200 Jahre mit der Kohle

Fackelexpedition führt Wanderer in die Bergbau-Heimat

Bevor die Fackeln entzündet wurden, lauschten die Wanderer auf der Halde den Erklärungen des Bergmanns.

Bevor die Fackeln entzündet wurden, lauschten die Wanderer auf der Halde den Erklärungen des Bergmanns.

Foto: Heinrich Jung

Bottrop.  Eine Touristengruppe macht sich auf den Weg auf die Halde Haniel, um die Region besser kennenzulernen. Ein ehemaliger Bergmann führt sie an.

„Teilt das Feuer! Haltet die Flamme so im Wind, dass das Feuer von ihm getragen wird“, ruft Melanie Hundacker den 22 Wanderern auf der Halde Haniel zu, bevor sie den ersten Leuchtkörper in der Dunkelheit anzündet. Die Leiterin der Fackeltour hält den mit Wachs ummantelten Stab in die Mitte, die Teilnehmer zünden ihre eigenen Fackeln daran an. Dann setzt sich die Gruppe in Bewegung, es geht den Kreuzweg hinunter.

38 Berufsjahre im Bergbau

In kleinen Freundesgruppen machen sich die Läufer auf den Weg. An der Spitze des kurzen Menschenzuges schreitet der ehemalige Bergmann Heinrich Birkenstock voran, der am Samstag die Rolle des Gruppenführers übernimmt. Der 68-Jährige hat 38 Berufsjahre im Bergbau hinter sich, er war Vermessungsingenieur in der Forschung. Der Haldenfachmann ist in fast allen Bergwerken der Region eingefahren und musste zum Beispiel im Jahr 2003 den Wetterschacht von Prosper Haniel kontrollieren.

Die Teilnehmer, die etwa aus Bottrop, Essen, Gelsenkirchen oder Bochum kommen, erfahren an den Kreuzweg-Stationen, was ein Mutterklötzchen (erstes Anzündhölzchen) oder eine Schrämmaschine (Kohle-Abbaugerät) ist. Birkenstock klärt über Sicherheitsmaßnahmen in Bergwerken auf. An einer Kreuzwegstation geht er auf die Ausbaubögen unter Tage ein. „Der Streckenquerschnitt ist wichtig für die Menge an Luft, die durch die Tunnelanlagen gepustet werden kann, ohne dass gleichzeitig zu viel Staub aufgewirbelt wird.“

Die bunt gemischte Gruppe, die aus Familien mit Hunden, einigen Wanderfans und vielen Bergbauinteressierten besteht, lernt, warum das umliegende Land über die Jahre um rund 20 Meter abgesunken ist. Die Läufer zücken ihr Handy oder die Kamera, um Eindrücke von der Fackeltour festzuhalten. Hier und da fangen sie auch die Region, den Gasometer in Oberhausen oder den Tetraeder in Bottrop auf einem Foto ein.

Die Tochter eines Steigers läuft auch mit

„Für uns ist der Tag eine Expedition in die Heimat. Wir genießen einfach die wundervolle Aussicht. Die schönen Anekdoten des Steigers haben etwas für sich“, betonen Frank (65) und Anne Bronst (65). Die Essener können sich vorstellen, einen ähnlichen Ausflug nochmal mitzumachen. Anne Bronst unterstreicht: „Mein Vater war Steiger. Ich bin Grundschullehrerin und habe im vierten Schuljahr Bergbau als Thema. Heute nehme ich neue Eindrücke für den Unterricht mit.“

Auch Sabine Kohlhass (48) hat es die Tour angetan. „Die Idee ist gut. Schön wäre nur, wenn wir uns mehr Zeit genommen hätten, um mit den Fackeln unterwegs zu sein. Unser Bergmann ist auch ein Typ für sich, er macht seinen Job echt gut.“

Leiterin Melanie Hundacker vom Veranstalter „Simply Out Tours“ resümiert: „Vielen ist gar nicht bewusst, was die Region bewegt hat. Die Tour trägt dazu bei, die Heimat besser kennenzulernen.“

>>>> NÄCHSTER TERMIN

Wer selbst einmal bei der Fackeltour mitmachen möchte, der hat am Samstag, 24. Februar, noch einmal die Möglichkeit dazu. Sie startet um 17.15 Uhr, um 19.30 Uhr endet der Ausflug. Für die Führung fallen 19 Euro pro Person an.

Buchungen sind über die Seite www. simply-out-tours.com möglich. Dort finden Interessierte zusätzliche Infos zur Tour und zu weiteren Veranstaltungen.

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