Seniorenbeirat

Franz Müntefering rät Senioren: Bleibt neugierig

Franz Müntefering hielt am Donnerstag den Festvortrag in der Aula des Heinrich-Heine-Gymnasiums.

Franz Müntefering hielt am Donnerstag den Festvortrag in der Aula des Heinrich-Heine-Gymnasiums.

Foto: Michael Korte

  Der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen war zu Gast in Bottrop. Seniorenbeirat feiert Jubiläum und die „Eule“.

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Man müsse auch im Alter in Bewegung und neugierig bleiben, warb Franz Müntefering und lieferte selber das beste Beispiel dafür, was alles noch geht, wenn man 78 ist. Am Donnerstag war der langjährige SPD-Politiker und frühere Vize-Kanzler in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (Bagso) zu Gast in Bottrop. Im Heinrich-Heine-Gymnasium nahm er an einer Feier zum 25-jährigen Bestehen des Bottroper Seniorenbeirats und zum Abschluss des 15. Semesters der Eule an der Schule teil.

Schüler des Heinrich-Heine sind da wieder in die Rolle der Lehrer geschlüpft und haben Senioren unterrichtet. Dafür hatte Franz Müntefering viel Lob über. Es sei klasse, wenn Alt und Jung in Kontakt bleiben und bereit seien, von einander zu lernen. „Manche Älteren bilden sich ja ein, je älter man wird, desto schlauer wird man. Das ist aber nicht immer so“, gestand der Sauerländer selbstkritisch ein und warb für die Bereitschaft, neugierig zu bleiben, lebenslang zu lernen und auch „auf einander zu hören“.

Senioren könnten Schülern helfen

Wichtig sei das auch angesichts der demografischen Herausforderungen in Deutschland. Immer mehr Alte stünden immer weniger Jungen gegenüber, warnte der Bagso-Vorsitzende: „Die Jungen müssen gut ausgebildet werden, um den Wohlstand erhalten zu können.“ Tatsächlich würden aber viel zu viele junge Menschen – 50 000 bis 60 000 jedes Jahr – die Schule ohne Abschluss verlassen und so meistens auf Dauer den Anschluss verlieren. Hier sieht Franz Müntefering bei fitten Senioren im Unruhestand viel Potenzial, Schüler auf dem Weg zwischen Schule und Beruf zu begleiten.

117 Organisationen seien in der Bagso vertreten, berichtete der Vorsitzende der Organisation. Das seien acht bis neun Millionen Mitglieder und deren Zahl würde in den nächsten 25 Jahren noch wachsen, „ohne dass ich was dafür tun muss“, einfach weil die Älteren immer mehr werden. Er warb dafür, in Bewegung zu bleiben, weil das auch helfe, im Kopf beweglich zu bleiben und vor allem den Kontakt zum Leben und zu den Menschen zu halten.

In Bewegung geblieben, das sind diejenigen auf jeden Fall, die nun schon im 15. Semester am Eule-Projekt im Heinrich-Heine-Gymnasium teilgenommen haben. Eule – das steht für Erleben, Unterrichten, Lernen und Experimentieren und dafür, dass Schüler-Lehrer Senioren unterrichten. 13 Schüler und ein Ehemaliger haben im gerade zu Ende gegangenen Semester drei Englisch-, zwei Computer- und einen Italienischkurs gegeben. Insgesamt 44 Senioren haben diesmal daran teilgenommen.

„Mutter Eule“ ist von Anfang an dabei

Dass es diese Kurse überhaupt gibt, ist Käthi Liko zu danken, der Initiatorin und Leiterin von Beginn an. 80 sei sie inzwischen sagt sie und fügt nicht ohne Stolz und Freude hinzu, manche „ihrer“ Schüler würden sie auch „Mutter Eule“ nennen. Zweifach prämiert und anerkannt ist das Projekt, das jedes Jahr wieder Senioren findet, die noch mal was Neues lernen wollen, ebenso wie Schüler, die sie unterrichten wollen.

Solche wie Philipp Jeschka, der schon gar kein Schüler mehr ist, aber „verlängert“ hat. „Es macht einfach Spaß", sagt er. Er hat im letzten Jahr Abi gemacht, ist jetzt im Freiwilligen Sozialen Jahr und immer noch Eule-Lehrer. Oder Jana Röken und Natalie Scherbina, die gemeinsam mit ihrem Lehrer und Projektkoordinator Volker Heek die Veranstaltung in der Schulaula moderiert haben. „Wir Schüler profitieren ja auch davon. Ich habe mich in Englisch verbessert und bin viel selbstbewusster geworden“, erzählt Natalie.

Von einem Gewinn für beide Seiten sprach auch Schulleiter Tobias Mattheis und davon, dass Bildung nicht mit dem Abitur ende, sondern lebenslang weitergehe. Schuldezernent Paul Ketzer wiederum nannte „Eule“ ein Erfolgsprojekt seit 2003. Jutta Pfingsten, die Vorsitzende des Seniorenbeirats dankte den SchülerInnen und überreichte eine kleine Aufwandsentschädigung als Dankeschön.

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