Trinkhallen-Tour

Jazzer spielen in Bottrop im Kiosk "Puddingschnecke"

„Die Verwechslung“ machte auf ihrer Trinkhallentour jetzt Station in der Puddingschnecke. Gäste: Jan. F. Kurth (voc., r.) u. Klaus Wallmeier (perc.).

Foto: Heinrich Jung

„Die Verwechslung“ machte auf ihrer Trinkhallentour jetzt Station in der Puddingschnecke. Gäste: Jan. F. Kurth (voc., r.) u. Klaus Wallmeier (perc.). Foto: Heinrich Jung

Bottrop.  Die Jazzer von „Die Verwechslung“ machten auf ihrer Trinkhallen-Tour-Ruhr Station wieder einmal Station in Bottrops Puddingschnecke.

Es war das 1000. Konzert. Nun, nicht in der Puddingschnecke, auch nicht in dieser Besetzung, aber „Die Verwechslung“ sind in Sachen Jazz längst keine Jungspunde mehr - auch wenn man es ihnen natürlich nicht ansieht. Jetzt sorgten sie wieder einmal auf ihrer Trinkhallen-Tour-Ruhr für volles Haus im Kiosk, Essener Straße 70.

Neu-Besucher müssen sich einhören

Voll ist es eigentlich schon mit 30, 35 Leuten. Aber Platz ist ja bekanntlich in der kleinsten Hütte - und Jazzer und deren Freunde sind nicht so kleinlich, was Komfort angeht.

Annegret Domke, nimmermüde Inhaberin, im Grunde die Mutter der Puddingschnecke, hatte die Familie angeheuert. Kuchen gibt es, wie jedes Jahr, für jeden Besucher umsonst. Obwohl man im Grunde keine Stärkung braucht. Ein Stauder auf die Hand genügt. Denn die Jungs von der „Verwechslung“ hätten mit ihren Bassklarinetten sicherlich genug Energie, um das Programm auch auf zwei, drei Stunden auszudehnen. Neu-Besucher müssen sich erst einmal etwas einhören.

Denn der eher freie Impro-Jazz von Felix Fritsche, Lutz Streun und Florian Walter wirft seinen Charme und seine Strukturen nicht sofort plakativ unters Volk. Soundcollagen würde man vielleicht wissenschaftlich sagen. Aber schließlich soll die Stunde Spaß machen. Nicht zuletzt dafür hatte die Stamm-Crew ja auch Schlagzeuger Klaus Wallmeier und den Freiburger Sänger Jan F. Kurth angeheuert. Der summt, zischt, schleudert Vokalisen raus, was das Zeug hält. Per Mischpult verstärkt er sein Vibrato. Alle werfen sich die Bälle zu, wie es sich für diese kühne Mischung aus Jazz, Pop, Trash gehört. Einige wollen mitwippen. Ok, streckenweise ist das auch möglich. Ein älterer Herr muss erst einmal durchatmen. Ist ja doch gewöhnungsbedürftig, raunt er und muss mal an die frische Luft.

Sie wollen wieder kommen - versprochen!

Titel wie „Alte Liebe“ oder „Lehrer, was tust du?“ sind sprechender, als es die Musik erlaubt. Aber bei diesen offenen Formen kann jeder seine Gedanken kreisen lassen. So auch bei „Christian Lindner - schwarzweiß sieht jeder gut aus“. Ansonsten bleibt Politik draußen vor der Tür. Dank ans Publikum und die Puddingschnecke: Unter zwei Zugaben geht das nicht. Zum Glück gibt es nächstes Jahr wieder die „Verwechslung“ - Florian Walter hat es versprochen. Mehr Infos: trinkhallentour.ruhr

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik