter: bottrop.de/solaroffensive

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben