Im Chefsessel

Jens Weyer führt Bottroper Familienunternehmen

Jens Weyer kennt jeden seiner Mitarbeiter und ist immer wieder auch in der Produktionshalle unterwegs.

Foto: Thomas Gödde

Jens Weyer kennt jeden seiner Mitarbeiter und ist immer wieder auch in der Produktionshalle unterwegs. Foto: Thomas Gödde

Bottrop.   Vor zehn Jahren übernahm Jens Weyer mit Achim Heilmann die Geschäftsführung von Seibel & Weyer. Dabei schien diese Tür eigentlich schon zu zu sein.

Handwerkliches Geschick hat er überhaupt nicht. Das gibt Jens Weyer unumwunden zu. Dennoch ist er Geschäftsführer des Handwerksunternehmens Seibel und Weyer in der Weusterstraße. Gemeinsam mit Achim Heilmann führt er das Familienunternehmen, das bereits eine fast 50-jährige Tradition hat und sich auf Innenausbau, Laden- und Metallbau spezialisiert hat.

Lichtdurchflutet präsentiert sich das Büro des Chefs in dem neuen Gebäude, dass das Unternehmen erst vor etwa anderthalb Jahren bezogen hat und kurz sind die Wege in die Produktionshallen. „Die Atmosphäre ist familiär, wir arbeiten hier im Team und jeder duzt jeden, aber zwei Leute haben die Verantwortung und müssen Entscheidungen treffen“, erklärt Jens Weyer schmunzelnd. Dabei gelangte er eher über Umwege in den Chefsessel des Familienunternehmens, das zeitweise sogar gar nicht mehr in den Händen der Familie lag.

2002 war das Jahr der Entscheidung

Vater Manfred Weyer hatte die Firma gemeinsam mit Lothar Seibel 1968 in Gladbeck gegründet, 1981 ging’s nach Bottrop. „Klar, bin ich schon als Kind durch die Firma gelaufen und hab’ als Jugendlicher hier gejobbt“, erzählt der 41-Jährige. „Aber dabei stellte sich dann heraus, dass ich besser kein Werkzeug in die Hand nehme. Also war ich in den Ferien mehr als Aushilfsfahrer unterwegs.“ Natürlich hätte der Vater es gern gesehen, wenn er Tischler geworden wäre, „aber ich konnte es halt nicht.“ Überhaupt sei er nie gedrängt worden, in die Firma einzusteigen. Dennoch studierte Weyer nach dem Abitur Betriebswirtschaft in Münster.

2002, genau zum Ende des Studiums war dann die große Entscheidung fällig: Die beiden Firmengründer wollten sich aus dem Berufsleben verabschieden und die Firma entweder den Söhnen überlassen oder verkaufen. „Ich war jung, wollte die Welt sehen, hatte auch eine gewisse Angst vor der großen Aufgabe und entschied mich gegen den Einstieg in die Firma und für den in eine Unternehmensberatung in Berlin.“

Zurück ins Ruhrgebiet

Damit sei die Tür eigentlich zu gewesen, aber er habe diesen Schritt nie bereut. „Ich hatte eine spannende und abwechslungsreiche Aufgabe, arbeitete in Berlin und Boston und hab’ so viele Erfahrungen gesammelt, die ich nicht missen möchte“, so Weyer. 2007 war dann das Jahr des Nachdenkens und großer Entscheidungen: Denn das einstige Familienunternehmen, das unter dem neuen Besitzer sogar seinen Namen behalten hatte, stand wieder zum Verkauf.

„Und Achim Heilmann, damals schon Geschäftsführer, sprach mich an, ob wir das Unternehmen gemeinsam führen könnten“, so Weyer und räumt ein, dass es nicht leicht gewesen sei, wieder ins Ruhrgebiet zurückzugehen und sich auf eine Aufgabe einzulassen, die auf Jahrzehnte angelegt sei. „Aber ich habe bislang nie bereut, all das getan zu haben“, stellt Weyer fest. „Ich trete hier nicht einfach nur in die Fußstapfen meines Vaters, sondern bringe viele Erfahrungen aus Berlin und dem Ausland mit. Wenn ich morgens komme, weiß ich nie, wie der Tag letztlich verlaufen wird. Mein Arbeitsalltag ist rundum spannend und abwechslungsreich.“

Firma ist inzwischen international aufgestellt

Während früher vor allem im Vordergrund stand, Möbel in guter Qualität zu bauen, sei es heute zudem wichtig, mit großer Logistik mobil und schnell zu sein. „Wir arbeiten nicht nur deutschland- und europaweit, sondern auch international“, so Weyer. Mal werde ein Optikerladen für Indien, mal eine Bäckereiausstattung für Saudi-Arabien oder eine Wartelounge für den Flughafen in Boston gefertigt, auf den Weg gebracht und vor Ort montiert.

Sorgen über die Zukunft des Unternehmens macht Weyer sich nicht. „Aber man muss wachsam sein, Entwicklungen beobachten, immer neue Kunden suchen und den Weg der Digitalisierung in der Produktion mitgehen.“

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