Prozess

Für den Freund drei Kilo Marihuana aufbewahrt

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Er ist nur ein kleiner Fisch. Aber durch einen Freundschaftsdienst soll ein Bottroper Angeklagter in einen großen Drogenhandel geraten sein.

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Laut Anklage ist der 53 Jahre alte Bottroper, der sich seit Montag wegen Beihilfe zum Drogenhandel vor dem Landgericht Essen verantworten muss, nur ein kleiner Fisch. Aber offenbar aus Gefälligkeit ist er in einen großen Drogenhandel geraten, der wieder einmal die „Schickeria“ aus dem benachbarten Dorsten betrifft.

Hauptangeklagter ist am Montag vor der VI. Essener Strafkammer der Dorstener Miroslav U. (45). Er soll in zwölf Fällen Kokain, Haschisch und das als Rauschdroge bekannte Medikament Ketamin verkauft haben. Gewalttätig soll der kräftige, breitschultrige Mann auch sein. Laut Anklage bedrohte und misshandelte er einen anderen Mann, weil dieser ihm ein privates Darlehen über 50 000 Euro nicht zurückgezahlt haben soll.

Dass der 53-jährige Kirchhellener jetzt neben ihm sitzt, verdankt er der Angst von Miroslav U. vor Ermittlungen. Dieser, so die Anklage, fürchtete im Oktober 2016, ins Visier der Polizei geraten zu sein.

Drei Kilogramm Marihuana

Deshalb habe er den Bottroper gebeten, eine Tasche mit drei Beuteln Marihuana, jeweils ein Kilo schwer, für ihn aufzubewahren. Im Juni 2017 flog der illegale Freundschaftsdienst auf, nachdem die Polizei Miroslav U. festgenommen hatte.

Ein V-Mann hatte die Polizei zuvor informiert, dass der Dorstener im großen Stil Drogen verkauft. Es entwickelte sich ein Ermittlungsverfahren, in das zum Teil auch die „Schickeria“ Dorstens verwickelt war. Sie besteht vor allem aus Geschäftsleuten.

Das kam vor wenigen Monaten in einem anderen Verfahren vor dem Landgericht Essen zur Sprache, in dem ein Dealer aus Bottrop angeklagt war. Einige Namen sind identisch. Auch jetzt gehören wieder ein Juwelier und ein Dachdecker zu den in der Anklage genannten Kokainkunden des mutmaßlichen Dorstener Dealers. Mal sollen die feineren Herren den Stoff in der Nähe eines Altenheims gekauft haben, mal auf einer geschäftlichen Fahrt. Der Prozess wird fortgesetzt. Vier weitere Tage hat die Strafkammer eingeplant.

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