Kirchenschließung

Glaube ist mehr als ein Gebäude

Reste aus den Kellerräumen landen im Container.

Reste aus den Kellerräumen landen im Container.

Foto: WAZ FotoPool

Bottrop.   Mitglieder der ehemaligen Gemeinde St. Barbara räumen die Kirche aus. Hier baut demnächst die Diakonie ein Wohnungen für behinderte Menschen. Die letzten Reste aus Kellern und Schränken wandern in den Container. Doch ein Großteil des Inventars wird in Kirchen in ganz Europa weiter genutzt. Der Altar steht gar in Bottrop.

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Kerzenleuchter! Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viele Kerzenleuchter es in einer Kirche gibt. Kistenweise tragen die Helfer die Leuchter aus der Barbarakirche. Darunter zahlreiche nicht mehr so schön anzusehende Leuchter aus Holz. Dafür gab es nun wirklich keine Verwendung mehr, sie wandern in den großen Container vor dem Eingang der Sakristei. Das gleiche gilt für die alten Tische, die zum Teil seit Jahren im Keller der Kirche stehen.

Gut zehn Leute packen mit an, wuchten die Gegenstände aus Kellern und Winkeln, um die Kirche möglichst leer der Diakonie zu übergeben. Die hat das Gebäude am Unterberg gekauft und wird es abreißen, um dort Wohnungen für Behinderte zu bauen (die WAZ berichtete).

Der eigentliche Kirchenraum – leer. Der Altarraum – leer. Vieles wurde schon abgeholt, wird in anderen Gemeinden in ganz Europa, aber auch in Bottrop weiter für den Gottesdienst verwendet. Was jetzt noch übrig ist, schaffen die Helfer raus. Der Verein Barbaraheim Lehm­kuhle, der sich den Erhalt des ehemaligen Pfarrheims der Gemeinde auf die Fahne geschrieben hat, hat die Ausräumaktion organisiert.

Die Stimmung ist gelöst. Klar – begeistert ist niemand darüber, dass die Kirche abgerissen werden soll. Trotzdem, der ein oder andere Helfer sieht die Aufgabe an diesem Samstagmorgen als eine Art „letzten Dienst“ an der Gemeinde. Andere wiederum stellen klar, „dass der Raum an sich nicht das Entscheidende ist“, so Eberhard Lang. Seit 1977 lebt er schon in der Gemeinde, hat sich hier engagiert, war über viele Jahre Mitglied des Pfarrgemeinderates in. „Die Kirche ist schließlich kein Gebäude, sondern die Gemeinschaft der Gläubigen.“

Abschied von der Kirche

Insofern habe die Stilllegung des Gebäudes zunächst einmal nichts mit dem Glauben zu tun. Aber er weiß natürlich auch, dass die Gemeinschaft, die hier rund um die Barbara­kirche über viele Jahre gewachsen war, nicht mehr ganz so groß ist. Einige Gläubige besuchen seither die Herz-Jesu-Kirche, andere zieht es nach Suitbert in Vonderort, aber auch nach St. Cyriakus, St. Elisabeth oder St. Josef. „Es gibt natürlich auch Menschen, die gehen seit der Schließung von St. Barbara nicht mehr in die Kirche.“ Dann vergleicht Lang die Zahl der Gemeindemitglieder: „Zur Gründung lebten hier 3600 Katholiken, die Zahl hatte sich zum Schluss auf rund 1800 fast halbiert.“

Trotzdem, in der Nachbarschaft ist das Interesse an der Kirche groß. Das fällt auch während der Ausräumarbeiten auf. Viele Passanten bleiben stehen, beobachten die Helfer und fragen nach, wann die Kirche abgerissen wird. Der achtjährige Konstantin kommt mit seiner Großmutter vorbei. Er will sich von der Kirche verabschieden. Zwar lebt er eigentlich in Bad Salzuflen, zu St. Barbara hat er trotzdem eine ganz besondere Beziehung. Hier wurde er getauft. Mit großen Augen streift er durch das fast leere Gebäude.

Derweil sind die Helfer auf der Orgelbühne angelangt. Ein wackeliger Notenschrank und zahlreiche Stühle haben hier die ersten Ausräumarbeiten überstanden. Auf sie wartet jetzt nur noch der 20-Kubikmeter-Container, der sich Stück um Stück füllt – noch bevor Kirche, Keller und Nebenräume endgültig leer sind. Spannend wird es dann in den Tiefen eines Schrankes in der Sakristei. Handschuhe in Massen – meist einzeln, selten Paare – dazu Brillengestelle, die jetzt langsam wieder in Mode kommen. Hier hat der Küster wohl die Fundgegenstände gehortet. Was jahrelang niemand vermisst und abgeholt hat, verschwindet nun endgültig.

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