Im Chefsessel

Hilfe für Menschen war immer ihr Ziel

Als Chefin kümmert sich Anette Schöps unter anderem um die

Foto: Olaf Fuhrmann

Als Chefin kümmert sich Anette Schöps unter anderem um die Foto: Olaf Fuhrmann

Bottrop.   Nach der Geburt ihres Sohnes wechselte die gelernte Krankenschwester Anette Schöps vom Schichtdienst des Krankenhauses in die Pflegebranche.

Sie wusste schon immer, was sie wollte. Und sogar im Abschlussalbum der 4. Klasse ist ihr Traumberuf bis heute dokumentiert: „Ich wollte Krankenschwester werden, so lange ich denken kann“, erzählt Anette Schöps lachend. Das ist sie auch geworden. Doch seit nunmehr zehn Jahren leitet die 51-Jährige den Ambulanten Pflegedienst „Altenpflege mit Herz“ in Kirchhellen.

Anfängliche Skepsis

Dass Altenpflege eine große Aufgabe und Herausforderung zugleich ist, ist vielen Menschen inzwischen bewusst. „Aber dennoch fehlt dem Pflegeberuf Anerkennung und Lobby“, bedauert Anette Schöps. Während immer mehr Menschen immer älter und damit irgendwann auch pflegebedürftig werden und Pflege zunehmend zu Hause stattfindet, gebe es andererseits immer weniger Fachpersonal und interessierte Jugendliche, die eine Ausbildung zur Pflegekraft machen möchten.

„Ich selbst war ja auch zunächst skeptisch, ob mir der Wechsel in die Altenpflege gefällt“, gibt die Kirchhellenerin zu. „Aber als Mutter eines dreijährigen Sohnes wäre eine Rückkehr in den Schichtdienst im Krankenhaus unmöglich gewesen. Eine Alternative musste her.“ Doch: Bereut habe sie den Schritt in die Altenpflege nie.

Freude an der Arbeit mit Menschen

Die Freude an der Arbeit mit Menschen und ihr Interesse an der Medizin seien einst die Gründe gewesen, Krankenschwester zu werden. „Ich hab schon als 14-Jährige Sonntagsdienste auf der Kinderstation im Marienhospital gemacht“, erzählt Anette Schöps von ihren ersten Schritten im Beruf. „Das Leid der Kleinen ging mir zu nahe, aber der Berufswunsch blieb.“ Nach dem Abschluss an der Marie Curie Realschule musste Anette Schöps aber erstmal noch warten, „denn ich war noch nicht 18 und damit zu jung für die Ausbildung zur Krankenschwester.“

Also drückte sie die Schulbank der Berufsfachschule für Hauswirtschaft und Ernährung und machte ein Praktikum bei der Awo, bis die Ausbildung am Knappschaftskrankenhaus endlich beginnen konnte. „Mich faszinierte vor allem die Arbeit in der Inneren Medizin, denn dorthin kamen alle ungeklärten Fälle — sehr anspruchsvoll und spannend.“ Nach der Ausbildung ging’s weiter mit Arbeit auf der Intensivstation im Knappschaftskrankenhaus, in einer kardiologischen Praxis und schließlich in der Kardiologischen Überwachung im Marienhospital.

Ausbildung zur Pflegedienstleitung

So sehr Anette Schöps ihren Beruf liebte, nach der Geburt ihres Sohnes wollte sie doch nicht zurück in den Schichtdienst der Klinik. „Ich wollte für mein Kind da sein und suchte eine neue Aufgabe.“ Die fand sie bei Barbara Schneyer, die damals die „Altenpflege mit Herz“ in Kirchhellen leitete. „Ich war zunächst sehr skeptisch, denn mir schien die medizinische Herausforderung zu fehlen“, erinnert sich Anette Schöps schmunzelnd. Von wegen: Sogleich wurde sie ins kalte Wasser geschmissen, war als Schwester unterwegs und machte parallel ihre Ausbildung zur Pflegedienstleitung. „Vor allem aber entdeckte ich, wie schön es ist, sich um die alten Menschen zu kümmern und sich mit ihnen zu unterhalten. Ich höre so gerne zu und mich fasziniert, was sie zu berichten haben.“

Fünf Jahre später übernahm Anette Schöps dann selbst die Leitung des Ambulanten Pflegedienstes. Die Zahl ihrer Mitarbeiter hat sich seither auf 38 vervierfacht. Nicht nur Pflegekräfte sondern auch Haushaltshilfen gehören zu den Mitarbeitern, die im Früh- und Spätdienst von 6 bis 21 Uhr im Einsatz sind. „Die Nachfrage steigt ständig“, erklärt Anette Schöps.

Arbeitsalltag ist durchgeplant

Rund 190 Patienten in Kirchhellen, Bottrop und Gladbeck versorgt ihr Team. „Der Arbeitsalltag ist natürlich durchgeplant, trotzdem kommt immer alles anders“, meint Schöps. „Wenn es jemandem nicht gut geht, bleiben wir natürlich beim Patienten, benachrichtigen Arzt und Angehörige. Und auch der Verkehr bremst uns immer wieder aus.“ Leider hätten jedoch nicht alle Patienten Verständnis, wenn sich der Pflegedienst dann bei ihnen verspätet.

Als Chefin verbringt Anette Schöps viel Zeit im Büro, kümmert sich beispielsweise um Pflegegutachten, Neuaufnahmen, Verteilung von Medikamenten in Tablettenboxen, Pflegevisiten und die inzwischen sehr umfangreiche Dokumentationsarbeit. Auch Fort- und Weiterbildungen der Mitarbeiter müssen organisiert werden, „denn die Anforderungen steigen und man muss ständig am Ball bleiben“.

Abschied fällt schwer

Und klar: Mitunter ist der Alltag hart und Patienten sterben. „Wenn man sie jahrelang betreut hat, fällt auch uns der Abschied schwer und wir schütteln das nicht einfach ab. Es ist wichtig, dass das Team dann da ist und wir einander auffangen“, erklärt Anette Schöps.

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