Bergbau

Gekündigte Bergleute schreiben offenen Brief an Kanzlerin

Im Juni haben die Bergleute in Bottrop gegen die Kündigungen protestiert.

Im Juni haben die Bergleute in Bottrop gegen die Kündigungen protestiert.

Foto: Carsten Walden

Bottrop / Essen.  Nach dem Aus des Steinkohlebergbaus hat die RAG 200 Bergleuten gekündigt. Die wehren sich vor Gericht und bitten die Kanzlerin um Hilfe.

Nach dem endgültigen Aus des Steinkohlebergbaus hat die RAG 200 Bergleuten gekündigt. Dagegen wehren sich die Kumpel vor Gericht. Außerdem haben sie nun einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben mit der Bitte um Hilfe.

Der Protest der Kumpel bezieht sich vor allem auf das Versprechen, wonach kein Kumpel ins Bergfreie falle. Aus dem Grund hatten sich auch schon in Bottrop demonstriert. Ein Besuch der Landtagsdebatte endete in einem Eklat, der Landtagspräsident hatte die Kumpel nach lautstarken Protesten des Saals verwiesen. Später gab es dennoch Gespräche mit Landesarbeitsminister Karl-Josef Laumann. Der sicherte den Kumpel nach deren Aussage Hilfe zu.

Auch in dem Schreiben an Angela Merkel zitieren sie das Versprechen, wonach kein Bergmann ins Bergfreie falle. Die meisten der Gekündigten arbeiteten seit mehr als 25, einige sogar seit mehr als 30 Jahren im Bergbau. „. Bei diesen Kündigungen sucht man vergeblich nach der im Gesetz verankerten Sozialauswahl, gekündigt wurde nach dem Rasenmäher-Prinzip: Wer nicht das richtige Geburtsjahr hat, muss gehen“, so ein Vorwurf der Betroffenen aus dem Brief an die Kanzlerin.

Gleichzeitig werfen die Verfasser der RAG „Propaganda-Lügen“ vor. Das Unternehmen mache „aus uns Opfern die Täter“, um die Kündigungen in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Die Bergleute wiederholen in ihrem Schreiben den Vorwurf, wonach ihnen keine adäquaten alternativen Beschäftigungen angeboten worden wären. Einige hätten überhaupt keine Angebote bekommen, ander hätten sich finanziell wesentlich verschlechtert.

Die RAG-Stiftung als Muttergesellschaft hatte sich bereits zu den Vorwürfen geäußert und sie zurück gewiesen. „Leider haben rund 200 Beschäftigte alle Lösungen abgelehnt – einschließlich des Angebots, direkt von Arbeit in Arbeit vermittelt zu werden“, sagt Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorstandsmitglied RAG-Stiftung, bei der Bilanzvorlage Anfang Juni. Es gebe „in mehr als ausreichender Anzahl“ Jobangebote außerhalb der RAG. „Diese Beschäftigten wollen sich allerdings auf Arbeitsplätze ihrer Kolleginnen und Kollegen einklagen.“ Daher sei der RAG „keine andere Wahl“ geblieben, als Kündigungen auszusprechen, so die Darstellung dieser Seite.

Die Bergleute verweisen in ihrem Brief an Angela Merkel auf den aktuell diskutierten Ausstieg aus der Braunkohle. Auch dort wird gerade über den sozialverträglichen Ausstieg verhandelt. Im Gespräch ist ein staatliches Anpassungsgeld. Das solle sicher stellten, dass die Braunkohle-Kumpel keine finanziellen Einbußen erleiden. Die betroffenen Steinkohle-Kumpel fürchten, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird, so ihr Vorwurf in dem Brief an die Kanzlerin.

Die gekündigten Kumpel hoffen nun auf ein Gespräch mit Angela Merkel, um ihr Anliegen persönlich bei der Bundeskanzlerin vortragen zu können.

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