Kirchenumbau

Gläubige beklagen mangelnde Transparenz bei Umbauplänen

!973 wurde die heutige Johanneskirche erbaut. Sie ersetzte den alten neugotischen Bau, dem Krieg und Bergschäden stark zugesetzt hatten.

!973 wurde die heutige Johanneskirche erbaut. Sie ersetzte den alten neugotischen Bau, dem Krieg und Bergschäden stark zugesetzt hatten.

Foto: Birgit Schweizer

Bottrop.  In einem offenen Brief an den Bischof beklagen Gläubige aus St. Johannes die Umbaupläne des Kirchenraums und die Absage an ein Gemeindezentrum.

Wieder stoßen Pläne kirchlicher Gremien und einer Pfarreileitung auf Widerstand - zumindest bei einem nicht unerheblichen Teil der Katholiken in der Boy. Dabei geht es dieses Mal gar nicht um den „Pfarreientwicklungsprozess“ (PEP) insgesamt - der kürzlich präsentiert und vom Bischof von Essen bestätigt wurde. Es geht um den geplanten Umbau der Johannes-Kirche. Die soll nach Vorstellungen der Gemeindeleitung und des Bistums nun räumlich aufgeteilt werden, um so Ersatzräume für das längst verkaufte Schutzengelhaus zu schaffen. Wohlgemerkt: Diese Pläne sind relativ neu - und vor zwei Jahren las sich alles noch anders. Damals plante man auf dem von 11 000 durch Verkauf auf 5000 Quadratmeter verkleinerten Kirchengelände nach dem Bau der neuen Kita (eröffnet 2016) auch ein kleineres, heutigen Bedürfnissen angepasstes Gemeindehaus zu bauen.

Über 500 Unterschriften gesammelt

Jetzt entschlossen sich engagierte Gemeindemitglieder, auf den ihrer Ansicht nach intransparenten Vorgang und die Entscheidung für eine unter dem Strich teurere Lösung, in einem offenen Brief an den Bischof und Verantwortungsträger der Pfarre aufmerksam zu machen. Der Brief, der auch der WAZ vorliegt, bekommt durch eine Unterschriftenliste, die direkt an Bischof Franz-Josef Overbeck nach Essen ging, noch einmal eine größere Fallhöhe: Über 500 Pfarrangehörige haben sich bislang an dieser Aktion beteiligt.

Es sind keine Querulanten oder notorische Nörgler, die das Vorgehen beklagen. Hubertus Dohrenbusch oder das Ehepaar Thea und Reinhold Wahlers sind eingesessene Boyer, die oft sogar über viele Jahrzehnte in unterschiedlichen Gemeindegremien tätig waren oder - bis jetzt - noch sind. Mit Achim Kubiak kommt ein Ur-Boyer hinzu, der sich auch für andere Belange „seines“ Ortsteils eingesetzt hat und auch „aus Überzeugung nie aus der Kirche austreten“ wollte.

Was also treibt die praktizierenden Katholiken an? „Uns geht es darum, auf einen zu beobachtenden Kahlschlag aufmerksam zu machen, den Umbau Bottrops einziger nachkonziliaren Kirche zu verhindern, die ein stimmiges und auf die Liturgiereform hin ausgerichtetes Bauwerk ist, dessen Konzept zerstört würde“, so Thea Wahlers.

Das Schlimmste aber sei, dass diese Pläne im Grunde ohne eine breite Diskussion in der Johannes-Gemeinde „durchgeboxt“ würden. Menschen, die einmal anderer Meinung waren, erschienen plötzlich wie mundtot, vor allem dann, wenn sie bei der Kirche angestellt sind oder in deren Immobilien wohnen. Alternativpläne seien einer breiteren Gemeindeöffentlichkeit aber nie vorgestellt worden. So sieht es jedenfalls Achim Kubiak, der selbst in und mit St. Johannes aufgewachsen ist und bis heute in der Boy lebt.

Hoffen auf Neustart des Prozesses

Die Veränderung der 1973 anstelle der baufälligen neugotischen Vorgängerin erbauten Kirche schlüge nicht nur mit etwa 1,3 Millionen Euro zu Buche. Dazu würde der Raum fast unerträglich verkleinert - man rechne wohl nur noch mit Kleinstgemeinden, so Hubertus Dohrenbusch. Und dabei befinde sich St. Johannes nach der jüngsten Bistumsstatistik auf Platz 46 der gut 360 Gottesdienstorte.

Die Akustik, auf die die neue Orgel 2003 ausgerichtet worden sei (Kosten damals: 275 000 Euro) änderte sich so stark, dass Gerd-Heinz Stevens, künstlerischer Leiter Festival „Orgel Plus“, Bedenken äußerte. Und auch Herbert Fendrich, Kunstsachverständiger im Bistum, sprach bei einem Treffen mit den Entscheidern im April von „der Beeinträchtigung eines herausragenden Kirchenraums mit hohen ästhetischen und liturgischen Qualitäten“.

Der ursprünglich vorgesehene Gemeindesaal wäre dagegen schon für 800 0000 Euro zu bekommen“, so Reinhold Wahlers. Aber: Dann gäbe es wohl nicht die 500 000 Euro aus einem Kirchenumbaufonds des Bistums. Also: „Die teurere Variante wird auch nur mit Kirchengeld bezahlt - und dabei noch ein Kirchenraum zerstört.“

Die Interessengemeinschaft für den Erhalt des Kirchenraums hofft auf „einen Neustart des Umbauprozesses unter Einbeziehung möglicher Alternativen und auf breiter Gemeindebasis“.

Das sagt der Kirchenvorstand

Für den Kirchenvorstand der Joseph-Pfarre war Franz-Josef Wiechers für die WAZ zu erreichen. Er gehört zum Bezirk von St. Johannes und war ebenfalls Empfänger des offenen Briefes der Interessengemeinschaft zum Erhalt des Kirchenraumes von St. Johannes.

Gesprächsfaden wieder aufnehmen

„Wir als Kirchenvorstand wollen auf jeden Fall den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen oder - wo er nicht mehr existiert - wieder anknüpfen“, so Wiechers. Eine Spaltung in der Gemeinde müsse auf jeden Fall vermieden werden. Die Gremien wie Kirchenvorstand aber auch Pfarrgemeinderat beraten nun intern und wollen sich dann mit den Vertretern der Initiative treffen. Der Bauantrag, aber auch der Antrag auf Teilprofanierung der Kirche sei aber bereits herausgegangen. Eine Teilprofanierung muss erfolgen, da wesentliche Teile der Kirche nach erfolgtem Umbau nicht mehr nur gottesdienstlich genutzt werden.

Man habe bereits den Orgelbauer von damals eingeschaltet, der auch nach dem Umbau keine Beeinträchtigung für das Instrument sehe, sagt Wiechers. Auch der damalige Architekt Schilling habe sich für einen Innenumbau zu Gunsten des Erhalts der äußeren Sechseckform ausgesprochen. Laut Kirchenvorstand liegen die Folgekosten bei der Umbaulösung niedriger, zudem müssten keine Rücklagen für ein neues Gebäude gebildet werden.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben