Fridays for Future

Jugendliche in Bottrop kämpfen weiter für den Klimaschutz

Bei der ersten Demonstration im März waren hunderte Bottroper Schüler auf den Beinen.

Bei der ersten Demonstration im März waren hunderte Bottroper Schüler auf den Beinen.

Foto: Heinrich Jung

Bottrop.   Für Karfreitag ruft die Bottroper Gruppe von Fridays for Future erneut zur Demo. Auf Stadt und Ratsparteien sind sie nicht gut zu sprechen.

An Karfreitag wollen Jugendliche in Bottrop erneut auf die Straße gehen und für mehr Klimaschutz protestieren. Die Bottroper Gruppe Fridays for Future hat für den Tag eine Demonstration angemeldet. Die Auftaktkundgebung findet um 13 Uhr auf dem Berliner Platz statt, dann ziehen die Teilnehmer durch die Stadt.

Ihnen gehe es mit der neuerlichen Demo in Bottrop darum, den von Friday for Future zentral veröffentlichten Forderungskatalog zu untermauern, erläutert der Sprecher der Bottroper Gruppe, Sven Hermens. Darin fordern die Jugendlichen unter anderem die Abschaltung eines Viertels der deutschen Kohlekraftwerke bis Ende 2019. Die Bottroper Gruppe geht sogar noch ein Stück weiter, fordert den Ausstieg aus dem Kohlestrom spätestens 2025 und einen kostenlosen ÖPNV.

Geschäftsordnung des Rates lässt Diskussion nicht zu

Aber auch mit der Stadt geht die Bottroper Gruppe harsch ins Gericht, fordert eine Plattform, „auf der man uns zuhört“. Am liebsten wäre ihnen, eine Delegation könnte das Anliegen im Rat erläutern und dort diskutieren.

Das allerdings ist nicht möglich, eine entsprechende Absage hat ihnen der Oberbürgermeister bereits erteilt. „Die Geschäftsordnung sieht so etwas nicht vor, daran müssen wir uns halten“, erläutert Stadtsprecher Andreas Pläsken. In seiner Absage habe der OB den Jugendlichen nochmals versichert dass er den Einsatz für den Klimaschutz „ausdrücklich unterstützt.“

Jugendliche wünschen sich den Austausch mit Politik

Den Bottroper Initiatoren reicht das nicht, sie werfen dem OB in einem Facebook-Post „leere Worte“ und „Lippenbekenntnisse“ vor. Die Absage und der Verweis auf die Geschäftsordnung sei „eine ekelige Ausrede für den Unwillen, sich mit uns auseinanderzusetzen“. Gleichzeitig sei es ein Signal an hunderte Jugendliche, dass sich Politik nicht für sie interessiere. „Bottrop sollte sich schämen, sich noch als Innovation City zu bezeichnen und ernsthaft darüber nachdenken, diesem Titel endlich gerecht zu werden oder ihn eben abzutreten.“

Es gehe nicht darum, sich unbedingt in einer Ratssitzung austauschen zu wollen. Nur: Wenn der OB und die Parteien an einem Austausch interessiert wären, wäre es sicher nicht schwer eine angemessene Plattform zu finden. Ähnliche Vorwürfe erheben sie auch gegen den Bundestagsabgeordneten Michael Gerdes (SPD).

„Ein Schlag ins Gesicht“

Die Verwaltung hat in dem Zusammenhang auf die formal vorhandenen Plattformen wie die Bürgersprechstunde oder die Einwohnerfragestunde im Rat verwiesen. Auch auf das neue Format des Runden Tisches, das nun bei der Staubproblematik im Bottroper Süden zum Einsatz kommt, habe man hingewiesen, so der Stadtsprecher.

Diesen Verweis dagegen bezeichnet Fridays for Future lediglich als „frech“ und einen „Schlag ins Gesicht“, sähe doch die Fragestunde ausdrücklich vor, „das man keine eigene Meinung äußern darf.“ Linken-Ratsherr Niels Holger Schmidt hat beantragt, die Gruppe im Hauptausschuss zu hören.

Auflagen für die Demo am stillen Feiertag

Die Demonstration am Karfreitag ist mit strikten Auflagen verbunden, schließlich handelt es sich bei dem Tag um einen stillen Feiertag, an dem Tanz und öffentliche Aufführungen verboten sind. „Man darf demonstrieren, doch es sollte schon eher still zugehen“, erläutert Polizeisprecherin Ramona Hörst. Tanz oder Musik seien nicht erlaubt, wohl aber Sprechchöre, „was so einen Demonstrationscharakter ausmacht“.

Die Veranstalter sichern zu, sich an diese Auflagen zu halten. Ferner teilen sie mit: Die Demonstration finde außerhalb der gesetzlichen Kernzeit der Gottesdienste statt und der Umzug, der an zwei Kirchen vorbeiführt, ende auch rechtzeitig vor Beginn der Gottesdienste.

Veranstalter rechnen mit weniger Teilnehmern

Bei der ersten Demo vor einem Monat waren rund 500 Schüler dem Aufruf gefolgt und auf die Straße gegangen. Diesmal rechnen die Organisatoren mit weniger Teilnehmern. So seien etwa einige Jugendliche in den Ferien im Urlaub, außerdem sei die Mobilisierungszeit diesmal kürzer gewesen. Trotzdem wolle die Gruppe am Freitag auf die Straße gehen – wohlwissend, „dass von AfD und Klimawandelleugnern“ es dann so dargestellt werde, wonach ein Großteil der Teilnehmer der ersten Demo eben doch nur den Unterricht schwänzen wollten.

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