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In Bottrop sind die Gewerbeflächen ausverkauft

Juniorchef Tim Kolanowski in den Produktionshallen des Unternehmens.

Juniorchef Tim Kolanowski in den Produktionshallen des Unternehmens.

Foto: Heinrich Jung

Bottrop.   Nun zieht Doga Steuerungstechnik mit 40 Arbeitsplätzen nach Gladbeck. Das Unternehmen braucht mehr Platz. Den hat Bottrop nicht zu bieten.

Ausverkauft! Das meldet die Bottroper Wirtschaftsförderung. Was für manchen Händler ein angenehmer Umstand ist, trifft eine Wirtschaftsförderung hart. Denn sie kann nachfragenden Unternehmen keine Gewerbeflächen mehr anbieten, mit der Folge, dass sie sich andernorts ansiedeln oder sogar, dass sie die Stadt verlassen, weil sie hier nicht mehr wachsen können. So wie jetzt die Firma Doga Steuerungstechnik.

Das Unternehmen entwickelt und baut Maschinen zur Automatisierung von Produktionsabläufen. Die Kunden kommen unter anderem aus der Automobilindustrie. Ein wachsender Markt, dem das Unternehmen folgt und sich mit seinen 40 Arbeitsplätzen jetzt vergrößern muss.

8000 Quadratmeter in Gladbeck ins Auge gefasst

In Bottrop funktioniert das nicht, weshalb die Firma demnächst nach Gladbeck zieht. In der Nachbarstadt kann sie ein 8000 Quadratmeter großes Grundstück kaufen. „Wir erleben gerade einen Boom. Den wollen wir mitnehmen“, sagt Geschäftsführer André Kolanowski.

So hat die Doga Steuerungstechnik unter anderem eine Maschine entwickelt zur Produktion des Antriebs von automatischen Heckklappen. Ein Extra, das in immer mehr Fahrzeugen eingebaut wird. Entsprechend steigt bei den Automobilzulieferern die Nachfrage nach solchen Maschinen.

Fläche soll verdoppelt werden

200 Quadratmeter Bürofläche und 650 Quadratmeter Produktionsfläche besitzt die Doga aktuell an der Weusterstraße in der Boy. Angestrebt ist mindestens eine Verdoppelung. Darüber hätten Kolanowski und sein Partner lange mit der Stadt gesprochen.

„Die Wirtschaftsförderung und auch der Oberbürgermeister persönlich waren sehr engagiert. Aber es gab nichts Passendes“, resümiert Kolanowski. Interessant seien lediglich Flächen im geplanten Gewerbegebiet an der Brandenheide in Grafenwald gewesen. Doch das ist noch nicht erschlossen. „Das Problem ist, dass wir zeitnah etwas brauchen.“

Kurz hinter der Grenze zu Grafenwald

Nun ist der mittelständische Betrieb in Gladbeck fündig geworden, kurz hinter der Grenze zu Grafenwald. „Es ist mir fast peinlich, das Engagement der Stadt Bottrop so zu bestrafen, aber ich muss an meine Firma denken“, sagt der Unternehmer, der „ein überzeugter Bottroper“ ist.

Sabine Wissmann, Leiterin der Wirtschaftsförderung, ist selbstverständlich nicht glücklich über die Entscheidung, kann sie aber nachvollziehen. Denn die Stadt habe keine eigenen Flächen mehr, die sie kurzfristig abgeben könnte. Man habe noch versucht, andere Immobilien zu vermitteln, doch die hätten teils aufwändig und für viel Geld umgebaut werden müssen.

Nur noch Grundstücke am Lamperfeld

Kurzfristig verfügbar sind lediglich Flächen am Lamperfeld. Doch dort gibt es Einschränkungen. Produzierende Unternehmen werden aus Lärmschutzgründen nicht zugelassen. Hinzu kommen Einschränkungen für den Lieferverkehr. „Wir sind in keiner Weise so weit wie die Kollegen in den Nachbarstädten, die Flächen vorhalten und dann schnell reagieren können“, sagt Sabine Wissmann.

Sie hofft, ab 2018 die Brandenheide vermarkten zu können. Dazu sei aber eine entsprechende Baustraße nötig. Hinzu kämen langfristig Bergbauflächen. Zumindest eine Perspektive, auf die man hinarbeiten könne. „Das ist allerdings sehr weit auf die Zukunft gerichtet.“ Wenn es darum gehe, den ansässigen Unternehmen Flächen anbieten zu können, müsse man im Zweifel darüber nachdenken, sie zu kaufen und dann weiter zu verkaufen. Aber das zu entscheiden sei Sache der Politik.

CDU: Stadt soll Flächen kaufen und vorhalten

Die CDU fordert das schon lange. Fraktionschef Hermann Hirschfelder, selbst Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaftsförderung, sieht in dem Fall Doga Steuerungstechnik ein Beispiel dafür, „wie dringend es ist und dass da Gesprächsbedarf besteht“. Zumindest gebe es in Kirchhellen und Feldhausen Flächen, über die gerade verhandelt werde. Zumal nicht absehbar sei, „wann wir die Zechenbrachen kriegen“.

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