Corona und die Folgen

Der Einzelhandel in Bottrop braucht digitale Angebote

Bottrop im Juni: Mehr Kunden besuchen die Innenstadt. Die Folgen von Corona sind etwa auf dem Wochenmarkt zu beobachten. Kunden müssen nun einen Mund-Nase-Schutz tragen.

Bottrop im Juni: Mehr Kunden besuchen die Innenstadt. Die Folgen von Corona sind etwa auf dem Wochenmarkt zu beobachten. Kunden müssen nun einen Mund-Nase-Schutz tragen.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Der Vorsitzende des Bottroper Einzelhandelsverbandes sieht Chancen in der Krise. Die Wirtschaftsförderung wirbt für „Louise“ und „hallo-bot.de“.

Der Einzelhandel in Bottrop steckt wie in vielen Städten in der Krise. Corona hat die Situation verschärft und wird sie weiter verändern „Der Strukturprozess wird sich noch einmal beschleunigen“, sagt Jan Gerd Borgmann, Vorsitzender des Bottroper Einzelhandelsverbandes.

Händler, die sich bisher schon schwer getan haben, werden es während und nach der Pandemie noch schwerer haben. Kleine stationäre Geschäfte ohne Internetangebot könnten abgehängt werden. Borgmann fürchtet, dass mehr Leerstand in der Innenstadt die Folge sein könnte. Deshalb appelliert er an die Einzelhändler, in der jetzigen Krise auch eine Chance für das eigene Geschäft zu sehen.

Von Einzelhändler wird Kreativität, Mut und Flexibilität erwartet

„Einzelhändler müssen kreativer, mutiger und flexibler sein“, meint Borgmann. Er hofft, dass in diesen schwierigen Zeiten trotzdem die Bereitschaft entsteht, sich auf Veränderungen einzulassen. Neue Vertriebs- und Marketingwege müssen gesucht und gefunden werden. Der Online-Handel könne eine Alternative sein.

Dorothee Lauter, Abteilungsleiterin im Amt für Wirtschaftsförderung, verweist auf das Logistikprojekt „Louise“ und die Internetplattform „hallo-bot.de“. In der Coronakrise hat sich Louise als Lieferdienst bewährt. Nach Angaben von Dorothee Lauter haben sich mittlerweile 360 Kunden registriert. „Die Händler sollten dieses Angebot als zusätzliche Dienstleistung für sich sehen“, meint sie.

Der Meinung kann sich Borgmann nur anschließen: „Louise ist ein cleveres Projekt.“ Sein Rat an die lokalen Einzelhändler: „Ich kann nur jedem empfehlen, sich über das Projekt zu informieren und mitzumachen.“ Dasselbe gelte für „hallo-bot.de“.

Potenzial steckt in zwei lokalen Digital-Projekten

In beiden digitalen Projekten sieht Lauter mehr Potenzial, welches in den kommenden Monaten genutzt werden sollte. Vor allem Händler aus der Lebensmittelbranche hätten in Zeiten von Corona bisher gute Erfahrungen mit Louise gemacht.

Der Internetauftritt der Plattform hallo-bot.de soll noch überarbeitet werden. Nach Aussagen der Abteilungsleiterin haben sich bisher 88 Händler registriert. Innerhalb einer Woche ist diese von der städtischen Wirtschaftsförderung entwickelte Seite aus der Taufe gehoben worden. Lauter erklärt, dass die Plattform auch ohne die Coronakrise entwickelt worden wäre, aber womöglich nicht in so schneller Zeit. „Der Auftritt war angedacht als digitales Schaufenster“, sagt sie. Die vielen Angebote der Stadt werden im Internet sichtbar gemacht. Alle Beteiligten müssen gemeinsam an einem Strang ziehen. „Wir sitzen alle in einem Boot“, so Dorothee Lauter.

Langfristig würde sich Jan Gerd Borgmann ein Innenstadtkonzept unter politischer Führung der Stadtspitze wünschen. „Wir müssen uns überlegen, wie soll die Innenstadt in fünf oder zehn Jahren aussehen“, sagt er und betont, dass es sich dabei nicht um ein reines Einzelhandelskonzept handeln soll. Denn der Einzelhandel könne eine Innenstadt in Zukunft nicht alleine beleben. Die City muss auf mehreren Säulen stehen. Und der Einzelhandel sei dabei nur eine Säule. Weitere sind: Gastronomie, Kultur, Dienstleistungen und Wohnraum.

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