Serie: Im Chefsessel

In der Freizeit faszinieren ihn Bergbau und BVB

Im Chefsessel: Christian Haarmann leitet seit 1998 die Volkshochschule Bottrop.

Foto: Thomas Gödde

Im Chefsessel: Christian Haarmann leitet seit 1998 die Volkshochschule Bottrop. Foto: Thomas Gödde

Bottrop.   Seit 1979 arbeitet Christian Haarmann an der Volkshochschule, die er seit 1998 auch leitet. Für ihn spiegeln sich dort auch alle gesellschaftlichen Veränderungen.

Sein Büro sieht mehr aus wie ein privates Arbeitszimmer denn eine städtische Dienststelle. Die Regale hinter seinem Schreibtisch sind voll gepackt mit Büchern und Papieren. Fotos und Plakate kleben an Regalbrettern. Papierstapel türmen sich auf dem Boden, Aktenberge auf seinem Schreibtisch, daneben zwei große Gläser mit Steinen aus der Bretagne. Die gelb-schwarze Dose verrät den glühenden BVB-Fan: Hier arbeitet und lebt Christian Haarmann, Direktor der Bottroper Volkshochschule. „Ich brauche so eine Umgebung“, sagt er. „Die inspiriert mich.“ Sein Büro im Kulturzentrum war früher Teil eines Klassenzimmers.

„Wenn man immer für Dritte tätig ist, muss man zwischendurch seinen Akku aufladen, um neue Ideen zu bekommen“, sagt Haarmann. Dabei helfe ihm auch Autogenes Training und das Laufen zweimal in der Woche. Bereits seit Februar 1979 arbeitet er bei der VHS, seit Februar 1998 ist er auch ihr Chef. Den Posten hatte er zuvor schon zwei Jahre kommissarisch inne.

„Ich habe die Wahl nie bereut“

Christian Haarmann, geboren in Hagen, kam 1979 frisch von der Uni. Nach dem Abitur 1972 hat er seinen Wehrdienst abgeleistet, danach in Bochum Sozialwissenschaften studiert und 1979 sein Diplom gemacht. Schon während des Studiums war er an der Fernuni seiner Heimatstadt Hagen beschäftigt. Bottrop lernte er bei einer Fortbildung für Sozialarbeiter kennen. Als die Stadt eine Stelle an der VHS ausschrieb, hat er sich beworben. Mit Blick auf die bevorstehende Familiengründung, er hat zwei Söhne, erschien ihm dies als beste Option.

„Und ich habe es nie bereut“, sagt der 63-Jährige im Rückblick. „Alle großen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen findet man hier wieder.“ Die jüngste wirkt bis heute nach: Der Zustrom der vielen Flüchtlinge hat der VHS einen ganz neuen Boom beschert und sie zeitweise an ihre Belastungsgrenze gebracht. Immer neue Deutsch- und Integrationskurse mussten organisiert werden.

Die Digitalisierung war die einschneidende Veränderung

Eine andere einschneidende Veränderung liegt schon länger zurück: die Digitalisierung. An die langen Schlangen an den Anmeldetagen können sich nur noch die älteren VHS-Hörer erinnern. Heute läuft die Anmeldung fast komplett online. „Das hat allerdings den Nachteil, dass das persönliche Gespräch entfällt“, bedauert der VHS-Chef.

So wie das Anmeldeverfahren hat sich auch das Angebot der VHS geändert. Statt mehrwöchiger Kurse gibt es mehr Wochenend- und Kompaktkurse. „Die Leute wollen sich nicht mehr so lange binden.“ Kurse, die 20 Jahren bestehen und immer noch die selben Teilnehmer und Leiter haben, sind so gut wie ausgestorben.

Für Kurse hat er keine Zeit mehr

Auch die Ansprüche der Hörer hätten sich verändert, beklagt Haarmann eine Art von „Pauschaltouristenmentalität“. Dabei ginge es weniger um Inhalte als um Äußerlichkeiten wie gepolsterte Stühle und temperierte Räume.

Als Kursleiter ist Christian Haarmann längst nicht mehr im Einsatz. „Dafür habe ich keine Zeit mehr“, bedauert er. Seine Aufgabe sei es, die Prozesse zu koordinieren zwischen Stadtverwaltung und VHS, die Finanzen im Auge zu behalten und Mittel für neue Angebote zu organisieren.

2019 feiert die VHS ihren 100. Geburtstag

In zwei Jahren feiert die VHS 100. Geburtstag. 1919 hat es die ersten Weiterbildungsangebote für die arbeitende Bevölkerung gegeben – VHS-Auftrag bis heute, stellt Haarmann fest. Wenn die VHS Jubiläum feiert, will Christian Haarmann allerdings nicht mehr im Chefsessel sitzen. Im Sommer 2018 möchte er mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen.

Für die Zeit „danach“ hat der Essener schon Pläne. Die Geschichte des Bergbaus interessiert ihn und wie der Bergbau das Bild der Stadt und der Gesellschaft verändert hat. Führungen, wären so seine Idee...

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