Interview

Gefragte HRW: Campus Bottrop soll Erweiterung bekommen

Der Bottroper Campus der Hochschule Ruhr West aus der Luft gesehen. Der moderne Bau wurde 2014 fertig gestellt.

Der Bottroper Campus der Hochschule Ruhr West aus der Luft gesehen. Der moderne Bau wurde 2014 fertig gestellt.

Foto: Hans Blossey

Bottrop.   Mehr Beschäftigte als gedacht und ein großer Zulauf an Studenten. Für die Hochschulleitung steht fest: Die HRW braucht in Bottrop mehr Platz.

Zehn Jahre nach ihrer Gründung und fünf Jahre nach der Fertigstellung des Neubaus an der Lützowstraße ist die Hochschule Ruhr West (HRW) in der Stadt so erfolgreich, dass die Hochschulleitung eine Erweiterung am Standort Bottrop verwirklichen möchte. Gedacht wird an einen Neubau oder die Umnutzung eines bestehenden Gebäudes. Mit der kommissarischen HRW-Präsidentin Prof. Susanne Staude sprach WAZ-Redakteurin Nina Stratmann über die Gründe und den Stand der Überlegungen.

Warum braucht die HRW in Bottrop mehr Platz?

Prof. Susanne Staude: Wir haben hier aufgrund von einer guten Erfolgsquote bei Drittmitteln, also Forschungsprojekten, deutlich mehr Beschäftigte als gedacht (26 Professorinnen und Professoren sowie 55 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; Anmerkung der Redaktion). Das ist super, denn das zeigt, dass wir das Richtige tun und dass wir es gut können. Wir machen die Dinge, die die Region braucht. Gerade hier in Bottrop stehen die Themen Energie, Klimawende und Digitalisierung im Fokus. Das passt perfekt in die Zeit.

Die Forschungsprojekte gehen aber einher mit einem hohen Bedarf an Räumlichkeiten – für Anlagen ebenso wie für Bürotätigkeiten. Begleitet wird das durch eine hohe Attraktivität unserer Studiengänge bei den Schülerinnen und Schülern.

Die Zahl der eingeschriebenen Studierenden ist auf rund 1600 gewachsen, das hat die ursprünglichen Erwartungen übertroffen – man ging von rund 1000 Studierenden am Standort Bottrop aus.

Von der Studierendenzahl her sind wir hier voll. Allerdings sind ja nie alle gleichzeitig an der Hochschule. Wir schaffen das auch noch mit den Räumen, aber es gibt wenig Luft.

Wie soll es jetzt weiter gehen?

Wir sind schon in sehr engen Gesprächen mit der Stadt Bottrop und der RAG für das Prosper-III-Gelände. Dort muss noch ein wenig getan werden, aber dann sollen zwei große Projekte dort unterkommen. Zum Thema Digitalisierung wird Professor Michael Schäfer für das Forschungsprojekt „Emscher Lippe hoch vier“ mit Teilen des Fabrikationslabors „FabLab“ und Teilen seines Teams rübergehen. Dazu soll das Kompetenzzentrum für Zirkuläre Wertschöpfung kommen. Wir hoffen, dass es zum Herbst auf Prosper III losgehen kann. Das bietet uns dann mehr Raum für wissenschaftliche Tätigkeiten und Forschung.

Das nimmt ein wenig Druck raus. Doch es gibt weitere Erweiterungspläne. Wie weit sind die Überlegungen?

Wir sind im Gespräch mit der Stadt und dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, um mögliche Standorte zu eruieren. Wir schauen entweder nach einer Fläche, um einen Neubau zu errichten, oder nach einem Gebäude, das sich umnutzen lässt. Je näher ein neuer möglicher Standort am bestehenden Campus liegt, desto besser. Studierende können ja nicht zwei Kilometer zwischen zwei Vorlesungen zurücklegen müssen. Wir wollen auch die Studiengänge nicht auseinander dividieren, denn sie sind untereinander vernetzt. Das ist das, was uns aus und gut macht.

Parallel müssen wir mit Blick auf die Finanzierung dem Land nachweisen, dass wir Erweiterungsflächen brauchen. Wir müssten abgesehen von möglichen Baukosten das Gebäude ja auch bewirtschaften, und dafür brauchen wir die Unterstützung vom Land. Intern arbeiten wir daran, den Nachweis zu erbringen.

Welche neuen Möglichkeiten böte ein Erweiterungsbau?

Wenn wir mehr Freiraum hätten, könnten wir viel mehr Dinge am Rande von Vorlesungen anbieten, zum Beispiel Projekte mit Unternehmen oder der Bottroper Stadtgesellschaft. Vielleicht könnte man dann auch Flächen zur Verfügung stellen für Studierende mit Projektideen oder in der Gründungsphase. Da gibt es sehr viel Potenzial. Das wäre doch großartig, wenn wir den Rahmen dafür bieten können, dass sie in der Region Akzente setzen.

Der Hochschul-Bau an der Lützowstraße wurde so konzipiert, dass er selbst als Labor dienen kann. Welche Ansprüche müsste ein Erweiterungsbau erfüllen?

Wir brauchen kein Gebäude, dass die gleiche High-Tech-Ausstattung hat wie das schon bestehende. Hier gibt es noch so viel Potenzial. Gebraucht würden an einem neuen Standort eher Büro- und Seminarräume mit Anschluss an ein gutes Glasfasernetz. Aber ich würde schon erwarten, dass wir dann ein Gebäude haben, das uns würdig ist.

Welche Größe sollte der mögliche neue Standort haben?

Die Planungen sind noch nicht so weit fortgeschritten, als dass diese Frage beantwortet werden könnte. Ich würde mich freuen, wenn wir in diesem Jahr mit einem konkreten Plan loslegen könnten.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben