Weiterer Lockdown

In Bottroper Gastro-Betrieben herrscht Frustration

Trotz funktionierender Sicherheitskonzepte müssen Restaurants und Speiselokale schließen. Der Außer-Haus-Verkauf hilft den Gastronomen nicht weiter, heißt es.

Trotz funktionierender Sicherheitskonzepte müssen Restaurants und Speiselokale schließen. Der Außer-Haus-Verkauf hilft den Gastronomen nicht weiter, heißt es.

Foto: Franz Naskrent / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Gastronomen in Bottrop sind enttäuscht. Ebenso die Leitung von Museum und Revierpark. Noch vor dem Lockdown machen Sportanlagen und Bäder zu.

Von großer Frustration unter den Gastwirten und Hoteliers berichtet Tina Große-Wilde. „Für uns herrscht quasi ein Berufsverbot“, sagte die Sprecherin des Hotel- und Gaststättenverbandes als Reaktion auf die anstehenden kräftigen Einschränkungen ab dem kommenden Montag.

Die Restaurants und Speiselokale müssten erneut schließen, obwohl von ihnen keine Gefahr ausgehe. Die Inhaber und ihre Mitarbeiter hätten alle erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen und dafür viel Geld investiert. Der Anstieg der Infektionszahlen sei schlimm. „Es liegt aber nicht an uns.“

Außer-Haus-Verkauf: Tropfen auf den heißen Stein

Es sei noch nicht geklärt, welche Lokale und Hotels zu welchen Bedingungen Hilfe erhalten sollen. Schon beim ersten Lockdown seien ja Betriebe auch leer ausgegangen. „Die Einnahmen durch die Möglichkeit, Speisen auszuliefern oder abholen zu lassen, sind doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, bedauert die Restaurantinhaberin.

Neben einem echten finanziellen Ausgleich fordern die Gastronomen daher vor allem auch mehr Zukunftssicherheit ein. „Wie soll es denn nach dem November weiter gehen. Was ist der Plan?, fragt Tina Große-Wilde. Sie müsse jetzt viele Termine absagen. „Meine Gäste fragen dann: Sollen wir das auf Dezember verlegen? Ich muss dann aber sagen: Ich weiß es nicht, ich kann Ihnen das nicht sagen“.

Die Stadt Bottrop wird im Vorgriff auf die neue Corona-Schutzverordnung bereits ab Freitag alle städtischen Sportanlagen und die Hallenbäder schließen. Das hat Krisenstabsleiter Paul Ketzer verfügt. Ausnahmen wird es nur für den Schulsport geben, sagt Jürgen Heidtmann, Leiter des Sport- und Bäderbetriebes.

Schulen dürfen Sportanlagen noch nutzen

Der Lockdown für die Sportanlagen gilt für die Laufzeit der Schutzverordnung bis zum 30. November, sagt Heidtmann. Damit wird Amateursport auf städtischen Anlagen im November in Bottrop nicht stattfinden. Die Schulen dagegen dürfen die Anlagen für den Schulsport nutzen, sofern sie ihn durchführen wollen. „Die Schulen sollen den Sport vornehmlich draußen stattfinden lassen“, sagt Heidtmann. „Da richten wir uns bei der Bereitstellung von Plätzen oder Hallen nach den Vorgaben der Schulen.“

Die Dieter-Renz-Halle wird für den Sport noch länger nicht zur Verfügung stehen. Sie wird wie im Frühjahr Versammlungsstätte unter anderem für die politischen Gremien der Stadt. Der Sport- und Bäderbetrieb hat am Donnerstag alle Vereine und andere Nutzer von Sportstätten über die Schließungen informiert. Heidtmann ermuntert alle Sporttreibenden, individuelle Bewegungsformen an der frischen Luft, in den eigenen vier Wänden oder etwa im virtuellen Raum zu nutzen. Gerade die Sportvereine können hier wertvolle Impulse an ihre Mitglieder weitergeben.“

Obwohl die Landesverordnung am Donnerstag noch auf sich warten lässt, geht Museumsdirektor Heinz Liesbrock davon aus, dass er das Josef-Albers-Museum Quadrat ab dem kommenden Montag schließen muss. Die Enttäuschung ist groß, denn „das ist nicht zielführend und übertrieben“, wie er angesichts eines ausgefeilten Sicherheitskonzeptes sagt, das sich in den vergangenen Wochen „gut eingespielt“ habe. Seit dem ersten Lockdown hat das Museum etwa die Hälfte seiner Besucher verloren und war gerade dabei, wieder etwas aufzuholen.

Movie Park kündigt das Saisonende an

Die Freizeitparks sind ebenfalls von der avisierten Schließung betroffen. Der Movie Park hat bereits sein Saisonende zum 1. November verkündet, will die teils ausverkauften Halloween-Veranstaltungen am Wochenende aber noch stattfinden lassen. Im Revierpark Vonderort stellt man sich ebenfalls auf die zunächst einmonatige Zwangspause ab dem 2. November ein, allerdings auch hier unter der Enttäuschung, dass „über die Köpfe hinweg entschieden“ worden sei, wie Sascha Konopka (Fachbereich Bäder und Sauna) sagt. Auch er verweist auf das funktionierende Hygienekonzept, das von den Besuchern eingehalten werde. „Es gibt keinen bekannten Fall einer Infektion in unserem Park.“

Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der zuständigen IHK Nord Westfalen, hält die geplanten Beschränkungen grundsätzlich für richtig. Die Kammer wird ihre Finanzierungs-Hotline wegen der jetzt anstehenden Entschädigungsfragen wieder aktivieren, ebenfalls die Hotline „Ausbildungsbetriebe“. Auch der Prüfungsbetrieb werde aufrechterhalten.

Kundenfrequenz in der Innenstadt sinkt

Michael Radau, Präsident des Handelsverbands NRW, rechnet nach den neuerlichen Einschränkungen für die Gastronomie damit, dass 20 bis 25 Prozent der Gastro-Betriebe bis zum Jahresende nicht überleben werden. Das Herunterfahren ihrer Aktivitäten, auch die der Kulturbetriebe, bedeute zudem eine deutliche Senkung der Kundenfrequenz in der Innenstadt.

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