Bildung

Fachabiturienten lernen am Berufskolleg jetzt Niederländisch

Sprachlehrer Wim Waumans will Berufskollegschüler Berkan Atik gut auf dessen geplantes Studium in den Niederlanden vorbereiten.

Sprachlehrer Wim Waumans will Berufskollegschüler Berkan Atik gut auf dessen geplantes Studium in den Niederlanden vorbereiten.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Im Bereich Gesundheit kann ein Studium in den Niederlanden attraktiv sein. Vom Sprachunterricht am BKB können aber auch noch andere profitieren.

Ob zum Einkaufen in Venlo oder Entspannen am Strand von Scheveningen: Für einen Ausflug zieht es die Bottroper häufig in die Niederlande. Dass sich in dem Nachbarland auch gut studieren lässt, wollen die Verantwortlichen vom Berufskolleg Bottrop (BKB) gerade ihren Fachabiturienten im Bereich Gesundheit und Soziales näher bringen. Dafür rüsten sie die möglichen Studierenden seit Schuljahresbeginn mit Unterricht in Niederländisch.

Am Berufskolleg Bottrop sollen Niederländisch-Grundkenntnisse vermittelt werden

Das wird am BKB nicht zum ersten Mal gelehrt, hatte aber ein paar Jahre Pause. „Es war mir ein großes Anliegen, Niederländisch wieder anzubieten. Die Niederlande bieten tolle Möglichkeiten, gerade im Bereich Gesundheit und Soziales“, sagt Bereichsleiterin Anna Dosoruth-Lück. „Meine Idee ist, dass die Schüler bei uns Grundkenntnisse erwerben, so dass die Hemmschwelle für ein Studium dort niedriger ist.“

Sie ist froh, dass das BKB mit Wim Waumans nun einen versierten Lehrer finden konnte – „wir hatten nach jemanden gesucht. So viele Lehrer für Niederländisch gibt es nicht auf dem Markt“, weiß Anna Dosoruth-Lück. Waumans lehrt nicht nur die Sprache gern, er schwärmt auch geradezu von den Studienmöglichkeiten jenseits der nahen Grenze. Zum einen gebe es in den Niederlanden den Numerus Clausus nicht so wie in Deutschland. Zudem: „Wenn ich zum Beispiel Physiotherapeut werden möchte, mache ich das in Deutschland als Ausbildung. In den Niederlanden kann ich das studieren und habe dann einen Bachelortitel.“

Praxisorientierte Studiengänge in den Niederlanden

Die Studiengänge gerade im medizinischen Bereich seien sehr praxisorientiert. Außerdem sei der Weg nicht weit: „Von hier aus ist es näher dorthin als etwa nach Augsburg oder Berlin.“ Mitberücksichtigen müssen Interessierte aber, dass Studiengebühren anfallen.

Anna Dosoruth-Lück weist darauf hin, dass es neben Studiengängen wie Ergotherapie, Logopädie, Gesundheitswissenschaften auch eher ungewöhnliche Angebote wie Kreative Therapie gibt. „Mit den Abschlüssen kann man international tätig werden.“

Berufskolleg-Schüler weiß schon: Er will in den Niederlanden Lehrer werden

Für Berufskolleg-Schüler Berkan Atik (20) steht schon fest: Er möchte in den Niederlanden ein Grundschullehramt-Studium absolvieren. „Ich habe eine Cousine, die dort studiert, und sie hat mir viel erzählt.“ Zum Beispiel von der engeren Bindung zwischen Dozenten und Studenten. „Außerdem gibt es dort viele Studierende aus anderen Ländern, es ist sehr international“, erzählt Berkan Atik. In vielen Studiengängen werde im Übrigen auch auf Englisch unterrichtet.

Der 20-Jährige stellt sich vor, nach dem Studium im Nachbarland zu bleiben und hat zum Beispiel auch schon einen VHS-Kurs in Niederländisch belegt. Tatsächlich hat sich der junge Mann die hiesige Berufsfachschule Sozial- und Gesundheitswesen extra ausgesucht, weil die Sprache hier unterrichtet wird. „Ich komme aus Herne, da gibt es so etwas nicht.“

Für Wim Waumans ist es eher eine neue Erfahrung, wenn Schüler schon Vorkenntnisse haben. „In diesem Jahr habe ich zum ersten Mal Schüler dabei, die das vorher schon an der weiterführenden Schule gelernt haben.“ Darunter zum Beispiel ein Mädchen der Bottroper Marie-Curie-Realschule.

Sprachunterricht erhalten auch die Azubis im Einzelhandel

Niederländisch-Unterricht steht am Berufskolleg auch im Stundenplan der Auszubildenden im Einzelhandel. „Es sind relativ viele Niederländer im Movie Park und in der Skihalle. Sie machen dann auch Abstecher in die Stadt“, sagt Waumans. Entsprechende Sprachkenntnisse sind da ohne Frage von Vorteil. Und letztlich auch für all diejenigen, die einfach gerne ihre Freizeit im Nachbarland verbringen.

Insgesamt möchte das Berufskolleg auch wieder mehr in den Austausch treten, etwa mit Unis in den Niederlanden oder über geförderte, grenzüberschreitende Projekte. Übrigens: Schwierig sei die Sprache eigentlich nicht. „Nur die Aussprache vielleicht“, so Wim Waumans. „Und das Hören – die Niederländer sprechen so schnell.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben