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90. Geburtstag

Eine Kirchhellener Geschichtsstunde

Elisabeth Steinberg in den späten 1940ern bei der Arbeit an der Tankstelle bei Schulte-Wieschen.Repro:André Elschenbroich

Foto: WAZ

Kirchhellen.   Elisabeth Steinberg wird am Mittwoch 90 Jahre alt. Bei Schulte-Wieschen und in zwei eigenen Kauflädenhat sie in diesem langen Leben Dorfgeschichte erlebt und selber mitgeschrieben.

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90 Jahre wird Elisabeth Steinberg am Mittwoch alt und rege ist sie wie der sprichwörtliche Turnschuh. „Mir macht’s noch Spaß“, lacht die froh gelaunte Seniorin.

Gut, nach einem überstandenen Schlaganfall ist die Urkirchhellenerin nicht mehr so mobil. Ihrer Kontaktlust und Erzählfreude tut das aber keinen Abbruch, im Gegenteil. Eine Plauderei mit ihr wird so zur Kirchhellener Geschichtsstunde. „Ich könnte so viel erzählen über das Dorf“, sagt sie.

Der Mittelpunkt des Dorflebens

Geboren 1924 als Elisabeth Fockenberg im Haus neben dem Saal Schulte-Wieschen – damals mit Festsaal, Bäckerei und Tankstelle der Mittelpunkt des Dorflebens, für elf prägende Jahre auch der Mittelpunkt im Leben der jungen Frau, die hier lernte und insgesamt elf Jahre arbeitete. Ein altes Foto – aufgenommen in den späten 1940ern – zeigt sie an der Tankstelle vor dem Saal. Es gab zwei Säulen, eine für Aral, eine für Shell. Wenn ein Autofahrer Sprit brauchte, hupte er vorm Haus. Dann musste sie rausflitzen, mit der Handpumpe Druck aufbauen und den Tank füllen, erzählt Elisabeth Steinberg. „Kam aber nicht so oft vor. Es gab ja noch nicht so viele Autos.“

1949 lernte sie ihren Ehemann Paul kennen („vom sehen kannte ich den auch früher schon“, erzählt sie), ein Spätheimkehrer aus dem Krieg, Sohn von einem kleinen Bauernhof. 1950 heirateten die beiden, machten sich mit einem eigenen Laden selbstständig. Zuerst in der Siedlung Hohe Heide, wo Wohnraum entstanden war für 125 Bergmannsfamilien. Die Steinbergs waren die Versorger der Siedlung, hatten anfangs das einzige Auto, das einzige Telefon dort. „Alles hat sich bei uns abgespielt“, erinnert sich die Jubilarin. 1959 dann hat sie mit ihrem Mann an der Burgstraße ein neues Haus gebaut, einen Laden dazu. In dem residiert heute der Weinmarkt Kirchhellen als Pächter. Die kleinen Nachbarschaftsläden, wie Steinbergs einen betrieben, gibt es heute nicht mehr.

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Prägender Teil ihres Lebens war zudem die Gemeinde St. Johannes. Als Elisabeth Steinberg Kind war, kamen die Leute in Holzschuhen zum Gottesdienst, bei jedem Wetter – „egal, ob’s geregnet hat oder geschneit: Früher war die Kirche immer überfüllt.“

Die Arbeit war ihr Hobby

Ihr Rezept, so fit so alt zu werden: „Ich sag’ immer, wer rastet der rostet“, lacht Elisabeth Steinberg. Hobbys? Nö, hat sie nicht. Die Arbeit war Hobby. Über 40 Jahre im Laden, später vor allem im Garten. „Ich war immer draußen und hab’ mich nie gerne bedienen lassen.“

Heute lebt sie etwas ruhiger. Der eine Sohn mit im Haus, der andere nebenan. Die beiden decken ihr am Vorabend immer den Frühstückstisch. Aus dem Wohnzimmerfenster genießt Elisabeth Steinberg den Blick aus dem Fenster auf Pastors Busch. „Und wenn ein Kirchhellener vorbeikommt, dann freu’ ich mich“, sagt sie. Denn auch das war ihr immer wichtig: Eine gute Nachbarschaft, in der einer auf den anderen achtet.

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