Schulprojekt

Freizeit lernen

Foto: WAZ

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Mit zwei Projekttagen in der Jahrgangsstufe sechs will die Gustav-Heinemann-Realschule Suchtproblemen vorbeugen. Dabei sollen die Schüler vor allem lernen, ihren Alltag sinnvoll zu gestalten - auch ohne Alkohol.

Die Bewegungen laufen im Takt. Die Drehungen funktionieren gut. Herbert Schwarz ist zufrieden: „Ja, das war schon ganz ordentlich.” Dennoch lässt er die Mädchen die Blues-Schrittfolge noch einmal tanzen, fordert „höchste Konzentration”. Schließlich will der Realschullehrer den zwölf Sechstklässlerinnen heute noch zwei weitere Standardtänze beibringen, langsamen Walzer und Cha-Cha-Cha.

Was das mit Suchtprävention zu tun hat? „Wir möchten das Selbstbewusstsein der Kinder stärken”, erklärt die stellvertretende Schulleiterin der Gustav-Heinemann-Realschule Karen Bagatsch-Preuß. „Die Schüler sollen Anregungen erhalten, wie sie ihre Freizeit sinnvoll verbringen können.” Ohne Alkohol, ohne Drogen. Seit 15 Jahren führt die Schule deshalb jeweils zum Schuljahresende zwei Projekttage durch. Das Motto diesmal: „Kochlöffel und Tanzbär.”

Während sich für den Tanzkurs ausschließlich Mädchen interessieren, sieht man im Erste-Hilfe-Seminar vor allem Jungen. Und die lernen gerade, wie sich nach einem Unfall der Fahrer aus dem verunglückten Wagen befreien lässt. „Was muss als erstes gemacht werden?”, fragt Sylvia Junghänel vom Deutschen Roten Kreuz, die sich als Mutter einer Schülerin bereit erklärt hat, den Kurs zu betreuen. „Das Warndreieck aufstellen”, stellt ein Schüler richtig fest.

Ein anderer darf sich jetzt als Versuchsperson auf einen Stuhl vor die Gruppe setzen. Sylvia Junghänel zeigt die Technik, mit der der Schüler vom Fahrersitz befreit werden kann: Sie beugt den Oberkörper des Schülers nach vorne, dreht ihn dann mit Hilfe der Beine zu sich. „Jetzt kann man den Fahrer vorsichtig aus dem Auto ziehen”, erklärt die DRK-Mitarbeiterin.

Neben Tanz- und Erste-Hilfe-Kurs konnten die rund 120 Schüler zwischen sieben weiteren Projektgruppen wählen. Eine davon ist mit einer ganz besonderen Aufgabe betraut: 14 Schüler sind als Reporter unterwegs und recherchieren für die abschließende Dokumentation der Projekttage. „Wir gucken uns alle Projekte genau an und machen auch selbst Fotos”, sagt Marcel (12). „Wir mussten extra eine Genehmigung abgeben, dass wir uns überall frei bewegen dürfen.” Am Ende will die Gruppe mit den Texten und Fotos Plakate erstellen, die auf den Fluren der zukünftigen Sechserklassen ausgehängt werden sollen.

Ach ja, Kochlöffel und Tanzbär hieß doch das Motto. Deshalb tummelten sich natürlich auch einige Schüler in der großzügig ausgestatteten Küche der Gustav-Heinemann-Realschule. „Englisches Fruchtbrot haben wir gerade gemacht”, berichtet Anna (12). „Und davor gab es Brötchen mit Ei.” Für die Projektgruppe „Kinder Dinner” haben sich, wie auch beim Tanzkurs, nur Mädchen gemeldet. Aber dafür gibt es immerhin zwei männliche Leiter.

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