Wolfsgebiet

Halter sind sicher: Zwei Wölfe reißen ein Pony in Ekel

Das überlebende Pony schläft ab sofort nachts im Stall. 

Das überlebende Pony schläft ab sofort nachts im Stall. 

Foto: Eckhard Vornbrock

Kirchhellen.  Wölfin „Gloria“ und ihr neuer Lebensgefährte könnten ein Shetlandpony gerissen haben. Ich habe zwei Augenpaare gesehen, versichert ein Zeuge.

Am Sonntagabend ist auf einer Weide in Ekel ein Shetlandpony mit zwei Kehlbissen getötet worden. Es waren zwei Wölfe, versichert der Mann der Ponyhalterin: „Ich habe zwei Augenpaare gesehen.“ Damit könnten Wölfin „Gloria“ und ihr neuer Lebensgefährte erstmals gemeinsam im Dorf zugeschlagen haben.

Der Ehemann der Pferdehalterin war Sonntag gegen 22.45 Uhr aufgeschreckt worden, weil es eines der Ponys erschreckt gewiehert habe. Mit einer starken Stabtaschenlampe, deren Strahl bis zu 300 Meter weit reicht, hatte er aus dem Schlafzimmerfenster auf die Weide geleuchtet und zwei orangefarbene Augenpaare gesehen. Er ist ganz sicher: Es waren zwei Tiere, und es waren Wölfe: „Für mich und den Tierarzt waren es Wölfe.“

Zwei Augenpaare mit 20 Metern Abstand

„Ein Augenpaar befand sich direkt neben dem getötetem Pony, das andere Augenpaar seitlich um 20 Meter versetzt dahinter“, berichtet er. Aufgeschreckt durch den starken Lichtstrahl, hätten sich die Tiere zur Flucht gewendet. „Beide Wölfe liefen Richtung Wald, hielten in einer Entfernung von 200 Metern nochmals inne, um dann über ein abgeerntetes Maisfeld weiter in den Wald zu flüchten.“

Die Halter alarmierten die Polizei und den Tierarzt. Der konnte nur noch feststellen: Das 26 Jahre alte Pony ist durch zwei Kehlbisse getötet worden. Die Wölfe hatten den Kadaver offensichtlich unter dem 80 bis 120 Zentimeter hohen Weidezaun hergezogen, der mit Elektrolitzen und teilweise mit Stacheldraht versehen war. Das zweite Pony auf der Weide blieb unverletzt.

Spurensicherung

Am Montag hat Wolfsberater Niels Ribbrock auf der Weide Spuren gesichert. Das Material wird jetzt in Senckenberg-Institut auf DNA-Beweise untersucht: Ob tatsächlich Wölfe das Pony gerissen haben - und ob sich Spuren von Wölfin Gloria (GW954f) und ihrem neuen Lebenspartner mit der Kennung GW1587m finden lassen. Den mutmaßliche Halbbruder von Gloria aus dem Rudel Schneverdingen in Niedersachsen hatten die DNA-Experten erstmals im April entdeckt und in den folgenden Monaten anhand mehrerer Losungsfunden identifiziert. Nachdem sie dem männlichen Wolf einen Riss von zwei Hirschkälbern im Juli nachgewiesen haben, betrachten die Experten des Landesumweltamtes (Lanuv)„nach bundesweit abgestimmte Monitoringstandards“ zwei Wölfe als „dauerhaft“ angesiedelt im Wolfsgebiet Schermbeck.

Abschuss gefordert

Nachdem das Lanuv mitgeteilt hatte, im August seien zehn Übergriffe von Wölfin „Gloria“ auf Weidetiere im Wolfsgebiet Schermbeck nachgewiesen, hatte der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) den Abschuss von Gloria gefordert. „Die ungebremste Ausbreitung der Wölfe in NRW ist für die Weidetierhalter – allen voran mit Rindern und Pferden – verheerend. Schutzmaßnahmen, etwa durch das Einzäunen von Weideflächen, sind weder bezahlbar noch wirkungsvoll, weil sie von den Wölfen regelmäßig überwunden werden“, hatte WLV-Präsident Hubertus Beringmeier bereits Mitte August gesagt: Bei Rindern und Pferden sei eine Einzäunung gegen den Wolf „schlicht nicht durchführbar“. Für seine Forderung ist der WLV von Bottroper Naturschützern kritisiert worden.

Die Ponyhalter sind dabei eindeutig auf der Seite des Bauernpräsidenten: „Immer hat das Lanuv erzählt, das unsere Wölfe keine Pferde oder Kühe angreifen. Das stimmt einfach nicht. Mein Nachbar hat vor einiger Zeit seine Ponys mit einem 1,50 Meter hohen Zaun neu eingezäunt. Aber selbst das wird nicht reichen, wenn ich an die Risse in den Damwildgattern in den letzten zwei Jahren denke. Ich werde ab heute mein übrig gebliebenes Pony nachts in den Stall sperren.“

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